Praxis

4/2016 - Macht, Souveränität, Herrschaft

Homemade Horror

Tipps für No Budget Splatterfilme

AutorIn: Christoph Kaindel

Sie wollen mit Kindern und Jugendlichen einen Horrorfilm drehen? Dann hat Christoph Kaindel mit diesem Artikel zur Horrorkompetenz eine sehr gute Basis geschaffen, um Lernende und Lehrende mit den Masken der Zombies vertraut zu machen …

Abstract

"Jugendliche brauchen Horror!" – In diesem Artikel erklärt Christoph Kaindel, warum er dieser These zustimmt, warum sich insbesondere die Produktion von Zombie-Filmen für die Arbeit mit Jugendlichen eignet und wie man mit geringen Mitteln eindrucksvolle Horror-Makeup-Effekte erzielt ...


1. Einleitung

"Jugendliche brauchen Horror", so fasst Marcus Stiglegger eine These zusammen, die er in dem Artikel Die Bedeutung des Horrorfilms für Jugendliche auf mediamanual.at ausführlich begründet. Der moderne Horrorfilm ist seit etwa fünfzig Jahren vorwiegend für Jugendliche interessant, da er mehrere Themen aufgreift, mit denen sie sich im Laufe des Erwachsenwerdens herumschlagen müssen. Vor allem sind dies die Reflexion der gesellschaftlichen Realität, Konflikte mit Eltern und anderen Autoritäten sowie die Entfremdung vom eigenen Körper. Mit diesen Themen setzen sich Horrorfilme in grotesk übersteigerter Weise auseinander. Die Zombie-Filme George Romeros etwa sind als Antikriegsparabeln, Kapitalismuskritik und Anklage gegen Fremdenfeindlichkeit zu lesen. Im Slasher-Film erscheint der maskierte Mörder oft als Vollstrecker des gesellschaftlichen Über-Ich, der Regelbruch und Freizügigkeit grausam straft. Horrorfilme der letzten Jahre beziehen sich auf Folterskandale, Kriegsverbrechen, Gentechnik, Rechtsradikalismus und viele weitere aktuelle Themen. Jeder Horrorfilm zwingt zu einer Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit. Der gemeinsame Konsum von Horrorfilmen, das erfolgreiche Überstehen der "Angstlust", wirkt als Mutprobe und Initiationsritus.

Wenn man Stigleggers Argumentation folgt, dient das wegen seiner angeblichen Eignung zur sozialethischen Desorientierung meist mit Jugendverbot belegte Jugendmedium Horrorfilm tatsächlich eher der sozialen Orientierung von Jugendlichen, der Auseinandersetzung mit ihren Problemen und Ängsten. Um dies zu unterstützen, bedarf es einer spezifischen "Horrorkompetenz", die am besten durch die Produktion eigener Horrorfilme entwickelt werden kann. Auf diese Weise können sowohl eigene Medienerfahrungen als auch aktuelle Themen und Ereignisse be- und verarbeitet werden. Wie bei allen Filmproduktionen mit Jugendlichen ist darauf zu achten, dass reale Konflikte, Gruppenstrukturen und Machtverhältnisse nicht im Film reproduziert, sondern vielmehr umgekehrt werden. Wer also im realen Leben zurückhaltend ist, soll im Film ermutigt werden, eine HeldInnenrolle zu übernehmen. Auch dramaturgisch wirkt es besser, wenn die Lauten, Starken untergehen und die scheinbar Schwachen am Ende als SiegerInnen dastehen.

Die Stilmittel des Horrorfilmes sind vielfältig. Manche Horrorfilme kommen mit subtilen Effekten aus, arbeiten mit bedrohlichen Schatten und ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, andere setzen auf "Splatter", das lautmalerisch benannte exzessive Verspritzen von Blut. Der Schrecken kann schleichend daherkommen, oder die ZuschauerInnen werden durch "jump scares" aus den Sitzen gerissen. Eine ausgezeichnete Einführung in die Horrorfilmproduktion ist auf WikiHow zu finden. Von der Vorbereitung über den Dreh selbst bis hin zu Schnitt und Vertonung wird hier in zahlreichen Beispielen dargestellt, wie eine Filmproduktion abläuft und was einen erfolgreichen Horrorfilm ausmacht.


Abb. 1: Wikihow: Einen Horrorfilm drehen

2. Der Zombiefilm

Ich werde mich hier mit dem Subgenre des Zombiefilmes beschäftigen, das sich sich aus mehreren Gründen für die Arbeit mit Jugendlichen anbietet. Zum einen können seine Gesetzmäßigkeiten als bekannt vorausgesetzt werden. Zombies sind in aktuellen Horrorfilmen Menschenfresser, entweder Untote oder von einer Krankheit betroffen, mit denen nicht kommuniziert werden kann. Wer gebissen wird, verwandelt sich selbst in einen Zombie. Auf diesen Konventionen kann man aufbauen, natürlich können sie auch gebrochen werden.

Es heißt, Zombiefilme wären gerade in Krisenzeiten besonders populär; kein Wunder daher, dass in den letzten Jahren eine Fülle an Filmen, Fernsehserien und Videospielen mit Zombie-Thematik entstanden ist. Das Genre eignet sich zur Behandlung verschiedenster Themen von Rassismus über Kriegspropaganda bis zum Grundkonflikt zwischen Kollektiv und Individuum. Der moderne Zombiefilm hat seit Night of the Living Dead oft Gesellschaftskritik transportiert, es geht meist um ein Ereignis, an dem die Menschen selbst schuld sind und das letztlich zu ihrem Untergang führt: die Zombie-Apokalypse.


Abb. 2: Night of the Living Dead, George A. Romero (1968)

In Filmprojekten mit größeren Gruppen ist es oft schwierig, für alle Beteiligten geeignete Rollen zu finden; dieses Problem gibt es beim Zombiefilm nicht. Da Zombies meist in Massen auftreten, kann die gesamte Gruppe auch im Film gezeigt werden – je mehr, desto besser, man kann nie zu viele Zombies haben. In einem dreitägigen Schulprojekt (BORG Henriettenplatz 2013) wurden zusätzlich die Parallelklasse und die Lehrerschaft als "flüchtende Zombie-Opfer" rekrutiert. Die grausliche Maske neutralisiert oft die Kamerascheu – wer einen Zombie spielt, kann, ja muss, hässlich sein und sich seltsam bewegen. Wer keine Sprechrolle übernehmen möchte, kann jedenfalls auf der Flucht gezeigt werden oder als aufwändig geschminkter "Edelzombie" im Vordergrund durchs Bild wanken. Gutes Makeup und entsprechendes Bewegungstraining sind entscheidende Elemente eines Zombiefilmes.

3. Very Low Budget Zombie Makeup

Am Beispiel des Filmes Zombieversum, der vor einigen Jahren im Rahmen eines Wettbewerbes entstanden ist, gebe ich nun einige Tipps zur (Almost) No Budget Splatterproduktion. Im Sommer 2010 haben einige Freunde und ich diesen Zombie-Kurzfilm im Laufe eines Tages gedreht, ohne Budget und mit einem Minimum an technischer Ausstattung. Da uns keine professionellen Schauspieler zur Verfügung standen und wir keine Zeit für Proben hatten, einigten wir uns darauf, eine Pseudo-Doku im Stil von "Universum" zu drehen. Nur der typische salbungsvolle Sprecher war ein Profi. Ich habe das Drehbuch verfasst und war für das Zombie-Makeup verantwortlich.

Mein Wissen über billige Horror-Makeup-Techniken stammt aus zwei Büchern, die als Klassiker des (relativ) einfachen Monster-Makeup gelten, aber heute nur schwer zu bekommen sind: das "Do-it-yourself Monster Make-up Handbook" (1965) von Oscarpreisträger Dick Smith, und "Grande Illusions" (1983) von Tom Savini, dem Maskenbildner von "Night of the Living Dead" und zahlreicher weiterer Horrorfilme.


Abb. 3: Do-it-yourself Monster Make-up

Von Dick Smith
Quelle: Amazon

Heute ist natürlich Youtube das Medium der Wahl, um Anleitungen zur Herstellung von Horrormasken zu finden. Eine einfache Latex-Wunde wird hier gezeigt.


Abb. 4: Latex-Wunde, Youtube/User: Freakmo

Die unten beschriebene Anleitung zum Anfertigen einer Maske direkt im Gesicht wird in diesem Video demonstriert, wie auch hier. Dies ist eine einfache Anleitung für eine Echsenmenschen-Maske. Hier wird das Modellieren einer Maske mithilfe von Plastilin gezeigt. Für dieses großartige Zombie-Makeup schließlich braucht man Spezialmaterial, das im Gesicht modelliert werden kann.

4. Die Basis: Gummimilch

Grundzutat für einfaches Spezial-Makeup ist flüssiges Latex, Gummimilch, die ab ca. € 25,- pro Liter erhältlich ist. Reine Gummimilch ist weiß und trocknet gelblich-transparent; es gibt sie auch gefärbt im Makeup-Fachhandel. Die Milch lässt sich mit jeder wasserlöslichen Farbe einfärben, Acrylfarben oder einfache Bastelfarben sind ideal. Gefärbtes Latex klebt weniger stark, ist aber auch weniger elastisch. Gefärbtes Latex wird auch zum Überziehen von Liverollenspielwaffen verwendet. Einige Vorsichtsmaßnahmen sind beim Umgang mit Latex zu beachten:

  • Um eine Latex-Allergie auszuschließen, sollte Gummimilch zunächst bei jeder zu schminkenden Person zur Probe am Unterarm aufgetragen und dabei auf Hautreizungen geachtet werden.
  • Sollte Flüssiglatex in die Haare oder auf Kleidung geraten, muss es mit viel Wasser ausgewaschen werden – getrocknete Gummimilch lässt sich aus Stoff nicht mehr entfernen. Auch wenn sie in die Augen gerät, muss sie sofort ausgewaschen werden.
  • Da Gummimilch Ammoniak enthält, riecht sie stechend und kann die Augen reizen. Es gibt Flüssiglatex mit niedrigem Ammoniakanteil.
  • Trinken soll man die Milch natürlich auch nicht, es wird aber kaum jemand auf diese Idee kommen.
  • Latex klebt beim Trocknen gut und verklebt extrem stark mit sich selbst. Daher müssen jeder Latexteil, jede Maske und jede Wunde nach der Fertigstellung mit Puder abgedeckt werden. Ein billiger Babypuder genügt.

Sehr gut eignet sich Latex für die Herstellung grauenhafter Verwundungen und hässlicher Hautstrukturen, die sich sehr schnell produzieren lassen, wenn die technischen Hilfsmittel, nämlich Licht und ein Föhn, vorhanden sind. Wunden können in Positivtechnik erzeugt, also direkt auf Gesicht oder Körper, auf einem Perückenkopf oder einer Glasplatte, modelliert werden. Gummimilch wird dabei kombiniert mit Papiertaschentüchern, Watte, dünnem Schaumgummi, Dichtungshanf, Styroporstücken, Semmelbröseln, Haferflocken usw. und mit dem Fön getrocknet.

Zum Überschminken von Latexteilen muss eine spezielle Grundschminke für Latex verwendet werden, da sonst im Film die Grenzlinie zwischen Latex und Haut sichtbar wird. Schminke muss immer durch Puder fixiert werden. Dazu gibt es Transparentpuder in verschiedenen Hauttönen, das den Farbton der Schminke etwas aufhellt. Weißes Babypuder ist billiger und tut es bei Zombies meist auch. Jedenfalls sollte immer dunkler geschminkt werden, als es nachher aussehen soll. Für Details gibt es im Fachhandel spezielle Wunden-Schminkpaletten, die verschiedene Rot-, Braun- und Grautöne enthalten.


Abb. 5: Latex-Schminkset für Grusel-Make-up,
Quelle: Amazon

Für schnelles, großflächiges Schminken über den ganzen Körper oder Körperteile ist wasserbasierte Schminke empfehlenswert, die nicht durch Puder fixiert werden muss, sich durch Schwitzen kaum löst, aber mit Wasser und Seife einfach zu entfernen ist. Der "Jungzombie" in Zombieversum wurde nur mit Aquaschminke gestaltet. Beim Schminken Hals und Hände nicht vergessen! Nichts wirkt lachhafter als ein halb verwester Zombie mit jugendlich zarten Händen.

5. Wunden, Glatzen, Hautstrukturen

Altersfalten in Gesicht und Händen kann man erzeugen, indem man die Haut quer zur gewünschten Faltenrichtung spannt, Latex aufträgt, trockenföhnt, Puder aufträgt und dann erst die Haut wieder entspannt. Für monströse Hautstrukturen werden Hanf, Semmelbrösel u. ä. verwendet. Einfach Latex ins Gesicht schmieren, Semmelbrösel aufstreuen und föhnen, dann noch eine Schicht Latex, föhnen, abpudern und schminken.

Für die einfachsten Wunden wird ein Stück Papiertaschentuch in Latex getränkt und aufgeklebt. Dann wird es mit dem Föhn getrocknet und etwas aufgerissen. In die dadurch entstandene Fleischwunde kann man für die plastische Wirkung etwas Watte stopfen, damit die Wundränder auseinanderklaffen, Knochensplitter aus Styropor hinzufügen etc. Immer wieder Latex darüberstreichen, immer wieder föhnen. Watte saugt viel Latexmilch auf, muss daher lange geföhnt werden. Besser eignen sich dünne Schaumgummiteile, vor allem für Bisswunden, aus denen größere Fleischfetzen heraushängen. Der Splatter-Makeup-Spezialist Tom Savini hat in seinen Anfangsjahren Stümpfe abgetrennter Arme durch rotgefärbte Schaumgummistücke in abgerissenen Ärmeln dargestellt. Das funktioniert auch heute noch gut, wenn die Wunde nur kurz zu sehen ist. In eine derartige Wunde kann ein Schlauch eingebaut werden, um daraus Blut zu verspritzen, wie beim "Ohrenabriss" in Zombieversum gezeigt. Alle Wunden sind recht stabil und daher mehrmals verwendbar. Sie werden mit Mastix oder einfach wieder mit Latex erneut aufgeklebt.


Abb. 6: Maskenvorbereitungen zu Zombieversum,
Mockumentary, Österreich 2010; 6:30 Minuten.

Es ist möglich, auf diese Weise eine komplette Maske zu produzieren – die Zombiemaske in Zombieversum wurde direkt auf das Gesicht der Darstellerin modelliert. Aus Schaumgummi können Nase, Kinn und Augenwülste aufgebaut und mit latexgetränkten Taschentüchern oder dünnem Stoff überzogen werden. Die Papierschicht soll immer möglichst dünn sein, weil die Maske dadurch weniger elastisch wird, aber sie soll auch nicht einreißen. Augenbrauen und Bart können aus Hanf, Kunstpelz oder Echthaar hergestellt werden. Da die Herstellung einer kompletten Maske mehrere Stunden dauert, sollte sie besser auf einem Gipsabdruck (s. u.) hergestellt werden. Wenn sie nicht zu eng am Gesicht anliegen muss, kann man die Maske auf einem einfachen Perückenkopf bauen. Komplettmasken kann man vorher einfärben, Teilmasken (Nase, Kinn) sollten naturfarben belassen und überschminkt werden.


Abb. 7: Maske in Zombieversum,
Mockumentary, Österreich 2010; 6:30 Minuten.

Eine billige Glatze wird hergestellt, indem man eine Nylonstrumpfhose über einen Perückenkopf, am besten aus Glas, zieht und mit Latex bestreicht. Föhnen, mit Puder abdecken (auch innen, daher vorsichtig abziehen und immer wieder Puder auftragen), zuschneiden, fertig. Die Glatze kann auch nur aus Latex hergestellt werden, ist dann elastischer, aber weniger haltbar.

6. Gipsabdruck herstellen

Für den Bau komplizierter Masken ist ein Modell des Gesichtes des Darstellers, der Darstellerin notwendig; dafür muss ein Gipsabdruck angefertigt werden. Das Modell legt sich auf den Rücken, die Haare sind mit Plastikfolie oder Gummiglatze abgedeckt, die Ohren mit Wattestopfen verschlossen. Das Gesicht wird mit Vaseline eingeschmiert, Augenbrauen und Wimpern mit Papierstücken abgedeckt. Ein zusammengerolltes Handtuch, das um den Kopf gelegt wird, begrenzt den Maskenbereich. Der/die Helfer/in rührt eine dickflüssige Gipsmasse an, trägt sie von außen nach innen auf und achtet vor allem um Mund und Augen darauf, dass keine Luftblasen entstehen. Die Nasenlöcher bleiben natürlich frei. Die Gipsschicht sollte mindestens einen Zentimeter dick, am Rand etwas dicker sein. Nach dem Trocknen bläst das Modell durch den Mund vorsichtig Luft in das Negativ, um das Ablösen zu erleichtern. Das Negativ wird dann abgelöst, die Nasenlöcher zugestopft. Dann wird das Negativ mit Vaseline ausgeschmiert und mit Gips ausgegossen, um das Positiv herzustellen. Dieses sollte man über Nacht trocknen lassen und dann das Negativ abnehmen. Dabei muß das Negativ zerbrochen werden, da es unweigerlich an den Nasenflügeln und meist unter den Augenbrauen hängenbleibt. Nachdem das Positiv gesäubert wurde, kann man damit weiterarbeiten. Alternativ kann der Abdruck auch mit Alginat angefertigt werden, einem Material, das nach dem Trocknen elastisch bleibt und aus dem sich das Positiv leichter lösen lässt. Die Alginatform ist dann auch mehrmals verwendbar.


Abb. 8: Alginatform

Auf das Positiv kann jetzt direkt, wie beschrieben, aus Latex und Papier eine Maske modelliert werden. Es kann auch ein Unterbau aus Plastilin auf das Positiv modelliert und dann darauf das Latex aufgebracht werden. Will man mehrere Exemplare einer Maske herstellen, bestreicht man das Gipspositiv samt der Plastilinmodellierung mit Vaseline oder Öl und macht davon wiederum einen Negativabdruck aus Gips oder Alginat. In dieses Negativ streicht man etwa fünf bis sieben Schichten Latex und föhnt zwischendurch. Am Rand sollten Papierschichten eingelegt werden, um die Maske zu stabilisieren. Wenn die Schicht dick genug ist, kann Puder aufgetragen und die Maske aus dem Negativ herausgezogen werden.

7. Blut, Dreck und abgetrennte Gliedmaßen

Profi-Kunstblut ist teuer. Wenn man Blut für Splatterszenen in großen Mengen benötigt, kann man es aus Wasser, Maisstärke und Lebensmittelfarbe selbst kochen, indem man einfach einem Soßenrezept folgt. Dieses Blut trocknet langsam und kann nur zum Verspritzen verwendet werden. Für Blutspritzer im Gesicht genügt eine Tube schnell trocknendes Kunstblut. Auch Schleim und Ektoplasma kann mithilfe von Maisstärke hergestellt und mit passender Lebensmittelfarbe koloriert werden. Aus dem Mund fließendes Blut kann mit Blutkapseln aus dem Fachhandel erzeugt werden, oder indem man einfach ein wenig Lebensmittelfarbe in den Mund nimmt.

Schmutzige Kleidungsstücke können natürlich mit echtem Dreck behandelt werden, hygienischer und haltbarer ist jedoch künstlich hergestellter Schmutz. Die Polizeiuniform des Zombies wurde in unserem Film mit einer gut haftenden Mischung aus Kaffeesud und Tapetenkleister behandelt. Das Hemd wurde mit starkem schwarzem Tee befleckt, was allerdings im Film kaum zu sehen ist. Die Gedärme in Zombieversum wurden aus mit nassem Zeitungspapier gefüllten Strumpfhosen hergestellt, die dann in gefärbtem Wasser eingelegt wurden.

Die in Zombieversum gezeigte abgetrennte Hand wurde in einer Gipsform hergestellt. Diese Form muss in zwei Teilen angefertigt werden. Zunächst wird Gips angerührt, in eine Schachtel von passender Größe (z. B. eine Schuhschachtel) gegossen und die Hand bis zur halben Höhe darin eingelegt. Wenn der Gips halb ausgehärtet ist, drückt man mit dem Finger neben der eingelegten Hand ein paar Vertiefungen hinein. So passen die beiden Teile der Form später perfekt ineinander. Nach vollständiger Aushärtung wird der untere Teil der Form mit Vaseline oder Öl bestrichen, die Hand wieder eingelegt und dann von oben mit Gips übergossen. Nach der Aushärtung hat man nun eine zweiteilige Negativform.

Diese Form wird nun zusammengefügt, mit Klebeband fixiert und aufgestellt, sodass die Fingerspitzen unten sind. Latexmilch, am besten schon in Hautfarbe, wird hineingegossen und geschwenkt, damit sich innen eine Haut bildet. Ein paar Minuten trocknen lassen, wieder schwenken. Wenn die Haut ausreichend dick ist, wird der Rest der Latexmilch ausgeschüttet und die Form innen gefönt; Puder ist nicht notwendig. Ich habe dann das Innere der Form, als billigste Lösung, mit PU-Schaum aufgefüllt. Dabei ist es wichtig, keine Luftblasen in den Fingern zu hinterlassen. Nach der Aushärtung des Schaumes kann das Unterarm-Ende zugeschnitten und mit einer Schicht Latex überzogen werden. Dann erst wird die Form geöffnet, die fertige Hand herausgeholt, an der Nahtstelle zwischen den Formteilen überstehendes Latex abgeschnitten, außen Puder aufgetragen und evtl. geschminkt.


Abb. 9: Hand aus Zombieversum,
Mockumentary, Österreich 2010; 6:30 Minuten.

Die Hand aus PU-Schaum ist sehr leicht, allerdings nicht elastisch. Wer eine Gummihand braucht, kann die Form mit Silikon ausgießen.

8. Einkaufsliste

Die beschriebenen Techniken eignen sich nicht nur für die Zombiefilmproduktion, sondern auch für die Herstellung von Spezialmakeup für Actionfilme, etwa Verletzungen und Verbrennungen. Mit Kosten von etwa € 100,- ist zu rechnen, damit kommt man recht weit.

Schminke, z. B. im Onlineshop von Brennig.at:

  • Gummimilch 250ml
  • Teint-Schminke für Gummimilch
  • Aquaschminke weiss
  • Aquaschminke grün (oder grau, je nach Wunsch)
  • Kleine Tube Theaterblut
  • Mastix (Makeup-Kleber)
  • evtl. Schminkpalette für Wunden
  • evtl. Transparentpuder

Sonstiges:

  • Vaseline
  • Watte
  • Papiertaschentücher
  • Babypuder
  • Puderquaste
  • Schminkpinsel
  • Schminkschwämmchen
  • rote Lebensmittelfarbe (am besten vor Ostern eindecken)
  • Abschminklotion (SEHR wichtig)
  • Gips, Plastilin, PU-Schaum …

Tags

masken, horror, kreativität, filmproduktion, jugendarbeit