Schwerpunkt

4/2015 - Medienbildung im Kontext der „PädagogInnenbildung NEU“/Teil 2

Wie "zukunftsreich" ist das neue Lehramtsstudium?

Bestandsaufnahme zu Medienbildung und digitalen Kompetenzen in den Curriculaentwürfen der Sekundarstufe der PädagogInnenbildung_NEU

AutorInnen: Klaus Himpsl-Gutermann / Elfriede Berger / Gerhard Brandhofer / Peter Harrich / Angela Kohl / Johannes Maurek / Thomas Nárosy / Karl Peböck / Manfred Tetz / Martin Teufel / Thomas Walden / Elisabeth Winklehner

Die E-Learning-Strategiegruppe der österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PHELS) hat die aktuell vorliegenden Curricula und Curriculaentwürfe der Sekundarstufe Allgemeinbildung in den vier Verbundregionen einer kritischen Analyse hinsichtlich Medienbildung und digitaler Kompetenzen unterzogen.

Abstract

Durch die PädagogInnenbildung_NEU eröffnet sich derzeit die Chance, österreichweit in vier Verbundregionen in Kooperation zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen die Lehramtsausbildung für alle Schulstufen und Schultypen zukunftsweisend zu reformieren. Zu den Ansprüchen an das neue Studium gehört auch, dass es künftige LehrerInnen an die Schulen entsendet, die neben ihrer fachlichen Expertise mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und Entwicklungen adäquat umgehen können. Die rasant voranschreitende Technologisierung und Digitalisierung unserer Gesellschaft gehört zweifelsohne zu diesen Herausforderungen. Die E-Learning-Strategiegruppe der österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PHELS) hat deshalb die aktuell vorliegenden Curricula und Curriculaentwürfe der Sekundarstufe Allgemeinbildung in den vier Verbundregionen einer kritischen Analyse hinsichtlich Medienbildung und digitaler Kompetenzen unterzogen − mit einem ernüchternden bis verheerenden Ergebnis: Es scheint nicht nur die historische Chance vertan, Medienbildung systematisch in der LehrerInnenausbildung und damit in den Schulen zu verankern, sondern durch die fehlende informatische Grundbildung laufen künftige Generationen auch Gefahr, auf zunehmend digitalisierten Arbeitsmärkten den internationalen Anschluss zu verlieren.


1. Einleitung

Die PädagogInnenbildung_NEU[01] ist eines der ambitioniertesten Reformprojekte im Schulbereich der letzten Jahrzehnte. Eine vom damaligen bm:ukk vor knapp zehn Jahren beauftragte ExpertInnengruppe rund um Peter Härtel entwarf in einem mehrjährigen Prozess ein Konzept für eine Neugestaltung der Ausbildung der LehrerInnen, in dessen Kern ein dreiphasiges System von Grundbildung (Bachelorstudium), Berufseinstieg (Induktionsphase und Masterstudium) und Lebensbegleitendem Lernen (Fort- und Weiterbildung) steht (Härtel et al. 2010). Im Bereich der Sekundarstufe Allgemeinbildung wird darüber hinaus ein epochal anmutender Schritt gewagt: die beiden getrennten Welten der Pflichtschulen und höheren Schulen werden zumindest im Bereich der Lehramtsausbildung einander näher gebracht, indem ein gemeinsames Studium für alle künftigen LehrerInnen − unabhängig von Schultyp oder -stufe (Sekundaria I und II) − in vier Verbundregionen von den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Kooperation angeboten wird.

Der ambitionierte Zeitplan sieht vor, dass die reformierten Lehramtsausbildungen im Bereich der Primarstufe mit Studienjahr 2015/2016 und im Bereich der Sekundarstufe mit Studienjahr 2016/2017 starten. Mit Erscheinen dieser Ausgabe der MEDIENIMPULSE sind somit die Bachelorstudien im Bereich der Primarstufe bereits gestartet, im Bereich der Sekundarstufe Allgemeinbildung steht der Start kurz bevor, mit Ausnahme der Verbundregion Südost, die bereits mit dem Studienjahr 2015/16 auch in der Sekundaria gestartet ist. Begleitet werden die Reformmaßnahmen und die Umgestaltung der Curricula durch einen von den beiden Ministerien bmwf und bmbf eingesetzten, weisungsunabhängigen Qualitätssicherungsrat (QSR)[02]. Neben den strukturellen Änderungen im Aufbau der Lehramtsausbildungen soll die PädagogInnenbildung_NEU vielfältige Verbesserungen hinsichtlich der Professionalisierung der künftigen LehrerInnen bringen. Diese sind ebenso grundlegend wie anspruchsvoll. Ausgehend von einem Bildungsbegriff, wie er in §2 des Schulorganisationsgesetzes aus dem Jahr 1962 definiert ist, soll die künftige Ausbildung sich an internationalen Standards orientieren und auf die Schule von morgen vorbereiten, die einer ständigen Weiterentwicklung unterliegen muss:

"Darüber hinaus ist gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Dies betrifft den Bereich der Familie ebenso wie das Medien- und Informationsumfeld, wissenschaftliche Erkenntnisse aus relevanten Disziplinen, internationale Entwicklungen und Vergleiche, Migration und den Wandel der Arbeitswelt. Neben der Aufgabe, jungen Menschen ein selbstbestimmtes, sinnerfülltes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen, hat Bildung auch den Auftrag, Entwicklungen in der Gesellschaft auf Basis von akzeptierten demokratischen, sozialen und religiösen Werten mit zu beeinflussen." (Härtel et al. 2010:6)

Neben der Vermittlung von Kenntnissen in den Fachwissenschaften, den Fachdidaktiken und den bildungswissenschaftlichen Grundlagen muss ein Lehramtsstudium also auch aktuelle Entwicklungen aufgreifen, die in der Regel vor allem fachübergreifend als wichtige Querschnittsmaterien berücksichtigt werden müssen. Hier wird vom ExpertInnenrat der Bereich der Medien- und Informationskompetenzen explizit erwähnt, was von PHELS − also der E-Learning-Strategiegruppe der österreichischen Pädagogischen Hochschulen – sehr begrüßt wird[03]. Denn durch die rasant voranschreitende Technologisierung unserer Gesellschaft durchdringen digitale Medien zunehmend alle Lebensbereiche. In der Vorbereitung auf diese Entwicklungen kann die Rolle des Bildungssystems gar nicht überschätzt werden, wie das folgende Zitat aus dem Abschlussbericht des Bad Ischler Dialogs der Sozialpartner Österreichs vom Oktober 2015 zeigt:

"Dem Bildungs- und Ausbildungssystem kommt eine hohe Bedeutung dabei zu, die Menschen auf die veränderte Arbeits- und Lebenswelt ausreichend vorzubereiten und die Grundlage für die Digitalisierung weiterer Branchen und Bereiche zu legen. Darüber hinaus ist es notwendig, in formaler, non-formaler und informeller Basisbildung Menschen zu befähigen, eigenständig, selbstbestimmt, gleichberechtigt und verantwortungsvoll an einer digitalen und vernetzten Gesellschaft teilhaben zu können, um das kreative und produktive Potenzial in einer digitalisierten Gesellschaft und Wirtschaft voll ausschöpfen zu können und eine mögliche wachsende Spaltung wie z. B. in Hoch- und Geringqualifizierte zu vermeiden." (Die Sozialpartner Österreich 2015:7)

Medienkompetentes Handeln setzt aber fundierte Kenntnisse über Medien voraus. Ein sicherer und routinierter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien und digitale Kompetenzen sind eine wichtige Basis in der Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen sowie für das lebenslange Lernen. Medienbildung erschöpft sich allerdings nicht darin, sondern zielt auf eine verantwortungsbewusste, kritisch-reflexive Nutzung und Gestaltung von Medien.

Bildungsprozesse sind ohne Medien aller Art (analoge und digitale) nicht denkbar − nichtsdestotrotz wird insbesondere die Bedeutung digitaler Technologien für das Lernen oft zu wenig erkannt und deren innovatives Potenzial in der Lehre bzw. in der LehrerInnenbildung weder systematisch noch didaktisch kohärent genutzt, obwohl dafür mit dem von PHELS initiierten Weißbuch ein ausgearbeitetes Konzept zur Verfügung steht (Bachinger et al. 2013). Dies spiegelt sich leider in äußerst negativer Form in allen aktuellen Curriculaentwürfen der Sekundarstufe wider, und zwar sowohl in den bildungswissenschaftlichen Grundlagen als auch den Fachwissenschaften, den Fachdidaktiken und den schulpraktischen Teilen.

Im Folgenden wird dieser ernüchternde Status quo in den vier Verbundregionen aus der Perspektive von PHELS kurz beleuchtet. Basis für die Analyse sind die aktuell vorliegenden Curriculaentwürfe[1] sowie die Erfahrungen aus den Arbeitsgruppen, an denen PHELS-Mitglieder in den Kooperationsverbünden beteiligt sind.

2. Überblick über den aktuellen Stand der Kooperationen

Der geplante "Neustart" der Lehramtsausbildung für die Sekundarstufe Allgemeinbildung ist auf Oktober 2016 datiert. Einen Schritt voraus ist der Entwicklungsverbund Südost (EVSO) − hier ist das neue Studium bereits mit dem 01.10.2015 gestartet.

Im Verbund West wurde die Primarstufenausbildung mit dem neuen Curriculum im Oktober 2015 gestartet. Die Sekundarstufe wurde an der Universität Innsbruck ebenfalls 2015 eröffnet, an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg ist der Start im Oktober 2016 vorgesehen.

Im Verbund Mitte liegt die finale Version des Sekundarstufencurriculums intern vor. Ein kurzer Bericht aus dieser Region soll einen Einblick in den Entwicklungsprozess geben, bei dem durchaus eher getrennte Welten zwischen den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen aufeinanderprallen.

Im Entwicklungsverbund "Cluster Mitte" wurde eine Steuerungsgruppe konstituiert, welche sich aus je einer (Vize-)Rektorin bzw. einem (Vize-)Rektor aller im Cluster Mitte beteiligten Universitäten und  Hochschulen und anderen von den Rektoraten beauftragten Personen zusammensetzt, sämtliche Entscheidungskompetenz innehat und vom Vizerektor der PLUS (Paris Lodron Universität Salzburg) geleitet wird. Diese Steuerungsgruppe nominierte im Oktober 2014 die Curricularkommission, die ihrerseits 27 Arbeitsgruppen mit FachexpertInnen aus den verschiedenen Institutionen nominierte und begleitete. Beim Kick Off Meeting "Cluster Mitte − Curriculare Untergruppen" an der PLUS im November 2014 wurden die Rahmenrichtlinien für das Curriculum (Umfang, Aufbau und Gliederung des Studiums, ECTS-Verteilung über Fachwissenschaften, Fachdidaktik, Bildungswissenschaften und Schulpraxis, Zeitplan) präsentiert. Die Arbeitsgruppen für die einzelnen Unterrichtsfächer, die Bildungswissenschaften, die Pädagogisch Praktischen Studien und die Schwerpunktsetzungen hatten nun den Auftrag, auf Basis des vorliegenden Lehramtsstudiums der PLUS[04] unter Berücksichtigung der Empfehlungen des QSR die Curricula zu entwickeln.

Wenngleich die Zusammenarbeit in diesen Arbeitsgruppen auf persönlicher Ebene vorwiegend kollegial verlief, fehlte doch deutlich ein gemeinsames, tragfähiges Konzept zur LehrerInnenbildung. Während VertreterInnen der Universitäten vorwiegend aus fachwissenschaftlicher Perspektive argumentierten und wenig Wissen über die Schullehrpläne hatten, sahen die VertreterInnen der Pädagogischen Hochschulen ihre Kernaufgabe in der LehrerInnenausbildung für die diversen Schultypen, insbesondere in den pädagogischen Konzepten der Neuen Mittelschule. Strukturelle Differenzen zwischen den beteiligten Institutionen führten zu heftigen Diskussionen. So war z. B. der Kunstuniversität Linz die Beibehaltung ihrer Aufnahmeprüfungen wichtig, die mit den allgemeinen Zulassungsbedingungen zum Studium im Verbund Cluster Mitte unvereinbar waren und die Ruhendstellung der Arbeiten seitens der Kunstuniversität und damit verbunden der Arbeitsgruppe Mediengestaltung zur Folge hatte. So manche Vorschläge der Pädagogischen Hochschulen wurden als nicht verhandelbar abgeurteilt. So wurde z. B. ein  Vorschlag für virtuelle Lehrveranstaltungstypen nicht ins Curriculum aufgenommen, demzufolge Teile der Anwesenheitspflicht durch virtuelle Kommunikationskanäle wie z. B. E-Lectures ableistbar werden sollten. Weiters wurde ein Antrag der Arbeitsgruppen Informatik und Mediengestaltung vom 16.12.2014 von der Steuerungsgruppe abgelehnt, demzufolge die Förderung von Medienkompetenz und informatischer Grundbildung für alle LehrerInnen in den Bildungswissenschaften und in allen Fachdidaktiken mit quantifizierten  ECTS-Punkten verankert werden sollte. Im Februar 2015 erfolgte darauf hin nochmals eine mit der E-Learning-Steuergruppe der Pädagogischen Hochschulen akkordierte Anfrage an den Vorsitzenden der Steuerungsgruppe des Clusters Mitte. Diese Anfrage nahm den Beschluss, medienpädagogische und informatische Kompetenzen bloß in Form einer Querschnittsmaterie in den Curricula zu verankern, ins Zentrum der Kritik und forderte ein Überdenken dieses Entschlusses. In einer schriftlichen Rückantwort vertrat der Vorsitzende der Steuerungsgruppe die Auffassung, dass diese Themenbereiche durch ihre Abbildung als Querschnittsmaterie ausreichend prominent im Curriculum des Clusters Mitte verankert wären.

Die finale Version des Gesamtcurriculums liegt intern vor, im Februar soll es in den Curricular- und Studienkommissionen beschlossen und durch Senate und Hochschulräte genehmigt werden. Für Oktober 2016 ist die gemeinsame Umsetzung geplant. Manche Lehrveranstaltung an der Universität Linz, die bisher für das Fachstudium und das Lehramtsstudium gemeinsam angeboten wurde, wird speziell für Lehramtsstudierende geplant. Es wird sich zeigen, wie sich die Kooperationen zwischen den beteiligten Institutionen weiterentwickeln.

Im Verbund Nordost sind die Arbeitsgruppen in die Curriculaentwicklung mit mehr als einjähriger Verspätung gestartet, weil auf Rektoratsebene erst mit erheblicher Verspätung eine grundsätzliche Einigung hinsichtlich der Rahmenbedingungen einer Kooperation erzielt werden konnte. Im Mai wurden die institutionsübergreifenden Arbeitsgruppen zu den einzelnen Unterrichtsfächern gegründet, die über den Sommer auf Basis des bereits vorliegenden Bachelorcurriculums der Universität Wien Curriculaentwürfe zu den einzelnen Fächern ausgearbeitet haben. Dabei wurden die grundlegenden Vorgaben des Bachelorcurriculums der Universität Wien als bindender Rahmen gesehen, so dass beispielsweise Verschiebungen von ECTS-Punkten zwischen den verschiedenen Hauptbereichen (Bildungswissenschaftliche Grundlagen, Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Schulpraxis) nicht mehr möglich waren. Die über den Sommer adaptierten Entwürfe wurden im November 2015 in erster Lesung durch den Senat der Universität Wien einer Begutachtung unterzogen, werden derzeit von den Gremien der Pädagogischen Hochschulen begutachtet und sollen über den Winter so weit überarbeitet werden, dass sie im Frühjahr 2016 verabschiedet werden können, um im Studienjahr 2016/2017 zeitgerecht das gemeinsame Lehramtsstudium in der Region anbieten zu können. Aufgrund der strengen Vorgaben durch die Universität Wien und einer geringen Verhandlungsbereitschaft für Änderungsvorschläge seitens der Pädagogischen Hochschulen sind die derzeit vorliegenden Entwürfe sehr nahe an den bereits bestehenden Bachelorcurricula der Universität Wien, die laut Stellungnahme des QSR vom 18.05.2015 einige sehr kritische Aspekte aufweisen: deutlich zu geringer Anteil an schulpraktischen Studien, insbesondere mit direktem SchülerInnenkontakt; Fachdidaktik hat in den meisten Teilcurricula nicht den ihr zustehenden Stellenwert, was sich quantitativ am eher geringen Anteil an ECTS-Punkten gegenüber den Fachwissenschaften zeigt; eine konsequente und ausreichende Orientierung an Kompetenzen fehlt (QSR 2015).

3. Der Stand in den Curricula in den vier Verbundregionen im Detail

Details zum Stand im Verbund West

Das gemeinsame Curriculum zum Bachelorstudium Primarstufe der Pädagogischen Hochschulen Tirol und Vorarlbeg nennt Medienkompetenz als Querschnittsmaterie, die in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen, der Fachwissenschaft bzw. Fachdidaktik und den Pädagogisch-praktischen Studien inhaltlich nachvollziehbar verankert ist (Studienkommissionen der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg 2015a). Die Medientechnologie ist im Modul "Bildung durch Sprache und Medien I" im ersten Semester abgebildet, in den Semestern vier und acht findet sich die Mediendidaktik. Die Studierenden erlangen folgende Kompetenzen:

Die Studierenden ...

  • sind in der Lage, die Urheberrechtsproblematik und die Sicherheitsaspekte im schulischen Umfeld zu analysieren und können Lösungsansätze anbieten.
  • sind in der Lage, verschiedene Medien zu erstellen und kommunikationsfördernd einzusetzen.
  • haben Grundkenntnisse in der Gestaltung von Lernumgebungen mit Hilfe digitaler Medien unter Beachtung adäquater Lerntheorien.
  • sind in der Lage, unterrichtsrelevante Medien und Technologien zu erstellen.
  • können digitale Medien für die Individualisierung und Personalisierung von Lernprozessen nutzen und Unterricht für heterogene Lerngruppen planen.

Zusätzlich wird Medienpädagogik als Wahlpflichtbereich angeboten (25 ECTS), mit folgenden Modulen:

  • Schrift, Grafik und Informationsverarbeitung
  • Multimedia, Kommunikation und Lernen
  • Moderne Kommunikationstechniken und E-Learning
  • Medienprojekt mit Berufsfeldbezug

Im Masterstudium Primarstufe werden keine expliziten Bildungsinhalte zur Medienbildung und digitalen Kompetenzen genannt (Studienkommissionen der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg 2015b).

Im Bereich der Sekundarstufe ist derzeit an der Universität Innsbruck bereits das neue Bachelorstudium in Kraft (Universität Innsbruck 2015). Im dortigen Curriculum finden Medienbildung und digitale Kompetenzen in den allgemeinen Vorbemerkungen keinerlei Erwähnung. In den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen wird im "Pflichtmodul: Professionsspezifische Initiierung im Berufsfeld Schule" an einer Stelle erwähnt, dass die Studierenden über "grundlegende Medienkompetenz" verfügen sollen, eine genauere Spezifizierung erfolgt aber weder in diesem Modul noch in anderen Lehrveranstaltungen dieses Bereichs. Ähnliches gilt für die einzelnen Unterrichtsfächer: an einzelnen Stellen gibt es Anknüpfungspunkte, in erster Linie hinsichtlich Mediendidaktik, aber insgesamt in eher geringem Ausmaß.

Im Entwicklungsverbund West kann für das Lehramt Sekundarstufe ab 2016/2017 ein Lichtblick vermeldet werden. Die Strukturvorgaben im Verbund sehen vor, dass statt eines zweiten Unterrichtsfaches die Studierenden sich für einen pädagogischen Schwerpunktbereich entscheiden können. Als eine mögliche pädagogische Spezialisierung liegt im Verbund West ein Curriculumsentwurf für eine Spezialisierung "Medienpädagogik" vor, wobei operative Details in der Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität Innsbruck, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule-Edith Stein, der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg noch abzuklären sind. Festgehalten sind die folgenden Inhalte im "Entwurf für eine pädagogische Spezialisierung Medienpädagogik" (Entwicklungsverbund West 2014).

Das Bachelorstudium Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung) mit der pädagogischen Spezialisierung Medienpädagogik dient dem Erwerb von fachlichen Kenntnissen, methodischen und mediendidaktischen Kompetenzen. Es basiert auf einer grundlegenden fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Forschung unter Berücksichtigung der jeweils gültigen Lehrpläne für die Sekundarstufe.

Es befähigt seine AbsolventInnen als MultiplikatorInnen von Medienwissen sowie von medienpädagogisch fundierten Kenntnissen zur Berufsausübung in schulischen wie außerschulischen Bildungseinrichtungen, so dass sie Aufgaben insbesondere in den folgenden Bereichen wahrnehmen können:

  • Gestaltung, Anwendung, Evaluation und Kritik von Medien und Informationstechnologien für Lernen und Lehren,
  • Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Medienbereich und Förderung von Medienbildung in verschiedenen Kontexten (z. B. in Kooperation mit Fachdidaktiken, Fort- und Weiterbildung) und bildungsbiografischen Zusammenhängen,
  • Recherche, Bewertung, Verdichtung und Strukturierung von Informationsangeboten und Aufgaben der mediengestützten Wissensorganisation auf individueller und institutioneller Ebene,
  • Entwicklung medienpädagogischer Konzepte für schulische und außerschulische Aufgabenbereiche,
  • schulisches und schulübergreifendes Kommunikationsdesign unter Berücksichtigung aller beteiligten Gruppen (SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, Administration sowie VertreterInnen der Schulbehörde, kooperierende Einrichtungen, etc.).

Die Auseinandersetzung mit Medien und das daraus resultierende, differenzierte Verständnis sollen einen reflektierten, sachlich-analytischen Zugang zu gesellschaftlichen Problemen erlauben. In Kenntnis von Dynamiken der Medialisierung und Digitalisierung ermöglichen und unterstützen die AbsolventInnen der pädagogischen Spezialisierung Medienpädagogik in der Schule Lern- und Bildungsprozesse, in denen SchülerInnen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein sachgerechtes, selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in plural verfassten Medien- und Wissensgesellschaften erwerben.

Das Masterstudium Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung) mit der pädagogischen Spezialisierung Medienpädagogik vertieft und ergänzt die im Bachelorstudium erworbenen fachlichen und mediendidaktischen Kompetenzen.

Ziel des Ausbildungsschwerpunkts ist also die Medienpädagogik. Kaum abgebildet sind im Curriculum klassisch informatische Inhalte. Die Informatik wird von der Universität Innsbruck an das Institut für Informatik reklamiert. Die Spezialisierung Medienpädagogik stellt ein ambitioniertes Vorhaben dar, das allen Interessierten umfassende medienpädagogische Kompetenzen vermitteln kann. Ein eigenständiges Unterrichtsfach für diese Ausbildung gibt es im Fächerkanon der Sekundarstufe allerdings nicht. Es darf daher gespannt erwartet werden, wie groß die Nachfrage nach diesem Schwerpunkt vonseiten der Studierenden sein wird.

Details zum Stand im Verbund Mitte

Im Entwicklungsverbund "Cluster Mitte" kooperieren Johannes Kepler Universität Linz, Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz, Private Pädagogische Hochschule – Hochschulstiftung der Diözese Innsbruck, Pädagogische Hochschule OÖ, Pädagogische Hochschule Salzburg, Paris-Lodron-Universität Salzburg, Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz, Universität Mozarteum Salzburg und Anton Bruckner Privatuniversität. Sucht man im Curriculum Bachelorstudium Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung) nach dem Wort Medien, so finden sich beinahe 300 Übereinstimmungen. Mit Ausnahme der "Spezialisierung Schule und Religion" werden in jedem Fach Medien erwähnt. Im Kontext von digitalen bzw. neuen Technologien erhält man noch über 50 Einträge. Schwierig wird es, wenn man die zugehörigen ECTS-Punkte summieren möchte.

Die curricularen Arbeitsgruppen Informatik und Mediengestaltung beantragten die Verankerung von Medienkompetenz und informatischer Grundbildung für alle LehrerInnen in den Bildungswissenschaften und in allen Fachdidaktiken im Ausmaß von insgesamt 8 bis 12 ECTS, wobei für die Bildungswissenschaften ein Mindestausmaß von 4 ECTS vorgeschlagen wurde. Der Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass sich die Steuerungsgruppe und die Curricularkommision des Clusters Mitte einig wären, Querschnittmaterien in den Teilcurricula implizit, aber nicht explizit auszuweisen, wobei als auszuweisende Querschnittmaterien die Bereiche "Diversität und Inklusion", "Medienkompetenz" und "sprachliche Bildung" festgelegt wurden. Offenbar wurde hier der Unterschied zwischen impliziter und expliziter Verankerung an der Zahl der ECTS-Punkte festgemacht. An dieser Stelle ist interessant zu erwähnen, dass die ExpertInnengruppe "Inklusive Pädagogik" ein Konzept zur impliziten und expliziten Verankerung von Querschnittmaterie bereits bei einer Arbeitstagung in Wals/Salzburg Ende Jänner 2014 ausgearbeitet hatte. Implizite Verankerung der Querschnittmaterie ist dort definiert als durchgängiges Leitprinzip für das Handeln in pädagogischen Kontexten im gesamten Curriculum, während von expliziter Verankerung gesprochen wird, wenn spezifische Themen für alle Studierenden in allen Fächern implementiert werden. Die explizite Verankerung von Medienbildung als Querschnittmaterie in diesem Sinne muss als gescheitert betrachtet werden. Zur Veranschaulichung werden hier einige Auszüge aus dem Curriculum aufgezeigt.

"Absolventinnen und Absolventen können (...) Unterrichtsmedien und -technologien adressatengerecht im Unterricht einsetzen", heißt es im allgemeinen Teil als Rahmenkompetenz für die Fachdidaktiken (Entwicklungsverbund Mitte 2015:12[2]). In welchen Modulen, in welchen Lehrveranstaltungen können Studierende diese Kompetenz entwickeln?

Die Teilcurricula für die Sprachen denken Sprach- und Medienkompetenz zusammen. Sensibilität und hochentwickelte Schreib-, Lese- und Kommunikationskompetenzen sind traditionell in Sprachstudien verankert und zählten in der Ausübung der Lehrprofession schon in den vergangenen Curricula zu vorrangigen Bildungszielen. Medien wurden und werden in den Sprachcurricula häufig erwähnt. Digitale Medien sind kaum ausgewiesen. Im Fach Deutsch werden ein einziges Mal Computermedien erwähnt und Aspekte von Transmedialität, Intermedialität und Intertextualität, wie z. B. Lesen am Bildschirm, Medienverbundphänomene genannt (Entwicklungsverbund Mitte 2015:29). Im Fach Englisch wird ein erweiterter Literacy-Begriff für linguistic literacy, critical media literacy, visual literacy, computer literacy verwendet. Wie in den alten Curricula finden sich Inhalte zur Medienbildung, der sichere und routinierte Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien scheint nicht auf.

Das Teilcurriculum BU (Biologie- und Umweltkunde) steht hier exemplarisch für viele andere Fächer. Innerhalb eines umfangreichen Moduls wird eine Lehrveranstaltung mit wenigen ECTS-Punkten angeboten, in der zumindest ein Learning Outcome beschrieben wird, der auf technologiebasiertes Arbeiten in Lehrveranstaltungen hinweist.

Das Modul "Spezifische Methoden und Unterrichtsprinzipien" im Umfang von 11 ECTS beinhaltet die Lehrveranstaltung "Medien im BU-Unterricht" im Umfang von 1 ECTS  (Entwicklungsverbund Mitte 2015:112 ff). Der Medienbezug ist mit folgenden Teilkompetenzen beschrieben: AbsolventInnen

  • "gestalten und bewerten unterschiedliche Lernumgebungen mit lebenden Organismen, Medien und Experimenten schüler-, handlungs- und problemorientiert (...)
  • lernen Unterrichtsmedien (wie Powerpoint, Arbeitsblätter, Multimediaprogramme, Videos) kennen und – unter Einbeziehung fachdidaktischer Theorien – mit ihnen zu konzipieren (...)
  • sind sich geschlechtsspezifischer Sozialisation durch Familie, Schule, Medien und Arbeitswelt sowie von Auswirkungen dieser Sozialisation auf die Ausbildungs- und Berufswahl, Lebensplanung, Freizeitgestaltung und das eigene Denken und Verhalten bewusst" (Entwicklungsverbund Mitte 2015:113).

Aus dem Teilcurriculum Geografie und Wirtschaftskunde geht die Bedeutung von Geodaten und deren Visualisierung hervor. Im 10 ECTS großen "Lernfeld (Geo- und Wirtschafts-) Medien und ihre Didaktik" haben 6 von den 8 angeführten Learning Outcomes einen Bezug zu Medienpädagogik, insbesondere auch zu digitalen Medien (Entwicklungsverbund Mitte 2015:195). In den pädagogisch-praktischen Studien wird bei der Evaluierung und Weiterentwicklung von Unterrichtsmaterialien sowohl auf die analoge als auch die digitale Form verwiesen und die Ermöglichung eines konstruktivistischen und handlungsorientierten Unterrichts betont (Entwicklungsverbund Mitte 2015:198).

Als "State of the Art" könnte man das Teilcurriculum des Studienfachs Instrumentalerziehung sehen. Es  hat ein eigenes Modul "Neue Medien" im 3. und 4. Semester mit 6 ECTS, in dem folgende Kompetenzen formuliert sind:

  • "Studierende wissen um die Bedeutung Digitaler Medien für die zeitgenössische Produktion und Rezeption von Musik sowie um die Chancen und Grenzen ihres Unterrichtseinsatzes. Des Weiteren kennen sie die grundlegenden Zugänge der aktiven bzw. kreativen Medienbildung sowie ihre Parallelen zu Ansätzen der Musikpädagogik.(...)
  • Studierende sind in der Lage, Digitale Medien zur kreativen Unterrichtsgestaltung einzusetzen, fächerübergreifende medienunterstütze Projekte durchzuführen, selbst neue Medien schöpferisch zu verwenden sowie ihren SchülerInnen die dafür wesentlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln (...).
  • AbsolventInnen sind bereit, die ständige Weiterentwicklung Digitaler Medien im kreativen Bereich zu verfolgen und ihr Wissen und Können im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit entsprechend zu aktualisieren." (Entwicklungsverbund Mitte 2015:253)

Das Teilcurriculum Informatik und Informationsmanagement weist eine umfassende Verankerung der Medienbildung auf (Entwicklungsverbund Mitte 2015: 207-240). Insbesondere das Modul "Kustodiat" mit 8 ECTS berücksichtigt beide Seiten der "Medienbildungsmedaille", also Mediendidaktik und Medienerziehung:

  • digitale Medien in schulischen Aufgabenfeldern pädagogisch nutzen,
  • sich in Lehr-Lern-Prozessen kritisch-reflexiv vernetzen und dabei Emergenzeffekte produzieren,
  • KollegInnen bei der Auswahl von digitalen Werkzeugen, Methoden und Strategien für technologiebasiertes Lernen unterstützen,
  • medientheoretische und -pädagogische Wissensbestände reflektieren,
  • didaktische Modelle medienpädagogischer Arbeit kennen (Entwicklungsverbund Mitte 2015: 238f).

Dieses Curriculum enthält Ziele und Kompetenzen von Medienbildung, wenngleich das Ausmaß an ECTS-Punkten dafür unklar bleibt. Es ist kein digitales Bildungspaket für alle zukünftigen LehrerInnen der Sekundarstufe. Informatische Grundbildung und die kreative und kritisch-reflektierte Nutzung digitaler Technologien und Medien ist damit für die Zukunft der Schule nicht gesichert.

Details zum Stand im Verbund Südost

Die Curricula zur "PädagogInnenbildung NEU" traten im Entwicklungsverbund Südost (EVSO) mit dem Studienjahr 2015/16 in Kraft. Der EVSO ist somit der erste Verbund in Österreich, in dem eine gleichwertige akademische Ausbildung für PädagogInnen der Primar- als auch der Sekundarstufe Allgemeinbildung bereits mit 1. Oktober 2015 gestartet ist. Die Kompetenzbereiche der digitalen und informatischen Bildung sowie der Medienpädagogik werden in den beiden Curricula sehr unterschiedlich berücksichtigt.

Im Curriculum für den Bereich der Primarstufe werden die Inhalte der Medien und der digitalen Kompetenzen als Inhalt von eigenen Lehrveranstaltungen mit insgesamt 4 ECTS ausgewiesen (Entwicklungsverbund Südost 2015a). Erfreulich aus Sicht der Medienpädagogik ist zu erwähnen, dass an der PH Steiermark ein Schwerpunkt " Medienpädagogik und digitale Kompetenz" im Umfang von 60 ECTS angeboten wird, der für den pädagogisch orientierten Einsatz von neuen Medien im Unterricht der Primarstufe qualifiziert. Dabei erwerben die Studierenden Kompetenzen zur Analyse, Auswahl und Gestaltung neuer und digitaler Medien für den Unterricht und lernen Konzepte kennen, um neue und digitale Medien in individuelle Lernprozesse und personalisierte Lernumgebungen zu integrieren und zu evaluieren.

Im Gegensatz dazu werden die digitalen Medien sowie die digitalen Kompetenzen im Curriculum der Sekundarstufe Allgemeinbildung mit keiner einzigen eigenen fachbezogenen Lehrveranstaltung berücksichtigt, sondern nur als eine von insgesamt sechs "transversalen Kenntnissen" oder "Kernelemente der Profession" im allgemeinem Kompetenzprofil erwähnt. Die restlichen zu berücksichtigenden Kernelemente sind:

  • Diversität mit Fokus auf Mehrsprachigkeit, Interkulturalität, Interreligiosität
  • Gender
  • Global Citizenship Education
  • Inklusive Pädagogik mit Fokus Behinderung
  • Sprache und Literalität

Sämtliche Kernelemente der Profession werden in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen, in den Pädagogisch-Praktischen Studien, in den Fachwissenschaften und in den Fachdidaktiken umgesetzt, wobei ein konkreter Hinweis auf "Medien" oder "digitale Kompetenzen" lediglich im Modul "Lehren und Lernen" der Bildungswissenschaftlichen Grundlagen zu finden ist. Dieser Hinweis beschränkt sich allerdings auf eine allgemeine, theoretische Formulierung und ist zudem nur eine von acht formulierten Kompetenzen. Die genaue Formulierung lautet: "Die AbsolventInnen des Moduls [...] können Medien und Arbeitsmaterialien entsprechend dem neuesten Stand der informations- und medientechnischen Entwicklung und unter Berücksichtigung mediendidaktischer Gesichtspunkte einschätzen" (Entwicklungsverbund Südost 2015: 19). Weitere Berücksichtigungen der "digitalen Kompetenzen" finden sich nur mehr in einzelnen Unterrichtsfächern wie z. B. "Geografie und Wirtschaftskunde" sowie "Musikerziehung", beschränken sich aber auch dort auf allgemeine Formulierungen in ausgewählten Lehrveranstaltungen.

Eine Analyse des Curriculums für die Sekundarstufe Allgemeinbildung im EVSO ergibt in Hinblick auf die "digitalen Kompetenzen" ein fatales Bild. In einer LehrerInnenausbildung im 21. Jahrhundert mit einem Workload von insgesamt 240 ECTS im Bacherlorstudium gibt es keine einzige Lehrveranstaltung, die sich fachlich fundiert mit diesem Thema auseinandersetzt. Die allgemeine Berücksichtigung als Kernelement der Profession ohne verbindliche Verortung in fachbezogenen Lehrveranstaltungen hilft in Kombination mit einer unsystematischen und auf Einzelfälle reduzierten Berücksichtigung in ausgewählten Lehrveranstaltungen in Unterrichtsfächern allenfalls als Argumentarium bei kritischen Anmerkungen, lässt aber den Willen zu einem systematischen digitalen Kompetenzaufbau nicht einmal ansatzweise erkennen.

Details zum Stand im Verbund Nordost

Im Allgemeinen Teil des Curriculumsentwurfs im Bereich "§ 1 Studienziele und Qualifikationsprofil" wird an mehreren Stellen die Bedeutung von fächerübergreifenden Aspekten ("... wie sie in den Unterrichtsprinzipien für die Lehrpläne der österreichischen Schulen beschrieben sind") und Fähigkeiten für ein "eigenständiges, lebenslanges Lernen" hervorgehoben (Entwicklungsverbund Nordost 2015). Im Absatz "2. Fachdidaktische Kompetenzen" wird die Kenntnis gefordert, "Fachunterricht adressaten- und situationsgerecht unter Nutzung von aktuellen Unterrichtsmedien und -technologien zu planen. In Absatz "4. Pädagogisch-praktische Handlungskompetenzen" wird gefordert, dass "die Absolventinnen und Absolventen [...] pädagogisch-praktische Kompetenzen in enger Vernetzung mit fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Kompetenzen entwickelt" haben.

"In enger Vernetzung" würde allerdings nahelegen, dass in den drei genannten Bereichen selbst auf Handlungskompetenzen abgezielt wird. Es entsteht allerdings in allen Teilcurricula, insbesondere auch in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen, der Eindruck, dass bloße theoretische Kenntnisse dominieren. Im Bereich der didaktischen Kompetenzen und der Medienbildung wäre es allerdings essenziell, das theoretische Wissen in unmittelbarer Verbindung mit der praktischen Anwendung zu erwerben. Im Absatz "5. Querschnittskompetenzen" wird der Großteil der in Lehrplänen der österreichischen Schulen geforderten Querschnittskompetenzen direkt genannt, es fehlt aber sowohl die Medienbildung als auch klare Bezüge zu digitalen Kompetenzen als wesentlicher Bestandteil der von der EU geforderten 21st century skills.

Grundlegende didaktische Kompetenzen zur Planung und Durchführung von Unterricht unter Berücksichtigung eines zielgruppenadäquaten Einsatzes von Medien, Methoden und Technologien müssen im Bereich der Allgemeinen Bildungswissenschaftlichen Grundlagen (ABG) erworben werden. In den dort (siehe § 6) vorhandenen 40 ECTS-Punkten in sieben Modulen ist diese didaktische Kerndisziplin nur über das Modul ABGPM3 abgedeckt, wobei dieses Modul insgesamt durch die Integration des Orientierungspraktikums in seinen Ansprüchen bei gerade einmal 5 ECTS-Punkten völlig überfrachtet ist. Dort und in allen weiteren sechs Modulen sind keinerlei verpflichtende Bezüge zu Medienpädagogik und/oder digitalen Kompetenzen zu finden:

  • "Medienpädagogik" wird an zwei Stellen zwar genannt (in den Modulen ABGPM4 und ABGPM7), allerdings jeweils nur als ein kleiner Teil eines Wahlangebots (die Bezeichnung "Pflichtmodul" ist hier also insgesamt irreführend, "Wahlpflichtmodul" wäre ehrlicher).
  • Das Adressieren digitaler Kompetenzen − entweder als Bestandteil der Medienbildung durch die Auseinandersetzung mit digitalen Medien oder in Form von grundlegenden IT-Kenntnissen oder in Form von E-Learning als didaktisches Element − unterbleibt gänzlich.

Das Fazit für den Bereich Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen ist ernüchternd:

Didaktisches Design als Kernaufgabe pädagogischen Handelns kommt in diesem Curriculum nicht vor. Die notwendigen Kompetenzen zur Gestaltung eines zielgruppenorientierten, didaktisch versierten Unterrichts müssen von den Studierenden im Rahmen eines einzigen Moduls mit 5 ECTS-Punkten erworben werden, in einem Modul, das darüberhinaus noch andere Aspekte abdecken soll. Wie oberflächlich die didaktischen Kenntnisse sein werden, wenn die ersten eigenen Unterrichtsversuche in der Schulpraxis absolviert werden, liegt auf der Hand. Darüber hinaus können AbsolventInnen dieses Lehramtsstudiums durch die angebotenen Wahlmöglichkeiten einen Bachelorabschluss erwerben und in einer Schule unterrichten, ohne je ein einziges Mal mit Medienpädagogik und -didaktik in Berührung gekommen zu sein.

Diese eklatante Minderberücksichtigung im Bereich "Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen" setzt sich leider in den Teilcurricula der angebotenen 12 Fachdisziplinen fort. Dort finden digitale Kompetenzen und Medienbildung in vier Fächern überhaupt keine Berücksichtigung, in acht Fächern eine marginale in Form von Erwähnungen in einigen wenigen Kompetenz- oder Inhaltsformulierungen. Eine explizite und differenzierter ausgeführte Behandlung ist in keinem der 12 Unterrichtsfächer zu finden.

4. Zusammenfassung des Status quo

Eine umfassend verstandene Medienbildung, wie sie in der Einleitung zu diesem Artikel bereits kurz skizziert wurde, beinhaltet zwei Seiten einer Medaille: Mediendidaktik und Medienerziehung. Dabei meint Mediendidaktik ein Lernen mit Medien, d. h. die Verwendung und Gestaltung von medialen Lernumgebungen und deren Reflexion sowie den Einsatz von Medien als Werkzeug und Mittel, wie es zum Beispiel mit E-Learning der Fall ist. Aber die Mediendidaktik ist nur ein Teilbereich der Medienbildung, denn auf der anderen Seite gehört auch die Medienerziehung dazu, das Lernen über Medien. Das heißt insbesondere das Erfassen aller medienbezogenen Aktivitäten mit Erziehungsrelevanz und die "Theorie medienbezogener Erziehungsaufgaben". Darunter fallen unter anderem Kenntnisse über die Mediensozialisation, das Kennen der Medienwelten Heranwachsender sowie das emergente Einbinden dieser Aspekte in die Lernprozesse (vgl. Schorb 2011; Tulodziecki 2011, Schiefner-Rohs 2012). Dabei kann durch iterative Aushandlungsprozesse gewährleistet werden, wie Kammerl (2014) schreibt, dass die mediale Selbstwirksamkeit in den Händen der Individuen verbleibt und somit wirksame Medienkompetenzen entfaltet werden können.

Aus der Analyse der im November 2015 vorliegenden Fassungen der Teilcurricula in den vier Verbundregionen ergibt sich hinsichtlich Medienbildung und digitalen Kompetenzen folgendes Bild:

  1. Alle Lehramtsstudierenden sollten im Sinne des Lifelong Learning über ihr gesamtes Studium hinweg mit verschiedenen Medien und digitalen Technologien vertraut gemacht werden, und zwar nicht nur in Form von reiner Wissensvermittlung über, sondern vor allem im sicheren und kritischen Umgang mit neuen Medien als Lehr- und Lernmittel. Um dies sicherzustellen und auch nach außen zu deklarieren, bedarf es einerseits einer verpflichtenden curricularen Verankerung, besonders in den Modulen der ersten beiden Semester (sowohl im Bereich Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen als auch in den Fachdidaktiken), und andererseits  der Bereitstellung verschiedener EDV-Services zur Unterstützung von Lehren und Lernen durch den jeweiligen Verbund. Die curriculare Verankerung ist derzeit in keinem Curriculum der vier Entwicklungsverbünde und somit in keiner Phase des Studiums auch nur annähernd gegeben, womit die Lehramtsstudien ihrem eigenen Anspruch, Fähigkeiten für ein eigenständiges, lebenslanges Lernen zu vermitteln, ebensowenig gerecht werden wie einer systematischen, kohärenten Verankerung von Medienbildung.
  2. Neben entsprechenden Kenntnissen zur Mediennutzung und digitalen Kompetenzen für den eigenen Studienerfolg und die Unterrichtsgestaltung ist es eine wichtige Aufgabe künftiger PädagogInnen, Kinder und Jugendliche bei deren Mediensozialisation entsprechend zu begleiten. Dafür ist es notwendig, dass die Studierenden im Rahmen ihres Studiums mit Themen der Mediendidaktik und -pädagogik nicht nur in Berührung kommen, sondern sowohl einführenden als auch vertiefenden Angeboten aus diesen Bereichen begegnen. Die Analyse des Bereichs "Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen" fällt diesbezüglich leider verheerend aus − es gibt wenig bis keine verpflichtenden Modulteile zur Medienpädagogik! Für eine durchgängige, nachhaltige und kohärente Medienbildung wäre darüber hinaus wichtig, entsprechende Angebote auch in den Curricula der Fachwissenschaften und -didaktiken zu verankern, was über alle Teilcurricula hinweg ebenfalls deutlich zu wenig ausgeprägt ist.
  3. Unabhängig von der Ergänzung von Zielen, Inhalten und Kompetenzen aus dem Bereich der Medienbildung in den Modulbeschreibungen, ließe sich Medienbildung als übergreifendes Prinzip leicht in den Formulierungen der Lehr- und Prüfungsmethoden verankern. So wird beispielsweise häufig das "Portfolio" als Prüfungsleistung genannt, was durch "E-Portfolio" ersetzt werden könnte. So würde mit dem E-Portfolio einer Methode in den Curricula mehr Gewicht verliehen, die nicht nur als Prüfungsinstrument eingesetzt wird, sondern reformpädagogische Ansätze mit Medienbildung verbindet und den künftigen LehrerInnen ein Instrument zur professionellen Reflexion und Weiterentwicklung an die Hand gibt. E-Portfolios werden seit Jahren an mehreren Pädagogischen Hochschulen erfolgreich eingesetzt, insbesondere auch in der Begleitung der Pädagogisch-Praktischen Studien. In den künftigen Verbünden ist aber zu befürchten, dass dieser Einsatz nicht fortgeführt wird.

Bei Durchsicht der vorliegenden Curricula wurde festgestellt, dass wenige bis keine Pflichtmodule oder Lehrveranstaltungen Medienbildung und/oder digitale Kompetenzen explizit adressieren, weder in der Beschreibung der Kompetenzen und Ziele noch der Inhalte. Es gibt geringfügige Anknüpfungspunkte in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen und in den Fachdidaktiken einiger weniger Teilcurricula, was gemessen an der Bedeutung der Kompetenzen in diesem Bereich für die Schulen nur als "ein Tropfen auf dem heißen Stein" betrachtet werden kann. Das Fehlen von Medienpädagogik und -didaktik als Pflichtmodul im Bereich "Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen" ist aus dem Anspruch heraus, dass künftige LehrerInnen einen zeitgemäßen Unterricht gestalten und Jugendliche auf einen kritisch-reflexiven Umgang mit Medien aller Art zur aktiven Teilhabe in unserer Gesellschaft vorbereiten können sollen, ein unhaltbarer Zustand. Die derzeit vorliegenden Curricula lassen leider auch nicht den Schluss zu, dass die künftigen LehrerInnen in der Lage sein werden, Österreichs Kinder und Jugendliche zeitgemäß auf ein lebenslanges Lernen vorzubereiten, wie es beispielsweise die Sozialpartner formulieren:

"Lehren und Lernen sowie ‚Lernen lernen‘ sollten vorwiegend interaktiv, kooperativ und projektorientiert erfolgen, um selbständiges, verantwortungsvolles und vernetztes Denken und Handeln zu fördern. Die neuen Vermittlungsmethoden und die neuen Kompetenzen sind für alle Bildungsstufen von der Elementarpädagogik über die duale Ausbildung bis zur tertiären Ausbildung ebenso relevant wie für lebensbegleitendes Lernen. Angesichts der exponentiell wachsenden Menge an verfügbarer Information sollte die Informationsverarbeitungskompetenz Teil des Bildungsprozesses sein." (Die Sozialpartner Österreich 2015:7).

Die im Verbund West (Bereich Sekundarstufe) und Verbund Südost (Bereich Primarstufe) angebotenen Spezialisierungen im Bereich "Medienpädagogik" sind als wenige Lichtblicke zu werten, die allerdings nur eine ganz geringen Anteil der künftigen LehrerInnen erreichen werden.

5. Kurzstellungnahmen weiterer Stakeholder

Aus der Perspektive NMS eLearning

In bemerkenswerter Konsequenz wurde die Entwicklung der Neuen Mittelschule (NMS) seit 2008 von einem E-Learning-Unterstützungspaket des BMBF begleitet. Dieser (auch budgetär) verlässlichen Größe sind einige wesentliche jüngere Entwicklungen in Österreich zu verdanken:

  • Die Gründung einer Virtuellen Pädagogischen Hochschule (VPH);
  • die Kampagne "Kein Kind ohne digitale Kompetenzen", die auch von der Bundesministerin für Bildung und Frauen in vielen Stellungnahmen mittlerweile als wesentliches Ziel der schulischen Innovation angeführt wird;
  • das KidZ-Projekt als größtes NMS und AHS verbindendes Schulprojekt in Österreich mit dem Schwerpunkt des pädagogisch orientierten Tablet-Einsatzes sowie …
  • … viele, viele große und kleine Schritte der Personalentwicklung, Vernetzung und Zusammenarbeit weit über den "harten Kern" der E-Learning- und Medienpädagogik-Community hinaus, die zu einer "digital-inklusiven" Schulentwicklung führen.

Kern dieser Entwicklung ist ein permanenter, möglichst breiter Diskurs über alle Bildungs- und Systemebenen hinweg − laufend zwischen Praxis und Theorie, Forschung und Lehre vermittelnd. Nicht zuletzt der folgende, sinngemäß formulierte, dringende Wunsch von aktiven Lehrpersonen aus Neuen Mittelschulen ist eine starke Motivation und ein Auftrag für die NMS E-Learning-Unterstützung, sich  − beispielsweise in Kooperation mit der VPH − auch in der PädagogInnenbildung NEU zu engagieren: "Bitte sorgt endlich dafür, dass alle jungen Kolleginnen und Kollegen, die aus der Erstausbildung kommen, kompetent mit digitalen Medien und Werkzeugen − zumindest auf einem verlässlichen Basisniveau − umgehen können."

Wenn man weiß,

  • welchen unverzichtbaren Stellenwert "E-Learning" und "digitale Medien und Werkzeuge" mittlerweile in der zeitgemäßen Personal- und Schulentwicklung generell und international einnehmen (vgl. Fullan 2012) und
  • welche unverzichtbare Bedeutung sie konkret für die österreichische NMS-Entwicklung bislang haben (die mit der Onlineplattform www.NMSvernetzung.at verzahnte NMS-Entwicklung ist best-practice-Beispiel im ILE-Projekt der OECD und wird im Jänner 2016 am ICSEI-Kongress in Glasgow vorgestellt)[05],
  • welche beeindruckenden Praxisbeispiele von exzellentem Unterricht medienkompetente Lehrpersonen liefern, wie sie beispielsweise beim Media-Literacy-Award Jahr für Jahr vorgestellt werden,

dann ist die Enttäuschung über das "zaghafte" Vorgehen in der österreichischen LehrerInnenbildung, wie sie in den neuen Curricula sichtbar wird, umso größer. Wir wüssten es besser. Wir könnten es besser. Allein: Wir tun es nicht … Wieder einmal Zeit für ein Grillparzer-Zitat? "Das ist der Fluch von unserm edeln Haus: Auf halben Wegen und zu halber Tat. Mit halben Mitteln zauderhaft zu streben."

Aus der Perspektive der Virtuellen Pädagogischen Hochschule (VPH)

Die zentrale, im Auftrag durch das Bundesministerium für Bildung und Frauen verankerte Aufgabe des an der PH Burgenland angesiedelten Bundeszentrums "Virtuelle Pädagogische Hochschule" (kurz: Virtuelle PH/VPH) ist das Bereitstellen von Leistungen zur Vermittlung von digitalen Kompetenzen für PädagogInnen. In Form von verschiedenen Online-Angeboten wie kooperativen Online-Seminaren, eLectures oder dem Selbstlern-Angebot coffeecup learning kommt die Virtuelle PH diesem Auftrag nach[06]. Dieses Angebot wird hauptsächlich von PädagogInnenund Lehrenden der Pädagogischen Hochschulen, immer mehr aber auch von Lehramtsstudierenden genutzt. Letztere absolvieren Online-Seminare, eLectures oder coffeecup Module zum Teil im Rahmen von Lehrveranstaltungen an den jeweiligen Pädagogischen Hochschulen und Universitäten, sehr oft aber auch aus eigenem Antrieb heraus, da sie der Ansicht sind, dass der Erwerb von digitalen Kompetenzen wichtig für ihre zukünftige Lehrtätigkeit ist, die Vermittlung dieser in ihrem Studium jedoch nicht systematisch abgedeckt ist.

Die Berücksichtigung der Medien- und Informationskompetenzen als Querschnittsmaterie in der PädagogInnenbildung hängt in den meisten Fällen von den Kompetenzen der jeweiligen Lehrperson bzw. von deren Interesse am Thema ab. So kommt es nicht selten vor, dass Studierende während ihres gesamten Studiums keine Einblicke in die Bereiche Mediendidaktik und -pädagogik erhalten, weder auf theoretischer Ebene noch durch Selbsterfahrung z. B. in mediengestützten Lehrveranstaltungen. Dieser Beliebigkeit könnte nur durch curriculare Vorgaben entgegengewirkt werden, deren Notwendigkeit auch von Seiten der Virtuellen PH nur unterstrichen werden kann.

Ebenso im Auftrag der Virtuellen PH festgehalten sind "Maßnahmen zur Sicherstellung der Vermittlung der digitalen Kompetenzen bei den Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen und an PH-Praxisschulen tätigen PraxislehrerInnen", welche im Hinblick auf die PädagogInnenbildung_NEU von besonderer Relevanz sind. Die vonseiten der Virtuellen PH angebotenen Maßnahmen stoßen an den Pädagogischen Hochschulen auf immer mehr Resonanz. Ob bestimmte Angebote aber tatsächlich in Anspruch genommen werden, hängt jedoch meist von den Prioritätensetzungen an den jeweiligen Häusern bzw. von Eigeninitiativen einzelner PH-MitarbeiterInnen ab. So wird beispielsweise an einigen Pädagogischen Hochschulen die Teilnahme von Lehrenden an virtuellen Fortbildungen wie eLectures oder Online-Seminaren zu mediendidaktischen Themen explizit verlangt. In einigen Fällen wurden auch bereits Online-Seminare von der Virtuellen PH "ausgeliehen" und an der jeweiligen Pädagogischen Hochschule als interne Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Zum aktuellen Stand kann – trotz der Bemühungen und Angebote der Virtuellen PH – nicht behauptet werden, die Vermittlung von digitalen Kompetenzen an PH-Lehrende sei flächendeckend sichergestellt. Es wäre absolut wünschenswert, bei allen Lehrenden digitale Kompetenzen voraussetzen bzw. einen kontinuierlichen Aufbau dieser im Sinne des Lifelong Learning verlangen zu können.

Über welche digitalen Kompetenzen PädagogInnen und Lehrende verfügen sollten, um Studierende und Lernende optimal beim digitalen Kompetenzerwerb unterstützen zu können, daran arbeitet zum aktuellen Zeitpunkt ein Team der Virtuellen PH gemeinsam mit Mediendidaktik-ExpertInnen und in der Praxis stehenden LehrerInnen. Ziel ist es, einen "digi.komP Kompetenzkatalog" bereit zu stellen, in dem digitale Kompetenzen von PädagogInnen auf drei Ebenen (Kompetenzen nach Ende des Lehramtsstudiums/nach 5-jähriger Lehrtätigkeit/auf einer parallel dazu verlaufenden Coach-Ebene) dargestellt werden und anhand von Indikatoren beschrieben sind. Dieser, an bereits bestehende Kompetenzmodelle anschlussfähige, auf nationalen und internationalen Kompetenzmodellen basierende Kompetenzkatalog soll zum einen PädagogInnen zur Selbsteinschätzung dienen, um Kompetenzlücken erkennen und durch Fortbildungen schließen zu können, zum anderen aber auch Pädagogische Hochschulen und Universitäten bei der systematischen Vermittlung dieser Kompetenzen an Studierende und beim Aufbau ebendieser Kompetenzen beim Lehrpersonal unterstützen. Der digi.komP-Katalog soll im Laufe des Frühjahrs 2016 in ExpertInnenkreisen präsentiert werden und ab dem Schuljahr 2016/17 an Schulen, Pädagogischen Hochschulen und Universitäten verwendet werden.

6. Schlussfolgerungen und Forderungen

Wir gehen davon aus, dass es an dieser Stelle nicht erforderlich ist, die Bedeutung der Vermittlung von Medienbildung und digitaler Kompetenzen, die damit zusammenhängenden Vorgaben auf regionaler, nationaler wie internationaler Ebene sowie die relevanten Forschungsergebnisse erneut darzulegen. Nichtsdestotrotz seien hier noch einmal wichtige Referenzpunkte genannt:

  • "Professionelle Kompetenzen von PädagogInnen: Zielperspektive", Entwicklungsrat zur PädagogInnenbildung NEU (2013): u. a. "PädagogInnen verfügen über ein reichhaltiges Methodenrepertoire, das unterschiedliche Arbeits-, Sozial- und Präsentationsformen umfasst. Sie können Medien und Arbeitsmaterialien entsprechend dem Stand der bildungstechnologischen Entwicklung verwenden."
  • Empfehlungen der Sektion Medienpädagogik der ÖFEB zur PädagogInnenbildung NEU (2014): u. a. "in allen Bereichen der Ausbildung medienpädagogische Fragestellungen zu integrieren" sowie "die Implementierung eines Moduls "Medienbildung" (Inhalte vgl. oben) im Umfang von mindestens 5 ECTS im Rahmen der "Bildungswissenschaftlichen Grundlagen"
  • Digitale Kompetenzen sind die einzigen namentlich in der Definition des Begriffs "Lebenslanges Lernen"[07] im Memorandum der Europäischen Kommission (2000) genannten "Schlüsselqualifikationen des 21. Jahrhunderts" und nicht zuletzt in der Digitalen Agenda der EU[08] in den strategischen Zielen bis 2020 wesentlich verankert. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung in allen Berufsfeldern und des europaweit drohenden Fachkräftemangels im Bereich der IT werden VertreterInnen verschiedenster Interessensgruppen nicht müde, auf die hohe Bedeutung einer ausreichenden informatischen Grundbildung in Österreichs Schulen hinzuweisen (Die Sozialpartner Österreich 2015).

Auch wenn durchaus argumentiert werden kann, dass eine Verankerung von Medienbildung (zusätzlich!) über die methodische Gestaltung von Lehrveranstaltungen erfolgen kann, sehen wir es als unbedingt erforderlich an,

  1. Module aus der Studieneingangsphase hinsichtlich Medienbildung, digitaler Technologien und persönlichem Wissensmanagement zu überarbeiten,
  2. Module aus dem Bereich Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen mit mediendidaktischen Inhalten, Kompetenzen und Zielen zu ergänzen,
  3. Medienpädagogik als wesentliche pädagogische Teildisziplin explizit als Pflichtbestandteil zu verankern,
  4. für eine durchgängige, nachhaltige und kohärente Medienbildung entsprechende Angebote auch in den Curricula aller Fachdidaktiken stärker als bisher abzubilden.

Die Curricula für die Lehramtsausbildung der Sekundarstufe werden mit Oktober 2016 (Ausnahme EVSO bereits Oktober 2015) in Kraft treten und für mehrere Jahre den formgebenden Rahmen für die Lehramtsausbildung bilden. Bei den derzeit vorliegenden Entwürfen muss hinsichtlich der Verankerung und Umsetzung von Medienbildung und digitalen Kompetenzen leider in aller Deutlichkeit konstatiert werden, dass hier eine historische Chance vergeben wird und die künftigen LehrerInnen der Sekundarstufe hinsichtlich dieser Kompetenzbereiche noch schlechter ausgebildet sein werden als dies bisher schon der Fall war.


Anmerkungen

[1] Da noch nicht alle Curriculaentwürfe publiziert sind, wird um Verständnis gebeten, dass nicht zu allen Aussagen der Analyse öffentlich zugängliche Quellenangaben gemacht werden können.

[2] Die Seitenangaben beziehen sich auf die interne Endversion vom Curriculum für das Bachelorstudium Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung) Entwicklungsverbund Cluster Mitte, das noch nicht veröffentlicht wurde.


Literatur

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Curricularkommission für die Lehramtsstudien an der Universität Innsbruck (2015). Curriculum für das Bachelorstudium Lehramt Sekundarstufe (Allgemeinbildung) an der Universität Innsbruck (gemeinsames Studium mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule − Edith Stein, der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg). Unveröffentlichtes Manuskript.

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Entwicklungsverbund Mitte (2015): Entwurf Curricula Bachelorstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung. Unveröffentlichtes Manuskript.

Entwicklungsverbund Nordost (2015): Entwurf Curricula Bachelorstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung, Oktober 2015. Unveröffentlichtes Manuskript.

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Entwicklungsverbund Südost (2015b): Curricula Bachelorstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung, Juni 2015, online unter: http://www.ph-kaernten.ac.at/fileadmin/media/studienabteilung/LA_PBNEU/Bachelorstudium_SEK_AB_Endversion_public.pdf (letzter Zugriff: 16.12.2015).

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Weblinks

[01] PädagogInnenbildung_NEU: online unter: http://wissenschaft.bmwfw.gv.at/bmwfw/wissenschaft-hochschulen/universitaeten/paedagoginnenbildung-neu/ (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[02] Qualitätssicherungs für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung, online unter: http://www.qsr.or.at/?content/der-qsr/index (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[03] E-Learning-Strategiegruppe der Österreichischen Pädagogischen Hochschulen: online unter:  www.phels.at (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[04] Studienpläne Universität Salzburg, online unter: http://www.uni-salzburg.at/index.php?id=62913&L=0 (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[05] Online-Plattform NMS Vernetzung, online unter: www.NMSvernetzung.at (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[06] Virtuelle Pädagogische Hochschule, online unter: http://www.virtuelle-ph.at (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[07] EU-Glossar Begriff "Lebenslanges Lernen", online unter: https://www.eufis.eu/eu-glossar.html?&type=0&uid=186&tx_sgzz_pi1_cc=4&print=1 (letzter Zugriff: 16.12.2015).

[08] Digital Agenda for Europe: online unter, https://ec.europa.eu/digital-agenda/en (letzter Zugriff: 16.12.2015).

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medienbildung, digitale kompetenz(en), lehrer_innenbildung