Schwerpunkt

1/2010 - Medien und Sport

Images und mediale Diskurse über afrikanischen Fußball: Paternalismus, Rassismus und neoliberale Bewunderung

AutorIn: Kurt Wachter

Die Wahrnehmung des afrikanischen Fußballs und seiner Spieler war und ist sowohl in den Stadien wie in den medialen Darstellungen von rassistischen Images aus der Zeit Kolonialismus geprägt. Der speziell in Europa konstatierbare Aufstieg des afrikanischen Fußballs im Zuge der Ökonomisierung und Globalisierung des Spiels brachte zwar neue Superstars hervor, alte Stereotype leben aber vor Ort wie im medialen Diskurs in transformierter Weise fort.

1. Einleitung: „Rebranding“ Afrikas durch die WM 2010 in Südafrika

 

[1]Mit der Austragung des traditionsreichen Afrika-Cups wollte Angola, erstmals Gastgeber dieses Großereignisses, der Welt zeigen, dass es in dem ehemaligen Bürgerkriegsland nach oben geht. Die 27. Ausgabe des Coupe d‘Afriques des Nations (CAN) war als lokale Ouvertüre zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden gedacht, in einem Jahr, in dem die mediale Aufmerksamkeit wie nie zuvor auf den Kontinent gerichtet ist. Der mehrere Todesopfer fordernde Anschlag auf den Bus der togolesischen Nationalmannschaft zwei Tage vor dem Beginn des Afrika-Cups haben die Vorfreude auf das Jahr des afrikanischen Fußballs in Entsetzen, Unverständnis und Trauer verwandelt.

Die Organisatoren der WM in Südafrika sind angetreten, die erste afrikanische Fußball-Weltmeisterschafts-Endrunde zu einer gesamtkontinentalen Angelegenheit zu machen. Der offizielle WM-Slogan lautet „Ke Nako. Celebrate Africa's Humanity“ („Es ist Zeit, Afrikas Menschlichkeit zu feiern!“), Südafrika 2010 will damit Afrika als Ursprung der Menschheit in Erinnerung rufen und den Beitrag des Kontinents zur menschlichen Zivilisation hervorheben, trotz der von Armut, Hunger und Krisen geprägten Realität in vielen afrikanischen Regionen[2]. Der frühere südafrikanische Präsident Thabo Mbeki formulierte diese Hoffnung auf ein „Rebranding“ Afrikas mit folgenden Worten:

„Wir wollen im Namen unseres Kontinents ein Event auf die Beine stellen, das vom Kap bis nach Kairo Wellen des Selbstvertrauens und Stolzes senden wird, ein Event, das soziale und ökonomische Möglichkeiten in ganz Afrika schaffen wird. Wir wollen dafür sorgen, dass eines Tages Historiker auf die Fußball-WM 2010 zurückblicken und dieses Ereignis als den Moment betrachten, in dem Afrika Jahrhunderte der Armut und des Konflikts überwand. Wir wollen zeigen, dass Afrikas Zeit gekommen ist.“[3]

Nachdem die anfangs massiv geäußerten Sicherheitsbedenken gegenüber Südafrika fast verstummt waren, ist deren mediale Diskussion aufgrund der Ereignisse in Angola erneut reflexhaft aufgebrochen. Der mächtige FC Bayern Präsident Uli Hoeneß bezeichnete kurz nach dem Anschlag in Cabinda die Vergabe der WM nach Südafrika als „eine der größten Fehlentscheidungen“ der FIFA. „Ich fahre da nicht hin. Ich war nie ein großer Freund einer WM in Südafrika oder überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind“, erklärte Hoeneß[4]. Das afro-kritische Statement avancierte zur internationalen Spitzenmeldung. Die südafrikanischen Organisatoren wehrten sich zu Recht gegen solche unzulässige Generalisierungen.  Der Chef des WM-Organisationskomitees Danny Jordaan kitisierte, dass im Vergleich zu Europa mit zweierlei Maß gemessen werde:

„Wenn es einen Krieg in Kosovo gibt und eine Weltmeisterschaft in Deutschland stattfindet, würde niemand in Frage stellen, ob die WM in Deutschland stattfinden kann, weil alle wissen, dass der Krieg in Kosovo ist. Es dürfen keine unterschiedliche Standards angewendet werden, wenn es um den afrikanischen Kontinent geht“ (BBC Sport 2010).

Die Entfernung zwischen Cabinda und dem nächstgelegenen WM-Austragungsort Polokwane beträgt 2800 km, das entspricht der Distanz Wien – Bagdad. Der Sprecher des WM-Organisationskomitees Rich Mkhondo legte den internationalen Journalisten Nachhilfestunden in Geographie nahe: Afrika wäre nicht ein Land, sondern ein Kontinent, bestehend aus 53 Ländern, die alle eine höchst unterschiedliche Geschichte und aktuelle politischen Situation aufweisen.[5] Tatsächlich wird in der europäischen medialen und öffentlichen Wahrnehmung hinsichtlich Afrika wenig differenziert. Vielfach mangelt es an grundlegendem Wissen über die Hintergründe historisch bedingter Konflikte, die in die Zeit des Kolonialismus zurückreichen. Die Hoffnung jedenfalls, die WM könnte als weltweit größter Medienevent eine neue, von Vorurteilen und Stereotypen befreite Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents herbeiführen, ist nachhaltig getrübt: Weiterhin dominieren altbekannte Schlagzeilen über Chaos, Gewalt und Barbarei  die Medienberichte in Europa (vgl. Jansen 2010). Der ehemalige Teamkapitän von Ghana, Anthony Baffoe, kritisierte die jüngste mediale Debatte im Vorfeld der WM in Südafrika:

„Für mich ist Rassismus auch das Vorurteil, immer noch nicht an Afrika zu glauben können. Und irgendwie denkt man immer noch, dass wir primitiv sind“ (Baffoe zit. n. März 2010).

Solche Stereotype und rassistische Images, die zum größten Teil noch in der Ära des Kolonialismus entstanden, manifestieren sich nicht nur in der medialen Berichterstattung im Hinblick auf die erste WM-Endrunde in Afrika, sondern auch in der Rezeption der Entwicklung des Fußballs in Afrika, der Performance von afrikanischen Teams und der Repräsentation afrikanischer Spieler in den Medien oder auch in der Werbung. Im Folgenden soll daher versucht werden, die sich wandelnden Zuschreibungen und Diskurse über afrikanischen Fußball genauer darzustellen und zu analysieren.

2. Rassenkonstruktionen und alte Stereotype

„The African game has been nurtured on a diet of flair, elaboration and flamboyance of individuals, whose skills infect spectators in the stands. Goals are created more by brain than brawl“ (Graphic Sports 3.3.1992: 6).

Mit diesen positiven Attributen charakterisierte der ghanaische Sportjournalist Ebo Quansah die "typische" afrikanische Spielweise. Den impliziten Gegenpol zum intellektuell-elaborierten afrikanischen Stil bildet – aus afrikanischer Perspektive gesehen – die auf Robustheit, Körperlichkeit und Brachialität fußende Spielanlage der Europäer. Eine Dichotomie, die in den Anfängen der europäischen Expansion nach Afrika von den Europäern genau umgekehrt konstruiert wurde.

In den seit Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelten Kategorisierungen von „Rassen“ nimmt der Begriff des „Negers“ – als Antipode zum kultivierten „Weißen“ – eine zentrale Stellung ein und verdrängte ein weit positiver gezeichnetes Bild des „Mohren“. Die Vorstellung von „edlen Wilden“ wich zunehmend dem Bild von unzivilisierten Primitiven. Die Konstruktion von „Rassen“ während der Aufklärung war aber auch alles andere als geschlechtsneutral, sondern implizierte und erzeugte spezifische Vorstellungen von Männlichkeit. Den Europäern diente speziell der männliche afrikanische Körper als Projektionsfläche zur Beschreibung angeblicher rassischer Unterschiede. Orientiert am Bild des auf dem Feld arbeitenden männlichen Sklaven wurden Afrikanern einerseits Athletik und körperliche Stärke zugeschrieben, andererseits Faulheit und Dummheit konstatiert. So charakterisierte auch Immanuel Kant den Afrikaner als intellektuell und charakterlich unterlegen, aber als physisch durchaus potent. Der „Neger“, so der Philosoph, sei einerseits „stark, fleischig, gelenk“, anderseits aber „faul, weichlich und tändelnd“. Die „Race der Weißen“ wäre aufgrund des temperierten Klimas am vollkommensten gereift. Wie noch viele nach ihm fand Kant 1802 anerkennende Worte für die läuferischen Fähigkeiten der Afrikaner:

„Die Mohren und andere Völker zwischen den Wendekreisen können gemeiniglich erstaunend laufen. Sie sowohl, als andere Wilde, haben auch mehr Stärke, als andere civilisierte Völker“ (Kant/Henscheid 1995: 15).

Dennoch bemerkte Kant, dass „Neger“ dem Untergang geweiht wären, denn sie „können sich nicht selbst regieren. Dienen also nur zu Sclaven“ (Kant zit. n. Hund 1999: 134). Die ökonomische und gesellschaftliche Kategorie der Sklavenhaltung wurde hier in eine quasi genetische Kategorie verwandelt. Auch der sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als „wissenschaftlich“ begreifende Rassismus verortete die Afrikaner in einer vorgestellten Hierarchie der Rassen als weit unten, nahe dem tierischen Ursprung stehend. Die Animalisierung und Reduktion des Afrikaners auf seine Körperlichkeit erhielt somit einen naturwissenschaftlichen Anstrich.

Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der kolonialen Okkupation weiter Teile Afrikas und dem damit einhergehenden Export moderner Sportarten – vor allem durch die englischen Kolonialisten - verfestigte sich der Mythos, wonach Afrikaner durchaus sportlich leistungsfähig, aber zu unbeständig wären. Zudem wiesen sie angeblich kein taktisches Verständnis bei Teamsportarten auf. Mit dem daraus entstandenen Stereotyp, dass „Schwarze“ keine guten Verteidiger oder Torhüter und generell verletzungsanfälliger als „Weiße“ sind, haben afrikanische Fußballer in Europa bis heute zu kämpfen. Ohne eine ungebrochene Linearität behaupten zu wollen, ist der populäre mediale Diskurs über Körperlichkeit und mentale Disposition von schwarzen Fußballern doch nach wie vor reich an kruden „rassischen“ Stereotypen, die zugleich vergeschlechtlicht sind. Als Illustration dafür mag eine Aussage von Ron Noades, dem früheren Eigentümer des Londoner Klubs Crystal Palace, dienen:

„The problem with black players is they’ve great pace, great athletes, love to play with the ball in front of them ... when it’s behind them it’s chaos. I don’t think too many of them can read the game. When you are getting into midwinter you need a few of the hard white men to carry the athletic players through“ (zit. n. Back/Crabbe/Solomos 2001: 175).

Die physisch und spielerisch – vorgeblich "von Natur aus" – begnadeten, aber ohne Stehvermögen ausgestatteten schwarzen Fußballer benötigten die Führung durch die „Weißen“, entweder in der Rolle von „hard white men“ auf dem Platz oder in Person des europäischen Trainers, ohne dessen taktische Voraussicht Schwarze nicht erfolgreich sein könnten. Die Vorstellung, wonach schwarze Spieler einen „natürlichen“ physiologischen Vorteil besäßen, teilt offensichtlich auch der derzeitige ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini. Bei einer öffentlichen Diskussion sprach er über seine Assistenztrainerzeit beim saudiarabischen Klub Al-Ittihad Ende der 1980er Jahre und strapazierte dabei das altbekannte Stereotyp: er habe zunehmend nur mehr schwarze Spieler eingesetzt, weil die schlicht und einfach die besseren und körperlich stärkeren Fußballer wären[6].

Das essentialistische Stereotyp, wonach der Schwarze mehr Körper als Geist ist - und daher auch von Natur aus mehr mit sich in Einklang wäre -, findet sich nicht nur als Zuschreibung von außen, sondern gehört auch zum Repertoire der Selbststilisierung hypermaskulin codierter schwarzer Sportstars (Walter 2001). Die Versportlichung schwarzer Identität belebt zum Beispiel in den USA durchaus Formen der alten rassistischen Arbeitsteilung zwischen den denkenden Weißen und körperlich arbeitenden Afroamerikanern (Hoberman 1997). Der Film „White man can’t jump“ (1992) mit Wesley Snipes in der Hauptrolle spielt mit der Thematik einer solchen Selbststilisierung schwarzer Basketball-Spieler.

3. Die Anfänge des afrikanischen Fußballs: Vom „Othello“ zu  den „laufenden Gazellen“

Koloniale Urspünge des Fußballs in Südafrika

Die Ausbreitung des Fußballs in Afrika ist eine direkte Folge der imperialen Okkupation und der Teilung des Kontinents durch die Europäer, die auf der Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85 formalisiert wurde. Die Pioniere der kulturellen Diffusion waren zunächst Soldaten, Matrosen oder britische Siedler im südlichen Afrika. Bereits 1866, also nur drei, Jahre nachdem die englische Football Association gegründet wurde, fand in der Provinz Natal in Südafrika das erste historisch dokumentierte Fußballspiel in Afrika statt. Um 1900 wurde Fußball von weißen Einwanderern aus der Arbeiterklasse, Indern und zunehmend auch von Schwarzen gespielt. Buren und wohlhabende Südafrikaner britischer Herkunft beschränkten sich aber vor allem auf Rugby. So spielten weiße Männer auch Fußball, aber zum Unterschied von Rugby und Kricket entwickelte sich nie eine elitäre weiße Anhängerschaft und ein damit einhergehendes Prestige. Auch nach Abschaffung der Apartheid hat sich an dieser Disposition faktisch nichts verändert (Nauright 1997).

Das erste Fußballteam, das den Kontinent 1899 Richtung Europa verließ, trug den Namen „Kaffirs“ und bestand ausschließlich aus schwarzen Spielern aus dem heutigen Lesotho (Vasili 1998: 139f). Organisiert von der weiß-dominierten Oranje Free State Football Association (OFSFA) spielten die „Kaffiren“ im Rahmen einer ausgedehnten Tournee gegen die besten englischen und schottischen Teams jener Zeit. Die lokalen englischen Zeitungen kommentierten die 36 Spiele, von denen die Afrikaner kein einziges gewannen, sehr ambivalent. Einerseits wurden die Spieler als exotische Kuriosität gesehen – so wurde auf die „remarkable staying powers“ der Mannschaft (eine Anspielung auf die scheinbar ungezügelte Sexualität der Afrikaner) hingewiesen –, andererseits wurde durchwegs deren gentlemenhafte Spielweise gelobt (Vasili 1998: 140). Nach der der 2:7 Niederlage gegen Sunderland schrieb der Sporting Man in Newcastle: „The darkeys played a very gentlemanly game, and it says much for their good temper – which must have been sorely tried – that they did not utilise their obvious strength of body and cranium“ (Sporting Man 8.9.1899 zit. n. Vasili 1998: 140).

Frühe Fußballmigration: Arthur Wharton

Nicht nur die Anfänge des Spiels in Afrika gehen bis ins vorletzte Jahrhundert zurück, auch die Migration fußballerischer Arbeitskraft nach Europa hatte Vorläufer schon vor 1900. Ziemlich genau 100 Jahre, bevor afrikanische Spieler verstärkt in den wichtigsten europäischen Ligen Präsenz zeigen, machte ein Ghanaer den Anfang: Arthur Wharton begann 1886 als Torwart beim nordwestenglischen Fußballklub Preston North End, für viele damals das beste Team auf der Insel. 1889 erhielt Wharton einen Profivertrag beim Club Rotherham, bevor er später zu Sheffield United wechselte. Wharton war damit der erste afrikanische Profifußballer überhaupt (Vasili 1998). Arthur Wharton entstammte einer einflussreichen, afro-karibischen Methodistenfamilie aus Cape Coast, sein Großvater war Schotte. Wharton sollte sich in London eigentlich zum Missionar ausbilden lassen, doch er entschied sich für eine proletarische Sportkarriere im industrialisierten Norden. „Othello“, wie er von der lokalen Presse genannt wurde, sorgte nicht nur auf dem Fußballfeld für Furore, sondern spielte auch professionelles Cricket und gewann den nationalen Sprinttitel über die 100 Yards in der Zeit von 10 Sekunden., ein Rekord, der in den folgenden 37 Jahren nicht übertroffen wurde.

Wharton war der schwarze Sportstar des späten viktorianischen England. Trotzdem starb er als verarmter Kohlearbeiter und wurde ungeachtet seiner Erfolge in der britischen Sporthistorie vollkommen vergessen. Phil Vasili versucht in „The First Black Footballer. Arthur Wharton 1865-1930“ die Ursachen für diese Geschichtsamnesie heraus zu finden. Er zeigt, dass einerseits der superiore Rassismus zur Hochblüte des britischen Empire unvereinbar war mit der Anerkennung und Memorierung der Erfolge eines farbigen „colonials“, und andererseits, wie das Beispiel des aus Indien stammenden Cricket-Stars Ranjitsinhji belegt, war die soziale Klasse ein ebenso gewichtiger Grund. „Ranji“, ein Zeitgenosse von Wharton, wurde damals ebenfalls als „coloured“ kategorisiert, aber aufgrund seines Upper Class-Umfelds in den Pantheon des Cricketsports aufgenommen. Zudem wurde Ranjitsinhji gemäß den damaligen rassistischen Kategorisierungen als weniger barbarisch und als kulturell höher stehend als der Afrikaner Wharton eingestuft (Vasili 1998).

Fußball als urbane Arena antikolonialer Dissidenz

In der Zwischenkriegszeit begannen Afrikaner, die Kontrolle der Europäer in der Organisation des einheimischen Fußballs zu brechen. In Nigeria war die Situation von der Auseinandersetzung zwischen den europäischen Kolonialisten und den Akteuren der aufkommenden Dekolonisierungsbewegung geprägt. In Lagos befand sich der organisierte Fußball fest in der Hand der Briten. 1938 wurde das erste „interkoloniale“ Match gegen die Goldküste ausgetragen. Die Auswahl der Spieler erfolgte nicht ausschließlich auf der Basis des fußballerischen Könnens, sondern die Akteure auf dem Feld sollten auch zivilisatorische Botschafter des kolonialen Nigerias sein.

Widerspruch gegen die Verbandspolitik kam von den afrikanischen Teams in Lagos. Besonders artikuliert trat der ethnisch gemischte Zik’s Athletic Club (ZAC) auf, der Verein des späteren ersten Präsidenten des unabhängigen Nigeria, Nnamdi Azikiwe (Zik). Azikiwe – der maßgeblich das panafrikanische Denken von Kwame Nkrumah inspirierte – gehörte zur ersten Generation von Fußball spielenden Nigerianern. Er kritisierte bei den Rahmenveranstaltungen zu den Spielen offen die Kolonialpolitik der Briten. Seine einflussreiche Zeitung West African Pilot geißelte erbittert die Praxis der Fußballadministration, welche die afrikanischen Vereine benachteiligte. So wurden die Zuwendungen von staatlichen Einrichtungen wie der Eisenbahn, Marine oder Post an den Fußball als Verschwendung öffentlichen Eigentums gebrandmarkt. Die besten Spieler würden mit lukrativen Jobangeboten von staatsnahen Klubs wie dem Railway FC verpflichtet. Auch Missionsschulen als lohnendes Reservoir für talentierte Nachwuchsspieler blieben Vereinen, die von Nigerianern gemanagt wurden, verwehrt: Der Verband verbot kurzerhand den Schülern, Klubfußball zu spielen. Solche Verstöße gegen das Gleichheitsprinzip durch die britische Fußballverwaltung verurteilte der West African Pilot vehement:

„Take heed and get out of the tentacles of these despoilers of the character of the youth of Africa. Oh, football, what despicable crimes are committed in thy name, in Lagos, even by those who claim to be paragons of perfection and repository of all knowledge [...] what they call ›civilisation‹ and which I call barbarism!“ (8.2.1945 zit. n. Vasili 2000: 77).

Der anfänglich von den europäischen Kolonialisten als Symbol ihrer zivilisatorischen Überlegenheit propagierte Sportethos wurde nun von Befreiungsnationalisten wie Nnamdi Azikiwe verwendet, um die Dekadenz der Briten und deren Unfähigkeit zur Herrschaft offen zu legen. Der Kampf um die Aneignung des Fußballs war damit durchaus vergleichbar mit dem antikolonialen Kampf auf den Straßen und in der Arbeitswelt (Vasili 2000: 72-86).

Postkoloniale Aneignung: Der Fußball wird afrikanisch

Auch wenn Fußball in Afrika ein direktes Erbe des Kolonialismus und einen klaren Ausdruck des europäischen Kulturimperialismus darstellt, wurde das Spiel von lokalen Akteuren zunehmend umgedeutet und „afrikanisiert“. Die Geschichte des afrikanischen Fußballs ist daher auch eine Geschichte des Kampfes der Afrikaner um die Aneignung des Spiels. Mittels des Fußballs wurde durchaus auch politische Emanzipation, Befreiung und Dissidenz befördert. Im Zuge der Herausbildung postkolonialer Nationalstaaten entwickelte sich der Fußball auf dem afrikanischen Kontinent – ähnlich wie in den ehemaligen  „Mutterländern“ – zu einem bedeutenden kulturellen, sozialen und politischen Ereignis. Wie kein anderer Aspekt der kolonialen Kultur hat der Fußball Aufnahme in die Herzen afrikanischer Männer gefunden und sich in einigen Ländern zu einer (maskulin-)säkularen Religion entwickelt. Noch in den 1950er Jahren war es unvorhersehbar, dass diese anfänglich so fremde kulturelle Praktik sich zu einem zentralen Element der nationalen Identität aller 53 afrikanischen Nationalstaaten entwickeln würde (Boer 2004: 75).

Der erste afrikanische Team bei einer Weltmeisterschaft war Marokko im Jahr 1970 - sieht man von der Teilnahme des britisch dominierten Ägypten im Jahr 1934 ab. Die FIFA brauchte 40 Jahre, um dem Kontinent einen eigenen Startplatz zu gewähren und damit anzuerkennen, dass auf dem Kontinent guter Fußball gespielt wird. Dabei waren im Jahr 1970 bereits 36 nationale Verbände aus Afrika Mitglied der FIFA. Der 1957 ins Leben gerufene Kontinentalverband Confédération Africaine de Football (CAF) musste sich vor 1970 mit der Asiatischen Föderation AFC einen einzigen Startplatz teilen.

Beim sportlich desaströsen Gastspiel von Zaire 1974 musste sich (mit Ausnahme von Togo bei der WM 2006) das  einzige Mal ein afrikanisches Team punktelos von einer WM verabschieden. Der sportliche Kurzauftritt der Zairer 1974 in Deutschland amüsierte damals die Journalisten. In der deutschen Presse sah man  krude Rassentheorien bestätigt: Afrikaner wären zwar fähig, lange Distanzen zu laufen, nur hätten sie nicht die leiseste Ahnung von Teamsport und ihr Verständnis für Taktik und Disziplin würde jener von Wilden gleichen (vgl. Kuper 1996:100-11). Der deutsche Sportreporter Ernst Huberty sah die Afrikaner „wie Katzen springen" und „wie Gazellen laufen“ (Thilke 2010). Beim Auftaktspiel gegen Schottland überraschten die Zairer in den ersten 30 Minuten mit ihrem schnellen Passspiel, schließlich verlor man aber mit 0:2. Eine belgische Zeitung schrieb anerkennend, dass die Mobutu-Auswahl „frischen Wind“ ins Turnier gebracht hätte. Der Spieler Illunga Mwetu berichtete später von rassistischen  Beschimpfungen. Ein schottischer Spieler hätte zu ihm „Hey ‚Nigger’" und „Geh zurück nach Afrika, Bimbo“ gesagt (Spurling 2008). Nachdem eine versprochene Prämie nicht ausbezahlt worden war, drohten die „Leoparden“ mit einem Boykott. Aus Angst vor Repressalien seitens des Diktators Mobutu traten sie gegen Jugoslawien an, verloren aber 0:9. Auch das letzte Gruppenspiel gegen Brasilien ging verloren (0:3)

4. Modernisierte Diskurse: Von „Rohdiamanten“ zu globalen Superstars

Nach der Dekolonisierung bewirkte die direkte Förderung des Fußballs durch die Präsidenten oder über regierungsnahe Institutionen wie Armee, Polizei bzw. verstaatlichte Betriebe in weiten Teilen des Kontinents einerseits die Anhebung des spielerischen Niveaus, anderseits eine stilistische Diversifikation des Spiels, das sich von den kolonialen Vorbildern emanzipiert hatte. Damit entstand gegen die Zuschreibung als robuste, virile und kräftige aber letztlich undistinguierte Läufer-Naturen ab den 1970er Jahren ein Ideal des afrikanischen Fußballs, das Spielintelligenz, technische Finessen und spielerisches Flair betonte.

Der WM-Titel Brasiliens 1970 – die erste WM-Endrunde, von der alle Spiele im TV live und in Farbe übertragen wurden - übte einen entscheidenden Einfluss auf afrikanische Spielsysteme aus. In vielen Ländern folgte man bis dahin noch einem konservativen, physisch geprägten Stil, der das britische System kopierte. Die Brasilianer zeigten aber, wie man mit einer flexiblen Spielanlage, die keine starren Positionen mehr vorsah und Wert auf individuelles Können und ein technisch versiertes Mittelfeld legte, Erfolg haben konnte. Bekannte Spieler wie Theophile Abega aus Kamerun, Tedji Bensaoula und Rabah Madjer aus Algerien oder Abedi Pele aus Ghana verkörperten nun primär Kreativität und technische Finesse. Was Kant bei den Afrikanern noch als „tändelnd“ und die Kolonialverwalter als das kindliche afrikanische Wesen diffamierten, erschien nun positiv gewendet als „Stil“ und Unterhaltung.

Die erste Generation afrikanischer Fußballstars, die durch ihr Engagement bei europäischen Großklubs ab Mitte der 1980er Jahre zu Geld und Ruhm kam, wurde in ihren jeweiligen Ländern zu nationalen Heroen stilisiert. Der prominenteste Spieler in Ghana war zu jener Zeit der dreifache afrikanische Fußballer des Jahres Abedi Pele. Als 17-jähriger sorgte er beim Sieg im Finale des Afrika-Cups in Libyen für Furore und errang mit Olympique Marseille 1992 die UEFA Champions League. Der körperlich klein gewachsene, aber technisch exzellente Abedi Ayew nannte sich nach seinem großen Vorbild „Pele“. Aus dem sozial benachteiligten „small boy“, dessen Familie aus dem unterentwickelten Norden Ghanas stammte, machte der globalisierte Fußball einen „big man“ mit Ansehen und Einfluss. In der Analyse des Scheiterns im Finale des Afrika-Cup 1992 gegen Côte d’Ivoire stilisierten die Sportjournalisten Abedi Pele zum einzigen und echten Mann unter den „boys“ (Mitspielern), der die ganze Last der Nation zu tragen hatte und von den Verbandsoffiziellen im Stich gelassen wurde. Roger Milla, ein anderer Star des afrikanischen Fußballs, der durch den Viertelfinaleinzug Kameruns bei der WM 1990 zu einem gesamtafrikanischen Heroen wurde, fühlte sich trotz seines fünfjährigen Engagements in der französischen Liga ausgebeutet und von den Europäern wie ein Sklave behandelt. In einem Interview mit einem einer ghanaischen Wochenzeitschrift sagte er:

„The French are a bunch of slave drivers with no respect for human dignity. [...] I even had to negotiate my own contracts. There was no agent or advisor to help me, which I feel was very unfortunate. It’s no use a player negotiating his own contract with the club president, especially when he is new in the country“ (The Ghanaian Chronicle 20.1.1992: 12).

Afrikanischer Fußballboom und postkoloniale Kontinuitäten

Noch bei der WM 1990 durfte der deutsche Fernsehreporter Marcel Reif dem von Roger Milla angeführten Team Kameruns ungeniert zurufen: „Nur Mut, ihr schwarzen Freunde“. Ein solcher paternalistischer Exotismus, basierend auf einer Sympathie für den vermeintlich Schwächeren, war jedoch zu dieser Zeit aufgrund der starken internationalen Performance des afrikanischen Fußballs bereits im Abflauen begriffen. Mit den regelmäßigen Titelgewinnen von Nigeria und Ghana bei den seit 1985 stattfindenden FIFA U-17 Weltmeisterschaften und der Liberalisierung des europäischen Spielermarktes („Bosman-Urteil“) nahm die Zahl  afrikanischer Spieler in den europäischen Ligen stark zu. Waren es Mitte der 1980er Jahren lediglich einige Dutzend afrikanische Profis, die bei Erstligavereinen unter Vertrag standen (Versi 1986: 14), stieg die Zahl der Fußballmigranten aus Afrika zur Jahrtausendwende rapide an.

Für das Jahr 2003 hat das Professional Football Players Observatory folgende Zahlen ermittelt: In den jeweils obersten Ligen aller europäischen Länder waren 1152 Afrikaner unter Vertrag, und zwar in 48 von 50 UEFA-Mitgliedesländern. In Belgien stellten sie 43 Prozent, in der Schweiz 33,7 Prozent aller ausländischen Spieler, in den osteuropäischen Ländern Rumänien  und  Polen sogar 53,3 bzw. 30,2 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass die Präsenz afrikanischer Spieler längst nicht mehr auf ehemalige Kolonialmächte - allen voran Frankreich, Portugal, Belgien und Großbritannien -  beschränkt ist. Insgesamt machen Afrikaner im Durchschnitt 19,6 Prozent aller „Legionäre“ in Europa aus. Die Spieler kommen aus insgesamt 43 Herkunftsländern, die zahlenmäßig größten sind Nigeria (214), Kamerun (145), Ghana (106), Senegal (92) und Côte d'Ivoire (71). Eine Erhebung zur Champions League Saison 2007/08 (Pessina/Poli/Ravenel 2008) zeigt die enorme Relevanz afrikanischer Arbeitskräfte für den global lukrativsten Klubwettbewerb: Die Länder Côte d'Ivoire (13), Nigeria (8), Ghana (5) und Kamerun (5) stellten zusammen mehr Spieler als England (30), das mit vier Vereinen im Bewerb vertreten war.

Der ab Mitte der 1990er Jahre einsetzende Rush der europäischen Klubs und Spieleragenten auf zumeist junges Spielermaterial aus Afrika („body trading“) ist unterlegt mit altbekannten Stereotypen: die adoleszenten „schwarzen Rohdiamanten“ besäßen ein Übermaß an Talent, das nicht sozio-kulturellen Faktoren, sondern letztlich den Genen geschuldet sei. „Es ist wie beim Tanzen“, meinte etwa der deutsche Erfolgstrainer Erich Ribbeck, „ein Farbiger hat einfach ganz andere Bewegungen drauf, das ist nicht nur eine Frage des Trainings. Man muss schon farbenblind sein, um die Realität nicht zu sehen“ (Die Zeit 24/2000).

Der Aufstieg von afrikanischen Spielern wie Didier Drogba oder Samuel Eto‘o zu globalen Superstars des Fußballs fällt nicht zufällig in eine Phase des Wandels im post-industriellen Arbeitsleben und im Freizeitbereich, in dem Sport zunehmend an gesellschaftlicher    Bedeutung gewinnt. Der Kulturkritiker Martin Jacques beschreibt die Ära ab etwa 1990 als „Zeitalter des Sports”. So wie Rockmusik in den 1960er und 1970er Jahren sich zur dominanten kulturellen Form entwickelte, ist es heute der Sport, der Werte, Normen und Einstellungen prägt (Williams 1999: 46). Gerade der Fußball verwandelte sich dank eines enormen Tökonomischen Potentials in eine boomende, globalisierte Entertainmentindustrie, die ihre Arbeitskräfte aus allen Teilen der Welt rekrutiert. Fußballstars wurden zu kulturellen Ikonen und weltweit funktionierenden Rollenmodellen, die von Sponsoren und der Werbewirtschaft begehrt werden. Sie verkörpern wie kaum eine andere Berufsgruppe eine neoliberale Ideologie des Erfolgs und der Leistung.

Dabei zeigt sich, wie meist in populärkulturellen Phänomenen, eine tiefe Ambivalenz, wenn afrikanische Spieler zu Idolen aufsteigen, gleichzeit aber diskriminiert werden und alte Stereotype wieder aufleben. So lässt der Sportartikelhersteller Puma in seiner Werbelinie den kamerunischen Stürmer Samuel Eto‘o auftreten, wobei ganz unzweideutig koloniale Bilder von „Wildheit“ und emotionaler Animalität von Afrikanern medial reproduziert werden. Der Spot „My Pumas“ aus dem Jahr 2003 zeigt Eto‘o nach einem Training unter der Dusche. Während er duscht, entwendet ein Jugendlicher seine Puma-Sneakers aus der Umkleidekabine. Eto‘o bemerkt den Diebstahl und stürzt sofort nackt aufs Spielfeld. Er stößt einen lauten, wutentbrannten Schrei aus, als er den Dieb in einer Gruppe Jugendlicher erblickt., die - unter Zurücklassung der Schuhe - flüchten. Eto‘o zieht sich „seine Pumas“ an und geht – immer noch  nackt – zurück in die Kabine. Selbstredend werden in anderen Puma-Spots die nicht-afrikanischen Fußballstars weder nackt und muskelbepackt noch animalisch brüllend gezeigt. Der Spot mit dem Franzosen Robert Pires spielt in einem trendigen Londoner Friseurladen, Gianluigi Buffon flirtet im Cabriolet mit italienischen Schönheiten.

Noch explizitere Parallelisierungen zwischen Eto‘o als afrikanischem Superstar und einer tierischen Kampfmaschine voller wilder Ungezügeltheit und (sexueller) Potenz finden sich im Puma Spot „Les Lions Indomitables“[7]: Im Anime-Style gehalten, kämpft Eto‘o in einem Stadion allein gegen eine übermächtige Gruppe dunkler, muskelbepackter tierähnlicher Gestalten. Eto‘o wird dabei mit Raubtierkrallen dargestellt, wobei sich sein Gesicht in das Antlitz eines brüllenden Löwen in den nationalen Farben Kameruns verwandelt. Schließlich gewinnt er das Spiel und triumphiert mit dem Gebrüll eines Löwen oder Pumas. Die Spot ist harter Musik unterlegt, in der afrikanische Trommeln nicht fehlen dürfen[8].

Diese Werbesujets finden durchaus realen Widerhall, wenn Eto’o während seines Engagements in Spanien wiederholt zum „wilden Tier“ degradiert worden war. Als Reaktion auf  rassistische Affenlaute aus dem Zuschauerraum bei einem Auswärtsspiel in Saragossa im Februar 2005 feierte er seinen Torerfolg demonstrativ mit affenähnlichen Gesten. Eto’o sagte nach dem Spiel, er hätte wie ein Affe getanzt, weil sie ihn wie einen Affen behandelten (FARE 2005: 2). Auch im Januar 2006 wurde Eto’o nach einer Unsportlichkeit gegen einen Spieler von Athletic Bilbao im Reich der Affen verortet. Bilbaos Trainer Javier Clemente meinte, das Verhalten von Eto’o wäre typisch für „Menschen die gerade von den Bäumen gestiegen wären“. Später behauptete er, mit dieser Bemerkung nicht Eto’o gemeint zu haben.

Die Animalisierung und Reduktion des afrikanischen Mannes auf seine Körperlichkeit lebt also in transformierter Weise im postkolonialen Zeitalter fort, doch findet sie ihrem Widerpart weiterhin in einer Idealisierung, wenn ein  natürlich und intuitiv gespielter afrikanischer Fußball zum Gegenmodell eines domestizierten, rationalen Fußballs europäischer Prägung stilisiert wird.  In einem Anflug von romantischer Nostalgie erhofft man sich vom afrikanischen (Straßen-)Fußball eine „Reinigung“ des von Taktik und Disziplin geprägten modernen Spiels (Bale 2004: 244), des ja gerade die Qualität des Gassen- und Käfigspiels abhanden gekommen ist. Zugleich wird regelmäßig eine „Europäisierung“ der afrikanischen Fußballprofis beklagt. Der „rationale“ europäische Ligafußball würde die „Natürlichkeit“ der afrikanischen  „Legionäre“ kontaminieren. So resümierte die Zeitschrift kicker über den abgelaufenen Afrika–Cup 2010 in Angola: „Afrikas Fußball ging bei diesem Turnier auch die spielerische Leichtigkeit, die unbeschwerte Spielfreude, die Intuition und Improvisation ab“ (Hasselbruch 2010). Der Reporter mutmaßt immerhin, dass die fehlende Freude  mit dem Anschlag auf das togolesische Team in Zusammenhang stehen könnte.

So fällt das Resümee über die Wahrnehmung des afrikanischen Fußballs in Europa nicht gerade positiv aus. Doch die erste Weltmeisterschaft-Endrunde in Afrika in der hundertjährigen Geschichte der FIFA und die damit verbundene globale mediale Aufmerksamkeit für den afrikanischen Fußball ist eine historische Chance, überkommene (post-)koloniale Sichtweisen zu hinterfragen und neue Diskurse abseits Paternalismus und Rassismus zu ermöglichen. Es bleibt offen, ob diese Chance auch genutzt wird.

Literaturliste

Back, Les/Crabbe, Tim/Solomos, John (2001), The changing face of football. Racism, Identity and Multiculture in the English game, Oxford/New York: Berg.

Bale, John (2004), „Three Geographies of African Footballer Migration: Patterns, Problems and Postcoloniality“, in: Gary Armstrong, Richard Giulianotti (Hg.), Football in Africa: Conflict, Conciliation and Community, Houndmills: Palgrave Macmillan, S. 229-246.

BBC Sport (2010) Hull boss Phil Brown criticised for World Cup comments.

[http://news.bbc.co.uk/sport2/hi/football/africa/8450088.stm (12. Jänner 2010)]

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Endnoten

 

[1] Der Artikel basiert zum Teil auf früheren Beiträgen des Autos, insbesondere Wachter (2006) und Wachter (2002).

[2] Anlässlich der WM in Südafrika wurde in Österreich die Initiative Ke Nako Afrika ins Leben gerufen. Die entwicklungspolitische NGO VIDC gemeinsam mit der Austrian Development Agency (ADA) und der Afrika-Vernetzungsplattform wollen mit Ke Nako (www.kenako.at) ein vielfältigeres und positiveres Image von Afrika in Öffentlichkeit kommunizieren, ohne dabei die offensichtlichen Miseren zu verschweigen.

[3] Tabo Mbeki im November 2007 bei der Präsentation des offiziellen WM-Slogans „Ke Nako“ in Durban

http://www.fifa.com/worldcup/news/newsid=646305.html

[4] Uli Hoeneß machte die Aussage am Rande der Verleihung des Goldenen

Ehrenrings der Stadt München am 25. Januar 2010. Online: http://www.welt.de/sport/fussball/article5997806/WM-in-Suedafrika-ist-fuer-Uli-Hoeness-ein-Fehler.html

[5] Vgl. den Online-Bericht in „The Star vom 9. 1. 2010.   http://www.thestar.co.za/index.php?fSectionId=496&fArticleId=nw20100109151705540C591780

[6] Dietmar Constantini im Rahmen der Diskussionsveranstaltung „Fans vom anderen Ufer“ am 23.5. 2006 im Wiener Rathaus.

[7] „My Pumas“ Werbespot (2003) mit Samuel Eto'o [ http://www.youtube.com/watch?v=snH6J3LXyT8 ]

[8] Puma-Werbespot „ Les Lions Indomitables“ [ http://www.youtube.com/watch?v=6DibASNj7-g ]

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fußball, weltmeisterschaft 2010; südafrika; postkolonialismus