Neue Medien

3/2017 - Medien und Flucht – Medienpädagogische Perspektiven

Rezension: Tablets in Schule und Unterricht: Forschungsmethoden und -perspektiven zum Einsatz digitaler Medien

von Jasmin Bastian und Stefan Aufenanger (Hg.)

AutorIn: Daniel Nagler

Daniel Nagler stellt den LeserInnen der MEDIENIMPULSE eine sehr wichtige aktuelle Publikation zur konkreten Umsetzung der Tablet-Nutzung in unseren Schulklassen vor und fasst damit auch den diesbezüglichen Forschungsstand knapp zusammen ...

Verlag: Springer VS
Erscheinungsort: Wiesbaden
Erscheinungsjahr: 2017
ISBN: 978-3-658-13808-0


Cover: Tablets in Schule und Unterricht
von Jasmin Bastian und Stefan Aufenanger
Quelle: Amazon

Nachdem mit der Einführung der Tablet-Technologie eine neue Art der medialen Auseinandersetzung auf den Markt gekommen ist, ergaben sich auch im Bereich des Lehrens und Lernens neue Möglichkeiten. Durch diese neuartige Handhabe, Technik und Wissen zu kombinieren, wurden einmal mehr die pädagogischen Nutzungsmöglichkeiten, wie es zu einer sinnvollen Erweiterung des Unterrichts durch digitale Medien kommen kann, diskutiert. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Tablets als Geräte bereits vorher existierten, sich jedoch erst durch die Einführungen neuartiger Gerätschaften im Bildungsbereich auf eine Art und Weise durchsetzen konnten, wie es vorher nicht denkbar war. Es entstanden spezifische Fragen sowie divergierende Gedanken und Meinungen zur Nutzung von Tablets und die darin vorzufindenden "Apps". Mit den ersten Integrationsversuchen und Einführungen von Tablets an Schulen, kamen – ähnlich wie zuvor bereits bei andern neuen Medien – auch kritische Stimmen bezüglich deren Nutzung und Verwendungsmöglichkeiten auf. Folglich wurden wissenschaftliche Studien und Forschungen in diesem Themenbereich immer wichtiger. Der vorliegende Sammelband zeigt einige interessante Beispiele der letzten Jahre wie das "Paducation-Projekt in Hamburg (Autorengruppe Paducation 2015)" oder auch das umfangreiche Tablet-Projekt in der Schweiz (Prasse et al. 2016), bei welchem – initiiert durch Samsung – Schulklassen eins zu eins mit Tabletts ausgestattet wurden. Im Rahmen der Begleitforschung konnten Erkenntnisse sowohl zur digitalen Bildung als auch zum Umgang von Lehrenden mit digitalen Geräten gewonnen werden.

Im Buch von Stefan Aufenanger und Jasmin Bastian, "Tablets in Schule und Unterricht: Forschungsmethoden und -perspektiven zum Einsatz digitaler Medien" beleuchten AutorInnen Forschungsaspekte und Praxisbeispiele zum Themenfeld Nutzung von Tablets in Schule und Unterricht.Auf allgemeinster Ebene teilt sich das Buch in drei Bereiche: Theoretisch-methodologische Aspekte der Tabletforschung, Schulische Aspekte der Tabletforschung sowie Fachdidaktische Aspekte der Tabletforschung. Je nach Interessenslage können diese unabhängig voneinander gelesen werden. Der erste Teil behandelt die methodisch-methodologischen Aspekte der Tablet-Forschung, welche z. B. durch empirische Studien von Isa Jahnke und ihrer Untersuchung zu Tablets im Schulunterricht in Skandinavien fundiert werden. Zentrale Frage dabei ist, auf welche Weise Lehrende Tablets in ihren Unterricht integrieren können. Neben weiteren interessanten und tiefgreifenden Aspekten und Projektbeispielen wird im zweiten Teil der Auseinandersetzung ein schulbezogener Blick auf die Tablet-Forschung gerichtet. Hierbei diskutieren die AutorInnen sowohl nationale als auch internationale Projekte. Unter anderem bieten die Beiträge Informationen hinsichtlich einer sinnvollen Einführung und Handhabung von Tablets sowie entsprechende Kompetenz die durch das eigenständige Auseinandersetzen mit solchen digitalen Endgeräten entwickelt werden kann.

Ferner wird diskutiert, ob ein "Bring Your Own Device"-Prinzip sinnvoller ist als die Anschaffung von Tablets durch Schulen. Rudolf Kammerl beleuchtet in seinem Beitrag "Bildungstechnologische Innovation, mediendidaktische Integration und/oder neue persönliche Lernumgebung?" unter anderem die auch in der Praxis häufig gestellte Frage nach dem "Ablenkungspotenzial" von Tablets. Beispielsweise ob die Entwicklung einer "selbstbestimmten und selbstkontrollierten Handlungsfähigkeit" in Verbindung zu Medien durch die Adoleszenten selbst, die Schule oder aber durch das Elternhaus entwickelt wird bzw. werden soll. Im dritten und letzten Abschnitt des Buches (Fachdidaktische Aspekte der Tabletforschung) folgen fachspezifische Aspekte zur Forschung an der Nutzung von Tablets im Unterricht. Hier wird die Tablet-Nutzung im Fachbereich Mathematik oder im anwendungsorientierten Physikunterricht beleuchtet. Hierbei wird nicht nur der Einsatz von Tablets, sondern auch jener von Smartphones vorgestellt.

Aus meiner Sicht bietet das Buch viele interessante, wissenschaftlich-fintierte Aspekte für LeserInnen sowohl aus der Praxis als auch aus der Wissenschaft. Dank der evidenzbasierten Auseinandersetzungen mit dem Thema "Nutzung von digitalen Endgeräten" hat dieses Buch das Potential, den aktuellen Diskurs, der an vielen Schulen geführt wird, wesentlich zu befördern. Vor allem jenen, die noch unschlüssig bezüglich der Nutzung und Einführung von Tablets an ihrer Schule sind, bieten die vorgestellten Praxisbeispiele hilfreiche Einblicke. Zusätzlich werden viele themenrelevante Fragen beantwortet, die über die Jahre im Bereich der Medienpädagogik immer wieder aufgekommen sind. Die Lektüre des Buches kann helfen sowohl eine schul-strukturelle als auch eine pädagogische Umsetzung der Tabletnutzung gelingen zu lassen.

Daniel Nagler
Erziehungswissenschaftler – Medienpädagoge
E-Learning und Medienbildung (M.A.) – Pädagogische Hochschule Heidelberg

Tags

tablets, unterrichtspraxis, forschungsmethoden