Praxis

1/2017 - Tätigkeitsfelder schulischer MedienpädagogInnen

"Medienbildung JETZT!" erst recht

Barcamp in Salzburg und Erhebung zum medienpädagogischen Angebot

AutorIn: Christoph Kaindel

Eine Online-Erhebung bereitet die Verbandsgründung der Initiative "Medienbildung JETZT!" auf dem heurigen Barcamp des Instituts für Medienbildung in Salzburg vor. Über beides, Barcamp und Erhebung, informiert Christoph Kaindel in diesem Artikel ...

Zum sechsten Mal lädt die Initiative Medienbildung JETZT! zu einem Barcamp ein, in diesem Jahr organisiert durch das Institut für Medienbildung Salzburg. Das IMb ist schon seit 1956 Teil der medienpädagogischen Landschaft in Österreich. Daher erscheint es recht passend, der Host des diesjährigen Barcamps zu sein. Denn das Motto in diesem Jahr lautet: "Medienpädagog*innen aller Länder vereinigt euch!" Ein fixer Programmpunkt wird die Gründung eines medienpädagogischen Fachverbandes für ganz Österreich sein, der Vereine, Schulen, Universitäten und andere Einrichtungen ebenso wie medienpädagogische "Einzelkämpfer*innen" unterstützen, vernetzen und mit Informationen versorgen soll.

Am 18. und 19. April gibt es also Gelegenheit, um spannende Projekte kennen zu lernen, interessante Inputs zu hören, Neues auszuprobieren, vertiefende Gespräche zu führen, sich mit eigenen Themen und Anliegen einzubringen und sich mit anderen Menschen, die im Bereich Medienbildung/Medienpädagogik arbeiten, zu vernetzen. Sessionvorschläge können vor der Veranstaltung online oder auch vor Ort eingebracht werden. Mehr Informationen zur Gründung und zu verschiedenen Aktivitäten der Initiative Medienbildung JETZT! finden Sie in einem weiteren Artikel "Initiative Medienbildung JETZT! von Christoph Kaindel.

Programm und Anmeldung sind hier zu finden: https://barcamptools.eu/mbjetzt_barcamp

Ein weiterer Fixpunkt des Barcamps wird die Präsentation der Ergebnisse der laufenden Online-Umfrage zum medienpädagogischen Angebot in Österreich sein, deren Ergebnisse die Basis für die Arbeit des Verbandes liefern sollen. Die Teilnahme ist noch bis zum 31. März möglich. Einige ausgewählte Zwischenergebnisse habe ich unten zusammengefasst; es wird sich sicher noch einiges ändern, da es in den nächsten Tagen noch ein paar größere Aussendungen geben wird. Alle Leser*innen der Medienimpulse lade ich herzlich ein, sich – falls noch nicht geschehen – zu beteiligen!

Zwischenergebnisse

Am 14. März habe ich einen Zwischenstand abgefragt, auf dem die folgenden Daten beruhen. Zu diesem Zeitpunkt gab es 260 Antworten, davon 139 vollständig. Ich habe mir hier nur die vollständigen angesehen, wie viele der unvollständigen brauchbar sind, werde ich erst nach Ende der Erhebung untersuchen. Die Prozentangaben sind gerundet.

95 Personen (68 %) haben als Einzelpersonen geantwortet, 44 (32%) im Namen einer Institution bzw. Organisation. Knapp über 50 % der Einzelpersonen sind in Wien tätig, gefolgt von 25 % in Niederösterreich und 11 % in Oberösterreich; Mehrfachnennungen waren hier möglich. Acht Personen sind in ganz Österreich tätig. Bei den Institutionen ergibt sich ein etwas anderes Bild. Zwar sind auch hier die meisten (17) in Wien tätig, 13 jedoch in ganz Österreich.

Unter den Einzelpersonen arbeiten die meisten in Schulen (73 %), gefolgt von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen (20 %) und Vereinen (15 %). Die Organisationen sind in der Mehrzahl Vereine (34 %), mit großem Abstand gefolgt von Informations- bzw. Beratungseinrichtungen (16 %) und Schulen sowie Universitäten/Forschungseinrichtungen (je 9 %).

Wenn wir uns das Angebot der Einrichtungen und Einzelpersonen ansehen (Mehrfachnennungen möglich), steht die Förderung der kritischen Auseinandersetzung mit Medien und Medieninhalten mit 88 % an der Spitze, gefolgt von praktisch-kreativer Medienarbeit mit 72% und Angeboten zu konkreten Problemstellungen im Zusammenhang mit Mediennutzung mit 50 %. Am häufigsten nutzen die Medienpädagog*innen das Medium Film in ihrer Arbeit (72%), ganz knapp gefolgt von sozialen Medien bzw. Online-Publikation (71%). Dahinter folgen Text/Zeitung/Druck mit 54 %. 44 % beschäftigen sich mit Games. Bei den meisten Angeboten handelt es sich um zeitlich begrenzte Bildungsangebote, also Workshops oder Vorträge (68 %), Medienerziehung im Unterricht (59 %) und Beratung (31 %). Die am häufigsten genannte Zielgruppe sind Jugendliche ab 15 Jahren (75 %), danach Jugendliche von 11–14 Jahren (60 %). An Kinder im Vorschulalter sind die wenigsten Angebote gerichtet. 24 Personen und Einrichtungen wenden sich auch an bestimmte Zielgruppen, darunter vorwiegend an Migrant*innen, sozial benachteiligte Jugendliche und Menschen mit Behinderung.

Besonders interessant für die Vorbereitung der Verbandsgründung sind die Wünsche der Umfrageteilnehmer*innen an den Verband. Es wurde hier gefragt, welche der geplanten Angebote für die Teilnehmer*innen am wichtigsten sind, Mehrfachnennungen waren möglich. Vom Verband wünschen sich 75% der Teilnehmer*innen Informationen zu bestehenden medienpädagogischen Angeboten, 61 % Vorträge und andere Fortbildungsangebote; danach folgen mit je 58% die Vernetzung der in der Medienbildung Tätigen und die Rolle als Ansprechpartner zum Thema Medienbildung. Eine Interessensvertretung der Medienpädagog*innen ist nur für 43% der Befragten eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes.

Die offene Frage "Durch welche weiteren konkreten Maßnahmen könnten Sie bei der Umsetzung und Weiterentwicklung Ihres medienpädagogischen Angebotes unterstützt werden?" wurde von 61 Personen (44 %) beantwortet. Die Bedürfnisse sind hier sehr vielfältig; am häufigsten wird der Wunsch nach besserer Vernetzung geäußert. Ebenfalls häufig genannt werden bessere Finanzierung, technische Unterstützung, eine größere Auswahl an Unterrichtsmaterialien (am besten unter freier Lizenz) und mehr Fortbildungsmöglichkeiten. Ein ähnliches Bild bieten die Antworten auf die Frage, was allgemein in Österreich getan werden müsse, um das medienpädagogische Angebot zu sichern und zu verbessern. Hier wird vor allem ein verpflichtendes Schulfach gefordert, und wieder eine bessere Finanzierung, bessere technische Ausstattung, mehr Fortbildung und frei verfügbare und nutzbare Unterrichtsmaterialien. In einem Kommentar wird angeregt, zu untersuchen, wie es um die "medienpädagogische Grundversorgung" tatsächlich bestellt ist – ob sie nicht etwa besser ist als die Pessimist*innen unter uns vermuten. Diese Erhebung soll einen kleinen Beitrag leisten, diese Informationslücke zu schließen.

Die letzte Frage "Möchten Sie uns noch etwas mitteilen?" wurde von 25 Personen beantwortet, zum Teil mit sehr erfreulichen guten Wünschen für den Verband, zum Teil mit ganz konkreten Anliegen und Hinweisen, mit denen sich der Verband gleich auseinandersetzen sollte. Es wird einiges zu tun geben …

Die detaillierten Ergebnisse der Erhebung werden – anonymisiert – ab Mitte April auf www.medienbildungjetzt.at veröffentlicht.

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medienbildung, umfrage