Editorial

4/2016 - Macht, Souveränität, Herrschaft

Editorial 4/2016 Macht, Souveränität, Herrschaft

AutorInnen: Alessandro Barberi / Christian Swertz

Editorial 4/2016

Medienpädagogik wird häufig auf Vorstellungen einer souveränen oder emanzipierten Person bezogen, die sich insbesondere gegenüber bestehenden Macht- und Herrschaftsstrukturen behaupten und diese kritisch reflektieren kann. Dabei steht die Machtausübung mittels Medien – nicht zuletzt mittels Massenmedien – oft im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, welche Rolle Medien im Kontext von Macht, Souveränität und Herrschaft spielen. Deshalb hat sich die Redaktion der MEDIENIMPULSE entschieden, diesem Problemkreis eine eigene Schwerpunktausgabe zu widmen.

Einen Background zu den medienpädagogischen Debatten bildet die Tatsache, dass mit bestimmten politischen Herrschaftsformen wie Monarchie, Demokratie, Republik oder Plutokratie auch unterschiedliche Verteilungen von Macht einhergehen, sei es, dass mit unterschiedlichen politischen Ideologien wie Faschismus, Sozialismus, Liberalismus oder Konservatismus auch unterschiedliche Vorstellungen von Souveränität mitschwingen oder sei es, dass Emanzipation und Befreiung – gerade im Unterricht – nur in Distanz zur Herrschaft gedacht und umgesetzt werden können. Dabei ist es auch entscheidend zu bestimmen, welche Rolle Medien und Journalismus im Machtgefüge des Staates spielen und wie repressive Staatsfunktionen systemkritische Publizität durch Zensurmechanismen behindern. Die medienpädagogische Theoriebildung und insbesondere die Überlegungen zu Medienkritik, Medienkompetenz und Medienbildung können in diesem Sinne direkt verlängert werden.

So sind etwa die Debatten zum Poststrukturalismus nicht zuletzt ob Foucaults und Deleuzes Unterscheidung zwischen Souveränitäts-, Disziplinar- und Kontrollgesellschaften zutiefst mit einer gleichsam "neutralen" Machttheorie verbunden, die eine gegebene Gesellschaft und Kultur als Kräfteverhältnis konzipiert, in dem Herrschaft und Widerstand gegen sie gleichermaßen in die Dispositive der Macht eingespannt sind. Parallel dazu hat die Kritische Theorie der Frankfurter Schule in Marxscher Tradition den Gegensatz von Herrschaft und Befreiung im Sinne einer "Kritik der Macht" (Axel Honneth) immer auf Emanzipation bezogen und mithin den demokratiepolitischen Versuch unternommen, zu bestimmen was (in der Moderne und seit der französischen Revolution) genau unter Freiheit zu verstehen ist.

Insofern steht auch im Raum, wie man theoretisch und praktisch zwischen Macht und Autorität, Souveränität und Zwang bzw. Herrschaft oder Gewalt unterscheiden und wie sich eine Kritik von Macht, Souveränität und Herrschaft auch aktuell legitimieren kann. In diesem Zusammenhang ist auch nachdrücklich auf den postkolonialen Bildungsdiskurs zu verweisen: So steht bell hooks "Teaching to transgress" ebenso zur Debatte wie Gayatri Chakravorty Spivaks "Inside out of the teaching machine" und Jacques Rancières "Unwissender Lehrmeister". Diese Diskussionen sind im Rahmen der Medienpädagogik sowohl angesichts der konkreten Unterrichtspraxis in den Schulklassen als auch in der wissenschaftlichen Reflexion dieser Praxis von geraumer Bedeutung.

Dabei soll im Rahmen dieser Schwerpunktausgabe diskutiert werden wie Macht, Souveränität und Herrschaft zu begreifen und voneinander zu unterscheiden sind, um dabei sowohl direkte Bezüge zur Medienpädagogik als auch zur Rolle der Medien hinsichtlich der Macht zu diskutieren. Denn das didaktische Verhältnis von Lehrenden und Lernenden ist genauso mit diesem Problemkreis verbunden, wie die Frage nach der gesellschaftlichen und kulturellen Position einer kritischen Medienpädagogik in der Wissens- und Informationsgesellschaft des Spätkapitalismus.

So lehnte schon Johann Amos Comenius jede Form von Zwang und Herrschaftsausübung im Unterricht ab, so sozialisierte Nadeschda Krupskaja in Russland die Machtverhältnisse in der Schulklasse und betonte Mut, Zivilcourage und Eigeninitiative und so gab Maria Montessori mit ihrem Konzept des "offenen Unterrichts" den Kindern (und im Übrigen auch den "Wahnsinnigen") ihre Souveränität zurück. Nicht zuletzt hat Dieter Baacke schon früh die Mitbestimmung in der Schule und damit eine didaktische Demokratisierung der Macht-, Souveränitäts- und Herrschaftsverhältnisse in der Schule gefordert. Ausgehend von diesen Vorläufern – man denke auch an die Debatten zur antiautoritären Erziehung im Anschluss an das Jahr 1968 – sind auch die derzeitigen Debatten zur Partizipation und zur Selbstermächtigung von SchülerInnen mit der Frage nach Macht, Souveränität und Herrschaft zutiefst verbunden.

Die Redaktion der MEDIENIMPULSE hat daher im Vorfeld dieser Ausgabe folgende Fragestellungen zur Orientierung für mögliche Beiträge vorgeschlagen:

  • Wie lassen sich die Begriffe Macht, Souveränität und Herrschaft aus Sicht der Medienpädagogik voneinander abgrenzen?
  • Welche Rolle spielen Medien im Kontext von Macht, Souveränität und Herrschaft?
  • Wie geht ein repressiver Staat mit systemkritischen PublizistInnen um?
  • Wie wurden in der bisherigen Wissenschaftsgeschichte – etwa im Poststrukturalismus – Macht, Herrschaft und Souveränität konzipiert?
  • Wie lässt sich das Machtgefälle zwischen Lehrenden und Lernenden sozial-, kultur- und medienwissenschaftlich beschreiben und politisch im Sinne der Partizipation, Mitbestimmung und Selbstermächtigung von SchülerInnen demokratisieren?
  • Welche Rolle spielt die Medienpädagogik im Verhältnis zu heutigen Macht- und Herrschaftsformen bzw. Souveränitäten im digital-kybernetischen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts?

Ganz in diesem Sinne hat Wolfgang Neurath mit seinem Beitrag den gelungenen Versuch unternommen, die Machtanalysen Michel Foucaults zu rekapitulieren. Dieser Beitrag aktualisiert im Blick auf die Überlappungen von Macht, Souveränität und Herrschaft die Foucaultsche Gesellschaftstheorie, die einer sozialen Morphologie entspricht, in der es immer um Kräfteverhältnisse in einem gegebenen sozialen oder medialen Feld geht. Neurath betont dabei die Aktualität von Forschungen, die sich machtkritisch an den Dispositivbegriff anlehnen. Was ein Dispositiv ist, wird im Rekurs auf Deleuze und Agamben eingehend vor Augen geführt, um in der Figur der "schizophrenen Flucht" ein entscheidendes Moment der französischen Debatten auszumachen. Dabei ist der Panoptismus Jeremy Benthams nach wie vor ein bemerkenswertes Modell, um historisch die innere Funktionsweise von Disziplinargesellschaften zu begreifen, die sich zu Kontrollgesellschaften gewandelt haben. Ein Umstand, der auch die Geschichte von Schule, Kolleg oder Universität stark betrifft. Der Homo digitalis befindet sich – auch und gerade in unseren Schulklassen – angesichts von Big Data im Semiokapitalismus des 21. Jahrhunderts in einem System wechselseitiger Kontrolle, dem er sich lückenlos unterwerfen soll. Dem setzt sich nach wie vor die Figur der widerständigen Subjektivierung entgegen, wie sie Foucault in seinem Spätwerk entworfen hat. Auf allgemeinster Ebene hebt dieser Artikel hervor, dass wir auch heute noch ein politisches Souveränitätsmodell vor Augen haben, dass der antiken Arena im Sinne einer politischen Heterotopie entspricht, in der es im Krieg um das nackte Überleben geht. Zusammenfassend wird Foucaults Kriegsparadigma über Michel de Certeaus Modellierung von Strategie und Taktik auf die Figur des Bürgerkriegs bezogen, um insgesamt zu betonen, dass dort wo Macht ist, immer auch Widerstand möglich ist. Diese Diagnose bezieht sich auf unterschiedlichste Räume ist aber in unserem Zusammenhang dort von Interesse, wo es um Machtverhältnisse im didaktischen Raum geht.

Diesen Raum analysiert Ursula Dopllinger eingehend, wenn sie betont, dass das Schulsystem ein fruchtbarer Nährboden für Macht im Positiven wie im Negativen ist. Sie untersucht Macht, Herrschaft und Gewalt im Kontext schulischer Reformen, um sie mit Michel Foucault und Norbert Elias zu analysieren. Sie fasst Macht mithin als eine konkrete Größe, in der Souveränität buchstäblich auf dem Spiel steht. Dabei ist es ihr insbesondere darum zu tun Macht-, Herrschafts- und Souveränitätskonstellationen im Sinne Foucaults nicht nur negativ zu begreifen: Denn Macht ist dementgegen eben immer auch produktiv, ob im Sinne der Herrschaft oder im Sinne des Widerstands. Gewalt tritt dabei von der soziologischen Mikroebene bis hin zur Makroebene auf, je nachdem, ob es um Gewalt zwischen Eheleuten, im Schulsystem oder zwischen Nationen geht. Im extremsten Fall handelt es sich um einen Krieg im Sinne des Bürgerkriegs. Dabei gehen Konflikte, gewaltsame Handlungen, Aggressivität und Aggression oft ineinander über. Dies ist angesichts der systemischen Entwicklungen im System Schule dann besonders deutlich, wenn etwa die Einführung der Vermittlung von Medienkompetenz diskutiert wird. Denn im System Schule sind immer auch die Motivationssysteme entscheidend, die für eine Schulentwicklung genauso wie für Reformen notwendig sind und eine stabile Machtbalance benötigen. Dabei ist angesichts der Komplexität derartiger Prozesse nach Dopplinger vor allem auf drei Aspekte zu achten: erstens der Innovationsaspekt, zweitens das Streben nach Komplexitätsreduktion und drittens das Klassenlehrersystem. Das didaktische Ziel der Autorin ist es, angesichts dieser Konstellation die Schulentwicklung im Blick auf digitale Medienkompetenz besser zu verstehen und einen Erklärungsansatz zu entwickeln, der die Gefahren, Probleme und auch Notwendigkeiten aufzeigt, denen Veränderungen in der Schule und mithin im didaktischen Raum prinzipiell unterworfen sind.

Das dieser didaktische Raum auch historisch immer schon von den Kräfteverhältnissen der Macht durchzogen war, diskutieren Bernhard Lasser und Christian Treinen aus medienpädagogischer Sicht, wenn sie die Machtverhältnisse in den Darstellungen der Religionen im Orbis sensualium pictus des Comenius untersuchen. Anhand der Religionsdarstellungen betonen sie dabei, dass Macht, Souveränität und Herrschaft auch heute noch das Verhältnis von Lehrenden und Lernenden durchziehen. So war Johann Amos Comenius (1592–1670) als Bischof der Böhmischen Brüderunität und als einer der wichtigsten Pädagogen des 17. Jahrhunderts vor allem durch sein Studium an der calvinistischen Akademie in Herborn geprägt, wobei sozialgeschichtlich sein Weg von den Glaubenskriegen, der Verfolgung und der Zerstörung Europas gezeichnet war. In diesem Kontext betont Comenius: "Ruditatis antidotum eruditio est […]." In der ersten Ausgabe von 1658 wird dieses Diktum folgendermaßen übersetzt: "Das Gegenmittel zur Unwissenheit ist der Unterricht […]". Wissensgeschichtlich begreift Comenius in der Folge Erziehung in ihrem Verhältnis zur Rohheit der Welt, die bekämpft werden muss, um diese zu verbessern. Ganz in diesem Sinne – und parallel zu den historischen Diagnosen Foucaults in Die Ordnung der Dinge (fr. Les Mots et les Choses) – hat Comenius im Orbis sensualium Pictus die Welt einer Zeichenordnung unterstellt, in der systematisch die Worte und die Dinge in ein didaktisches Verhältnis gesetzt werden. Diese Ordnung der Dinge ist gleichzeitig von einer Hierarchie der großen Weltreligionen gekennzeichnet, welche die Autoren minutiös herausarbeiten. Das Christen- und Judentum werden dabei weitgehend als etwas Gutes beschrieben, das Heidentum sowie der Islam indes als Glaube an ein verzerrtes Göttliches. Es wird mithin bei Comenius ein kategorisiertes Machtgefälle zwischen den verschiedenen Religionen a la lettre les- und sichtbar, das deutlich macht, wie das eurozentrische Weltbild schon im 17. Jahrhundert mit Macht, Souveränität und Herrschaft verbunden war.

In seinem ebenfalls von historischen Diagnosen ausgehenden Beitrag zeichnet Christian Zolles dann die "Globalisierung des Himmels seit 1783" nach und versucht anhand der Entwicklungen in der Luftfahrt ebenfalls die Problembereiche Macht, Souveränität und Herrschaft zu umreißen. So zeigen die frühen Ballonflüge die Grenzen absolutistischer Repräsentationsmacht auf und spiegeln sowohl das neue erhabene Raumbewusstsein als auch den revolutionären Freiheitsdrang des Bürgertums. Insofern geht es in der Aeronautik des späten 18. Jahrhunderts um die Repräsentationsgeschichte der königlichen und aristokratischen Souveränität, die sich etwa über Jean-Jacques Rouseau und die Jakobiner in der französischen Revolution zur Volkssouveränität transformiert. Streng genommen bleibt auch angesichts der Geschichte der Luftfahrt die Stelle des Königs indes im 19. und 20. Jahrhundert leer und wird von verschiedenen Kollektivsubjekten eigenommen. So setzt sich mit diesem demokratischen Perspektivenwechsel u. a. die politische Imagination des charismatischen "großen Mannes" durch, der von oben herab die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Bevölkerungsmenge aufheben und dennoch volkssouveräne Tatkraft verkörpern kann. Demgegenüber kann Zolles zeigen, dass der medienkritische Blick des "kleinen Mannes" mit Jean Pauls Luftschifffahrer Giannozzo als Archetyp von unten her nach oben blickt. Ausgehend von Dieter Baackes germanistischer Studie Vehikel und Narrenschiff der Seele zu Jean Paul gelingt es Zolles Literaturgeschichte mit der Grundlegung einer Mediendidaktik zu verbinden, wenn er betont, dass Medienpädagogik im Sinne Baackes immer eine Didaktik der Kommunikation und ihrer Medien sein muss. Dabei ist ausgehend von der modernen Sprachproblematik der pragmatische Anteil jeder Medienhandlung (Medienkompetenz) in den Vordergrund gerückt, der nicht an einer kommunikativen Norm, sondern an einem kommunikativen und mithin kreativen Potenzial orientiert ist. Diesen Aspekt hat schließlich Norbert Meder mit der in die Medienpädagogik eingeführten Figur des Sprachspielers stark gemacht, wie Zolles nachdrücklich hervorhebt.

Ann-Kathrin Stoltenhoff und Kerstin Raudonat unterbreiten dann aus der Perspektive des Poststrukturalismus im Rekurs auf die Performanztheorie Judith Butlers und die Machtanalytik Foucaults konkrete Vorschläge für eine gendersensible medienpädagogische Praxis, die dazu beiträgt, Subjekte in die Lage zu versetzen, gesellschaftliche Verhältnisse, Machtstrukturen und Kategorien zu hinterfragen. Denn geschlechtsspezifische Subjektivierungs- und Habituierungsprozesse – im Sinne Bourdieus – sind als praxeologische Bildungsprozesse immer mit dem Raum von Macht, Souveränität und Herrschaft verbunden und also auch grundlegend auf Fragen der Emanzipation bezogen. So ist Gendersensibilität seit einigen Jahren zu einem beliebten Schlagwort avanciert, das von verschiedenen Disziplinen mehr oder weniger informiert aufgenommen wurde. Stoltenhoff und Raudonat thematisieren deshalb, wie es um die Genderkompetenz medienpädagogischer Wissenschaft und Praxis bestellt ist, um Möglichkeiten der Dekonstruktion heteronormativer Logiken im medienpädagogischen Feld aufzuzeigen. Im Hinblick auf Mechanismen und Praktiken der (Re)Konstruktion von Geschlechterdifferenz, die Macht- und Herrschaftsstrukturen (re)produzieren, werden die Beziehungen zwischen Medien und (medien)handelnden Subjekten sowie auch die Konstruktion medialer Diskurse am Beispiel des Phänomens #Gamergate betrachtet, um solche Lesarten und Praktiken im Umgang mit Medien sowie innerhalb der Medienpädagogik kritisch zu hinterfragen. Wenn Medienbildung sich selbst als macht- und gesellschaftskritisch und dem demokratischen Ideal der Teilhabe verpflichtet sieht, muss sie solcherart hergestellte, systemimmanente Prozesse berücksichtigen. Um entsprechende Ansprüche im Kontext emanzipatorischer Bildungsideale und (medien)pädagogischer Praxis einlösen zu können, muss gerade Gendersensibilität aus der Perspektive der Medienpädagogik als ein basaler Bestandteil kritischer Medienbildung gefasst werden.

Herbert Gnauer fragt dann in seinem für MedienpädagogInnen höchst informativen Beitrag nach der Rolle und Funktion von Überwachung in unseren modernen Gesellschaften, da kaum ein anderes Thema gegenwärtig so mit Macht, Souveränität und Herrschaft verknüpft ist wie der "gläserne Mensch" (man denke nur an Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden). Dabei thematisiert Gnauer kursorisch den Ausnahmezustand in Frankreich, die Vorratsdatenspeicherung in vielen Ländern der EU und auch die nach wie vor laufende Rasterfahndung, um die empfindlichen Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten zu diskutieren wie sie in Amerika mit dem USA PATRIOT Act in Gang gesetzt wurden. Damit folgt er der Einsicht, dass das Ausmaß der staatlichen Eingriffe in unsere Privatsphäre und in die informationelle Selbstbestimmung sich nur durch die Betrachtung der Summe aller Eingriffe richtig erfassen lässt, wie das von einem juristischen ExpertInnenteam und einigen AktivistInnen der AKVorrat erstellte "Handbuch zur Evaluation von Anti-Terror-Gesetzen" (HEAT) eröffnend betont. HEAT versteht sich dabei als Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer offenen Zivilgesellschaft im digitalen Zeitalter und wirft mithin auch Fragen zum "Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0" auf. Das Handbuch ist nicht zuletzt deshalb für MedienpädagogInnen ein äußerst nützliches Tool um Fragen der Überwachung und Kontrolle in der Wissens- und Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts – etwa im Umfeld von Big Data – zu diskutieren. Dabei hebt der Autor auch hervor, dass das aktuelle Sicherheitsdispositiv die massenpsychologische Wirkung von Chilling Effects mit sich bringt, da schon die Angst vor Bestrafung widerständigen Medienaktivismus lähmen soll. So wirkt das Überwachungsdispositiv im Sinne Foucaults durchaus "mikrophysikalisch" und effektuiert manipulatorisch geistige Veränderungen: Denn das Bewusstsein überwacht zu werden, führt unwillkürlich zu angepasstem Verhalten bis hin zur Selbstzensur.

Ganz in diesem Sinne berichtet auch Dorota Krzywicka-Kaindel von ihrer eigenen Sozialisation in Polen und den Zensurmechanismen der polnischen Medienlandschaft. Dabei arbeitet sie kompetent die Kontinuitäten heraus, die von der Medienkontrolle der kommunistischen Machthaber Polens bis zur heutigen PiS-Regierung reichen. Im Sinne eines biografischen und selbstreflexiven Berichts rekonstruiert die Autorin so die Medienlandschaft Polens und die (rechtskonservative) Rolle der Kirche, indem sie einen Überblick zu polnischen Zeitungen und weiteren Medien liefert. Dabei diskutiert sie verschiedene Formen des medialen Widerstands gegen die genannten Kontinuitäten. So entsteht auf einfachster Ebene ein interessantes zeitgeschichtliches Bild des derzeitigen Polen, wenn z. B. analysiert wird, welche Rolle die sozialen Medien spielten, als die PiS dazu überging im Netz Trolle für Hasspostings zu bezahlen. Die Erfahrungen aus der kommunistischen Zeit und mehr noch aus der Gegenwart bündeln sich so in der Erkenntnis, dass es nur ein Trug machtgieriger Despoten sein kann, man könne die Menschen flächendeckend zwingen, sich einer Propagandamaschine zu unterwerfen. Vielmehr haben Menschen in verschiedenen Regimen immer wieder subversive Wege gefunden, sich der Kontrolle und der Überwachung zu entziehen. Die titelgebende Paraphrase des Gesetzes cuius regio, eius religio verwandelt sich so im Zeitalter der Neuen Medien: Denn es ist nur das Wunschdenken der Regierenden und Herrschenden, dass Macht über die Medien auch wirkliche Macht darstellt. So genügt es keineswegs, die wichtigsten Medien zu kontrollieren, da die Menschen nicht gezwungen werden können, die ihnen aufoktroyierten Inhalte zu konsumieren oder zu glauben. Dies sei nicht einmal in den Zeiten des Kommunismus möglich gewesen, umso weniger in der heutigen Zeit der Medienvielfalt.

Parallel dazu analysiert Gerhard Ruiss, welche Schlüsselstellung den in Demokratien politisch unabhängigen Bereichen Wissenschaft, Kunst, Publizistik, Bildung und Recht und ihrem Zusammenwirken in der Gesellschaft sowie den Medien und Verlagen in der Türkei zukommt. Mit welchen Mitteln, Methoden und Auswirkungen können demokratische Strukturen in autoritäre Strukturen umgewandelt werden? Wie kommt es mithin zu einer entdemokratisierenden Ballung von Macht, Souveränität und Herrschaft? Die Antwort lässt sich geben, wenn man die Entwicklungen in der Türkei seit Mitte 2016 untersucht. Denn anhand von Berichten über Verhaftungen und Entlassungen in so gut wie allen Medien außerhalb der Türkei wird diskutiert, wie der Wandel vom demokratischen zum autoritären Staat in, mit und durch Medien vollzogen werden kann. Die für Machtverschiebungen der letzten Jahre entscheidenden Begleitumstände treffen dabei auch auf den "Arabischen Frühling", das Erstarken rechter Parteien und den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump zu. Bei der Machtübernahme in der Türkei haben, so Ruiss, soziale Netzwerke und digitale Medien indes nur aufseiten der Regierung eine wesentliche Rolle gespielt. Dieser Wandel sei nicht so spontan eingetreten, wie er sich als "Gegenputsch" zum "Putsch" darstellte. Vielmehr erweise sich bei genauerer Betrachtung ein von langer Hand vorbereiteter Umbau eines säkularen und demokratischen Staats zu einer religiösen Diktatur. Im Zuge dieser gegenaufklärerischen Entsäkularisierung wurden öffentliche Einrichtungen machtpolitisch angepasst und das öffentliche Leben neu ausgerichtet. Dies geschah nicht allein durch Repressionen, sondern auch durch politische Propaganda und mediale Inszenierungen. Dieser Prozess kann, so Ruiss abschließend, nicht von den allgemeinen und globalen Entwicklungen getrennt werden und steht z. B. im Kontext der autoritären Regierungen in Ungarn oder Polen oder den Glaubenskriegen in Syrien, Irak, Libyen und Jemen.

Aber auch die anderen Ressorts haben neben dem und parallel zum Schwerpunktthema Einiges zu bieten, das für MedienpädagogInnen nützlich ist:

So analysiert der Beitrag von Michael Markert und Kerrin Klinger im Ressort Forschung eine Materialitätsgeschichte der Didaktik, indem das epistemisches Ding "Apfel" genau untersucht wird. Damit soll eine interessante historische aber auch aktuelle Perspektive auf ein Lehrmittel vorgestellt werden. In das Umfeld einer Medienarchäologie eingelagert, wird der Gegenstandsbereich "Apfel" in seinen vielfältigen medialen Repräsentationen von den Buchabbildungen der Aufklärung bis zum heutigen Medienpaket als Geschichte der materiellen Kultur des naturkundlichen Unterrichts skizziert. Es geht dabei buchstäblich um eine Kulturgeschichte unserer "Anschauung", die an den jeweils eingesetzten und überlieferten Lehr-Dingen (als Artefakte) ihre materielle Grenze findet. So plädieren die AutorInnen dafür, Dinge auch im Blick der Medienpädagogik als materielle Träger von Bedeutung in spezifischen Gebrauchskontexten zu begreifen und zugleich die mit ihnen verbundenen Handlungen und Routinen – etwa in der Zerlegung eines Modells oder der Inszenierung eines Schulwandbildes – im Klassenraum zu untersuchen. Der Beitrag führt dabei auch visuell zu einer erstaunlichen Geschichte des Apfels als kulturelles Objekt, mit dem Lehrende und Lernende im Sinne der Praxeologie handeln.

Ganz auf dieser Linie arbeitet auch Tilman Bechthold-Hengelhaupt am Beispiel des Neumagener Schulreliefs (180 n. Chr.) eine aktualisierende Geschichte unserer Lehrmittel heraus und betont, dass unsere Unterrichtsmedien seit der Antike in einem Medienensemble verwendet wurden. Er plädiert dafür, unter diesem Begriff die Gesamtheit der für eine Unterrichtssituation zur Verfügung stehenden Medien zusammenzufassen. Dies erläutert der Autor u. a. anhand der Schriftrollen des Neumagener Schulreliefs. Die Kernthese seines Aufsatzes lautet, dass im medienpädagogischen Handeln und Kommunizieren Erfahrungen mit dinglich gegebenen Medien verarbeitet und dass dadurch Medienensembles konstruiert werden, also praktisch verfügbare Konfigurationen von Geräten und Gegenständen, unter denen die beteiligten Akteure handelnd eine Auswahl treffen können. Diese Konstellation lässt sich in der gesamten Mediengeschichte immer wieder aufweisen. Im Sinne einer transzendentalkritischen Medienpädagogik hält Bechthold-Hengelhaupt abschließend fest, dass die Medienensembles, in denen sich Lehrende und Lernende heute bewegen, sich am besten verstehen lassen, wenn der Beschreibung ein medienpädagogisches Konzept zugrunde gelegt wird, das in Anlehnung an die transzendentale Ästhetik Immanuel Kants sinnliche Wahrnehmung und vom Verstandesvermögen geleitete Konstruktion als zwei Stämme der Erkenntnis ansetzt.

Sind Jugendliche an der Politik interessiert? Diese Frage versuchen Yvonne Herzig Gainsford, Amina Ovcina Cajacob und Matthias Künzler mit ihrem Forschungsbeitrag zu beantworten, wenn sie eingehend vom interdisziplinären Projekt Scoop-it 2.0 berichten. Ziel dieses in der Schweiz angesiedelten Projekts war es, eine Online-Plattform zu bauen, die die partizipativen Möglichkeiten der Neuen Medien nutzt, um Mitbestimmung in der Schule zu realisieren. So konnte mit mehreren Projektschritten gezeigt werden, dass Jugendliche und/als Lernende sich sehr wohl für Politik interessieren. Das Problem besteht vielmehr auf der Seite der Lehrenden, da die didaktischen Formen, mit denen versucht wird, jungen Menschen politische Themen näherzubringen und sie im politischen Prozess zu integrieren, gänzlich unpassend ist. Will man mithin medienpädagogisch sicherstellen, dass die Jugendlichen am politischen Leben teilnehmen, so muss man sie in der Sprache ihrer eigenen Jugendkultur über die ihnen vertrauten Medien ansprechen.

Ausgehend von Dieter Baackes Medienkompetenzbegriff und den Diskussionen zur media literacy referiert Christine Trültzsch-Wijnen in einer luziden Synthese ihrer Inauguralvorlesung an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig die (linguistische und sprachphilosophische) Herkunft des Kompetenzdiskurses bei Saussure, Chomsky, Searle und Habermas. Dabei setzt sie dem Primat der Kompetenz eine Performanztheorie entgegen, indem sie daran erinnert, dass schon Dieter Baacke in seiner Habilitationsschrift die Kompetenz pragmatisch gefasst hat. Deshalb plädiert die Autorin dafür, den Begriff der "Medienperformanz" in Erwägung zu ziehen. Dabei wird eingehend erläutert, wie noch die Baackesche Unterscheidung von Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung in den aktuellen Diskussionen von einer Schärfung der Unterscheidung von Kompetenz und Performanz profitieren kann. Insbesondere die breiten Diskussionen zur Medialität des Habitus im Rahmen der aktuellen medienpädagogischen Diskussionen stellen für Trültzsch-Wijnen eine maßgebliche Referenz dar, um über die Klassen- und Kapitaltheorie der Bourdieuschen Bildungssoziologie medienpädagogische Fragen nach der Brutalität sozialer Ungleichheit(en) in den Mittelpunkt zu rücken. Ein geschärfter Blick auf die pragmatische (und handlungsorientierte) Performanz stellt insofern ein Desiderat der medienpädagogischen Forschung dar, das intensiv bearbeitet werden muss, so die Autorin.

Im Ressort Praxis finden MedienpädagogInnen erneut sehr konkrete Hilfestellungen für den Unterricht:

So stellt Carmen Smiatacz das bemerkenswerte Projekt "Geschichtomat" vor, dass den Geschichtsunterricht dabei unterstützen soll, jüdische Geschichte nach der Shoah nicht aus der Opferperspektive zu sehen, sondern die soziale und kulturelle Aktivität des Judentums zu erfassen und zu vermitteln. So zeigt eine empirische Studie deutscher Schulbücher, dass jüdische Geschichte vorrangig in Verbindung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust unterrichtet wird. (Liepach 2014: 15). Auch in anderen Epochen wird jüdische Geschichte meist mit Verfolgungsgeschichte gleichgesetzt. Ein äußerst problematischer Umstand, den "Geschichtomat" überwindet, indem Lernende direkt und über das Internet mit der jüdischen Kultur ihrer Heimtstadt verbunden werden. Die teilnehmenden Jugendlichen erforschen und entdecken so ihre Nachbarschaft und lernen jüdische Geschichte und Kultur auf eine neue, einzigartige Weise kennen. Smiatacz hebt damit hervor, dass der Einsatz digitaler Medien gerade im Geschichtsunterricht Chancen aber auch Risken mit sich bringt.

Christoph Kaindel unterstützt Sie dann tatkräftig und sehr praktisch dabei, mit Kindern und Jugendlichen einen Horrorfilm zu drehen. Dazu braucht es natürlich auch Horror-Kompetenz. So betont der Autor im Rekurs auf George A. Romeros "Night of the Living Dead", dass der Horrorfilm immer auch als Gesellschaftskritik verstanden werden kann. Genau deshalb ist das didaktische Einsteigen in den Horror medienpädagogisch auch sinnvoll. Mit Verweis auf eine herausragende Einführung in die Horrorfilmproduktion erläutert der Autor deshalb die Grundladen des Monster-Make-Ups und das Herstellen von Latex-Wunden, abgeschnittenen Händen und Masken aus Alginat. Dabei berichtet er auch eingehend von seinen konkreten Erfahrungen am Set von "Zombieversum", einem Horrofilm, an dessen Produktion er selbst beteiligt war. Wer mithin bereit ist, rund 100 Euro aufzuwenden, der ist schon dabei im Horror-Universum. MedienpädagogInnen sollten also mit Kaindel folgender These vollinhaltlich zustimmen: Jugendliche brauchen Horror!

Lea Braun fragt dann im Ressort Bildung/Politik nach der Rolle, die Medienpädagogik im Diskurs über das Öffentliche einnehmen kann: Welche Konzepte können helfen, sich dem Gegensatz zwischen Privatem und Öffentlichem auf einer theoretischen Ebene zu nähern? Diese Frage ist das Kernthema des Beitrages, der vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt auch die Problemzone der direkten Demokratie behandelt. Denn in einer sich ausdehnenden und größer werdenden Weltgemeinschaft werden immer mehr Forderungen nach einem globalen öffentlichen Raum und einer partizipatorischen Organisation politischer Prozesse laut. Ziel wäre mithin eine transnationale Zivilgesellschaft bzw. eine Weltgesellschaft mit sanften Steuerungsmechanismen (Habermas). So stellt die Autorin Jürgen Habermas, Hannah Arendt und Niklas Luhmann gegenüber, um die Diskussion des Öffentlichkeitsbegriffs zusammenzufassen und ein medienpädagogisches Plädoyer für die Vermittlung der Fähigkeit zu halten, vorhandene Strukturen des Internets zu nutzen, um Öffentlichkeit für die eigenen Belange herzustellen. Auf diese Weise könnte Medienpädagogik einen Beitrag dazu leisten, vorhandene (mediale) Machtstrukturen sichtbar zu machen.

Kerrin Klinger untersucht dann in ihrer historischen Analyse filmisches Unterrichtsmaterial, das im Kalten Krieg in den Schulen der DDR verwendet wurde. Ihre Frage lautet: Inwiefern repräsentieren die Filmcharaktere und -körper politische Modelle? Der materiale Ausgangspunkt des Beitrags ist eine Sammlung von 16mm-Lehrfilmen aus dem Bestand der ehemaligen Schulbildstelle Weimar, die zwischen 1950 und 1990 produziert wurden. In der DDR wurden sie sehr breit eingesetzt. Der Bestand umfasst insgesamt 258 verschiedene Filmtitel, vor allem aus dem Bereich der Naturwissenschaften, aber auch Geographie, Geschichte, Literatur oder Arbeitsschutz wurden thematisiert. Darüber hinaus enthält dieses Archiv auch Unterhaltungsfilme für Kinder. Im Bestand dieser Filme finden sich auch Erläuterungen des Geiger-Müller-Zählers, die in der Gesamtansicht der visuellen Tradition des Bildungsfilms folgen und welche Klinger zitiert und eingehend diskutiert. Diese Filme stehen ihrerseits im Kontext eines pädagogischen Mediendiskurses, der in den frühen 1920er Jahren einsetzt und sind mithin selbst Quellen zur Geschichte der Medienpädagogik. Insgesamt kann die Autorin deutlich machen, dass "Dinge" und "Objektivität" selbst in ein politisch-ideologisches Feld eingelassen sind, dessen Sinnzusammenhang nur durch historische Kontextualisierung entschlüsselt werden kann.

Und auch das Ressort Kultur/Kunst hat für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE zwei intellektuelle Juwelen zu bieten:

Zuerst behandelt Manon Steiner unter dem Titel "Antipathie für den Teufel" das Verhältnis von Rock 'n' Roll und Jugendkultur in den Sechzigerjahren und analysiert dabei anhand der Beatles und der Rolling Stones reich bebildert die symbolische und umwertende Rolle des Teufels angesichts subversiver und rebellischer Gegenkulturstrategien. Die (puritanische) Antipathie wurde dabei vor allem von staatlichen Autoritäten und der Presse eingesetzt, um moralisierende Normen zu setzen, die dann erst recht überschritten werden wollten. Das schizophrene Bild von Luzifer als Erlöser und Übeltäter zugleich wird so als negatives und negiertes Symbol einer ganzen Jugendkultur dechiffriert, deren Eigenheiten auch heute noch auf Jugendliche faszinierend wirken. Denn der Teufel grinst einem auch aktuell überall entgegen. Der beste Trick aber, den sich der Teufel je ausgedacht hat, war, den Menschen davon zu überzeugen, dass er nicht existiert …

Dann analysiert Johanna Braun die erstaunlichen Parallelen zwischen dem Auftauchen gerechtigkeitsuchender Mädchen im US-Horrorfilm und der amerikanischen Rechtsgeschichte, die sich in den letzten Jahren immer wieder mit vermissten oder ermordeten Mädchen auseinandersetzen musste. Das heimsuchende Mädchen ist dabei ein kollektives Symbol für Mädchen die tatsächlich heimgesucht wurden, weil sie nicht mehr heimfanden. So kennt die amerikanische Rechts- und Kulturgeschichte umgangssprachlich Kelsey's Law, Jessica's Law, Marsy's Law oder Chelsea's Law und bezeichnet bzw. verhandelt damit das Unheimliche des Mordes oder des Missbrauchs an unschuldigen Mädchen. Braun argumentiert (und belegt) dass dieses Unheimliche in der Filmgeschichte des US-Horrorfilms in bemerkenswerter Häufigkeit gespenstert und wiederkehrt. Denn die weiß bekleidete Wiedergängerin steht in Kontinuität zur kunstgeschichtlichen Symbolik der Justitia, deren Waagschalen für Recht und Gerechtigkeit stehen. Das weiße Mädchen wird somit zur Subjektivität der Justiz, es wird sozusagen das gespenstische, wiedergängerische Subjekt des Gesetzes.

Darüber hinaus ist auch unser Ressort Neue Medien wieder reich bestückt und liefert intellektuell herausforderndes Unterrichtsmaterial:

So hat Magdalena Lehnhart "Der Mensch, der Schreibmuskel, der Suchtfetzen" von Werner Schwab gelesen, der vor über zwanzig Jahren als einer der bemerkenswertesten Künstler und Autoren Österreichs starb. Sein Gesamtwerk steht damit auf breiter Ebene wieder zur Diskussion. Bianca Burger hat sich um den Kitsch gekümmert: Denn "Der Unernst des Kitsches. Die Ästhetik des laxen Blicks auf die Welt" von Yushin Ra ist eine anregende und breit angelegte Analyse dieses ästhetisch reizvollen Phänomens, das den Ernst unterwandert und dennoch verschiedene Kulturobjekte kennzeichnet. Christina Wintersteiger entführt uns dann in die Welt von Neil Gaiman, dessen "The View from the Cheap Seats. Selected Nonfiction" soeben erschienen ist. Neil Gaiman ist als Künstler auch ein leidenschaftlicher Leser, wie sich anhand der breiten Pallette seiner Reden, Vorworte, Vorträge und Essays rekonstruieren lässt. Falls Sie Unterrichtsmaterialien zur Filmgeschichte benötigen, sollten Sie sich Raffaela Rogy anvertrauen: Denn sie hat für Sie den Band "Film und Kino. Die Faszination der laufenden Bilder" von Elizabeth Prommer gesichtet und berichtet eingehend. Die Arbeit des viel zu früh verstorbenen Robert Suter stellt dann Christian Zolles vor, der "Par Force. Jagd und Kritik" rezensiert hat und in luzider Weise die anspruchsvollen und ausgezeichneten Gedankengänge Suters zusammenfasst. Wenn Sie in drei Abbildungen sehen und wissen wollen, wie rasant Kapital sich in Deutschland zwischen 1998 und 2010 konzentriert hat, dann können sie getrost Wolfgang Neurath folgen, der für sie das "Handbuch Historische Netzwerkforschung" durchgearbeitet hat. Nehmen Sie es zur Hand und konstruieren Sie Netze und Netzwerke! Last but not least hat Chefredakteur Alessandro Barberi auch noch Hand angelegt. Seine Begeisterung für den jüngsten Roman von Christoph Ransmayr "Cox und der Lauf der Zeit" ist dabei genauso lesbar wie wunderbar schöne Maschinen des 18. Jahrhunderts sichtbar werden.

Und gerade weil die verdienstvolle Arbeit von Katharina Kaiser-Müller oft unsichtbar im Backend bleibt, möchten wird die LeserInnen der MEDIENIMPULSE daran erinnern, dass sie es war, die erneut mit Ankündigungen relevanter medienpädagogischer Ereignisse ihre Handschrift hinterlassen hat. Hier möchten wir Sie zum Abschluss vor allem zu unserer Buchpräsentation MEDIENIMPULSE 2014–2015 einladen, die am 18. Jänner 2017 um 18.00 Uhr im WienXtra Medienzentrum stattfindet. Wir hoffen sehr, Sie dort begrüßen zu dürfen, wünschen Ihnen viel Spaß in unseren virtuellen Welten

und senden

herzliche Grüße,

Alessandro Barberi und Christian Swertz

Tags

macht, souveränität, herrschaft, medienkritik