Neue Medien

4/2016 - Macht, Souveränität, Herrschaft

Rezension: Handbuch Historische Netzwerkforschung. Grundlagen und Anwendungen

von Marten Düring, Ulrich Eumann, Martin Stark und Linda von Keyserlingk (Hg.)

AutorIn: Wolfgang Neurath

Wolfgang Neurath diskutiert anhand eines bemerkenswerten Bandes die Vorteile der Netzwerkanalyse und rät den LeserInnen der MEDIENIMPULSE zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit dieser eminent wichtigen sozialwissenschaftlichen Methode …

Verlag: Lit Verlag
Erscheinungsort: Berlin/Münster/Wien/Zürich/London
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3-643-11705-2


Cover: Handbuch Historische Netzwerkforschung
von Marten Düring, Ulrich Eumann, Martin Stark und Linda von Keyserlingk (Hg.)
Quelle: Amazon

"Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin,
neue Landschaften zu erforschen,
sondern mit neuen Augen zu sehen."

(Marcel Proust)

Im Grunde versuchen die AutorInnen des vorliegenden Sammelbandes, der sie fünf Jahre beschäftigt hat, die Fragen aufzugreifen, welche ForscherInnen an die Netzwerkforschung stellen, die nicht autochthone "Stammesmitglieder"[1] der Netzwerkanalyse-Community sind. Interessant für alle Geistes- und Sozialwissenschaftler ist die Herangehensweise der HistorikerInnen, da sie paradigmatisch die Taktiken, Manöver und Funktionsweisen vor Augen führen, die im Umgang mit Neuem in den Wissenschaften praktiziert werden. Kurzum, es zeigt sich wie neue Territorien entstehen und besetzt werden. Es liegt an den LeserInnen einzuschätzen und zu überprüfen, ob diese Veränderungen in der Wahrnehmungs- und Denkweise sowie in der Vorgehens- und Arbeitsweise für die eigene Forschungspraxis sinnvoll genutzt und inwieweit die Historische Netzwerkanalyse (HNA) als Erweiterung von bestehenden Stärken der historischen Forschung verstanden werden kann.[2]

Die Netzwerkforschung beschäftigt derzeit, u. a. durch die digitalen und globalisierten Kontexte, nicht allein die KulturwissenschaftlerInnen. Vermehrt verzeichnen wir auch durch PhilosophInnen, KomplexitätstheoretikerInnen, PhysikerInnen und InformatikerInnen eine dramatische Erweiterung der Forschungsfelder; und wir vermeinen meist sogar ein neues Universum von Begriffen, Konzepten, Instrumenten verbunden mit neuen Formen der Kommunikation und der visuellen Präsentation zu vernehmen. Die Netzwerkforschung hat auch neue und innovative Impulse für die Medienwissenschaften gesetzt, egal ob historische Prozesse in den Blick kommen[3] oder auch digitale Kommunikationsformen wie "Social Media", die derzeit global und viral diffundieren.[4]

Bei diesem Handbuch handelt sich um eine Relektüre historischer Forschungen und gleichzeitig um eine Problematisierung der sozialen Netzwerkanalyse (SNA), die spezifische Verfahrensweisen, Modelle, Narrateme und von der Netzwerkanalyse-Community produzierte Mythen als "common-sense" des "akademischen Stammes" exportieren. Dokumentiert wird wie Formalisierung und "Distant Reading"[5] auf selbstverständliche Praktiken der HistorikerInnen wirken und wie mit Transformationen bei Codierungstechniken, Datenanalytik und Visualisierungspraktiken umgegangen werden kann. Gleichzeitig können neue stark formale Konzepte und Modelle in die erklärende Rekonstruktion miteinbezogen werden, ohne selbst das Ergebnis der wissenschaftlichen Erzählung zu sein.[6]

"Das Handbuch versammelt Reflexionen über die Widerstände, Hemmnisse oder Problematisierungen, die in konkreten Forschungsprozessen entstanden sind. "Welche Folgen haben heterogene Quellenbestände? Was sagen Zentralitätsberechnungen und Netzwerkvisualisierungen letzten Endes aus? Mit der Universalität des Netzwerkansatzes einher geht die Vielfältigkeit der Umsetzung- und Auswertungsmöglichkeiten, die sich auf die Spezifika von Fragestellungen anpassen lassen. Entsprechend gleicht kaum ein Projekt dem anderen. LeserInnen dieses Buches werden deshalb nach der Lektüre einen Überblick über die Potenziale, Probleme und Herausforderungen der Historischen Netzwerkforschung haben und auf dieser Grundlage ihre eigenen Projekte gestalten." (Handbuch, 7)

Darüber hinaus verrät die Aufsatzsammlung auch Einiges darüber, welche Linien der Netzwerkanalyse von der Historiografie aufgenommen und verstärkt werden; wo geradezu neue Territorien der Forschung entstehen und welche Linien nicht gesehen oder eben nicht "übersetzt" werden. Natürlich werden auch die Verbindungen zur Netzwerkforschung hin verfolgt und in den meisten Fällen kann man wohl sagen, dass die Konzepte und Techniken der HistorikerInnen auf wenig Resonanz gestoßen sind. So finden wir die verschiedenen Linien der Historisierung, die von einer Wissenschafts- und Kulturgeschichte bis hin zu einer Geschichte der Allianzen, Manöver und Taktiken innerhalb der Geschichtswissenschaften oder auch zwischen den Disziplinen der "Humanties and Social Sciences" reichen. (Denkbar wären hier natürlich auch verschiedenste Spezialhistorisierungen, etwa von der visuellen Sprache des Netzes, bei der meist die Bildpädagogik Otto Neuraths vergessen wird, bis zu Problematisierungen von Formalisierungsschüben wie sie z. B. die Sozialgeschichte erlebt hat.)

Die historischen Linien werden durch die Erkundung des derzeitigen Feldes der historischen Netzwerkanalyse abgeschlossen. Konkrete Anwendungen und Problemfelder bilden ein zweites Linienbündel, welches sich aber derzeit schnell vergrößert, da scheinbar versucht wird "Netzwerkanalyse inside" als Qualitätsmerkmal zu etablieren. Gerade die Möglichkeit der Visualisierung von abstrakten symbolischen Objektivierungen, die man als eigene "language of networks" benennen kann, wird im Forschungsprozess als besondere heuristische Möglichkeit genutzt, um sehr schnell und intuitiv Erkenntnisse über komplexe Beziehungsmuster in den Archivbeständen zu erhalten. Jedoch muss dabei immer angemerkt werden, dass der Projektionsraum (selbst der leere Raum) der Netzwerkkarte nicht neutral oder frei von Annahmen über die An/Ordnungen von sozialen Strukturen und deren "constraints" ist.

Mit der Netzwerkforschung ist nicht nur eine spezifische methodische Präferenz angesprochen, sondern generell eine Veränderung in den Praktiken und Techniken der Entzifferung des Sozialen, sei es als Struktur oder Morphologie, sei es als Ensemble von Dispositionen, Manövern, Techniken und Funktionsweisen oder sei es als Anordnung von kollektiven Handlungsweisen, die als Netz von ständig sich erneuernden und verändernden Beziehungen gesehen werden. In den Konzeptionen der Netzwerkforschung können wir auch Hinweise darauf finden, dass sich die regulative Idee und Darstellungsweise von sozialer Macht dramatisch verändert hat: Sei es, dass nicht die Opposition von Unterschieden im Mittelpunkt steht, um die herum sich die soziale Welt als gesamte organisiert, sondern eher ein Netzwerk von Singularitäten erscheint, dessen "agency" sich nicht nur durch lokale Positionen in symbolischen wie sozialen Räumen definiert findet. Bruno Latour, dessen Namen mit der Entwicklung der Akteur-Netzwerk-Theorie am "Centre de Sociologie de l'Innovation" verbunden ist, verweist immer wieder darauf, dass das von Gilles Deleuze und Félix Guattari erfundene Konzept des "Rhizome" der treffende Name für das sei, was er selbst als "Netzwerk" bezeichnet.[7] Latour betont damit die Bedeutung lokaler Vielheiten und die Unabgeschlossenheit von Geflechten, die sich nicht aus einem Ursprung filieren.

In Netzwerkgesellschaften[8](Manuel Castells) können wir zwar eine globale strategische Ausrichtung erkennen, die aber immer mit heterogenen und lokalen Machtdispositiven verbunden ist. Betont wird die Differenz zwischen einem planetaren "Raum der Ströme", indem vor allem globale strategische Entwicklungen synchronisiert ablaufen (Informationalismus), und lokalen wie traditionellen Orten, die mit regressiven und harten Reterritorialisierungen darauf antworten.

Wer eine umfassende Wissenschafts-, Medien- und Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke studieren will, wird vor allem im ersten Teil des Handbuches durch eine Lektüre von "Die Verbundenheit der Dinge. Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke"[9] über die historischen Kontexte dieser Kulturtechnik reichhaltig aufgeklärt. (Be-)Schreibend zu verstehen wie sich eine Kulturgeschichte der Netze entfalten könnte, erfordert Mut, Gelehrsamkeit und eine Haltung, die man als Balance zwischen "einfachen" Ordnungen und überbordendem Wissen bezeichnen könnte. So beginnt Sebastian Gießmann mit einer Analyse konkreter dinglicher Artefakte, die in Mythen, aber auch in Inszenierungen und Gegenständen ihre konnektiven Strukturen entbergen lassen. Wesentlich verbleiben sie der Materialität verhaftet, obwohl die "Arbeit an den Mythen", die sie begleiten, uns ein Bemühen nach reflexiver Durchdringung abverlangen, die uns zu keinem Ende kommen lassen.

"Netzwerke hingegen werden als wesentlich heterogene, interkonnektive und unscharfe Quasi-Objekte verstanden, die die Menschen, Dinge, Zeichen, Institutionen und Räume integrieren. Als Quasi-Objekte zeichnen sich Netzwerke durch spezifische Modi der Verzeitlichung aus."[10]

Eine Kultur(technik)geschichte muss daher immer auch alle symbolischen und materiellen (Kon-) Texte mitschreiben, um diesen hybriden Raum zwischen materieller und symbolischer Welt historisch und philosophisch zu erfassen. Um dem erklärten theoretischen Ansatz gerecht zu werden, muss sie eine eigene Sprache entwickeln, die historisch und theoretisch ein diskursives Niveau ermöglicht, um auch die sozialwissenschaftlichen Theorien und Modelle mitzuerfassen (ANT, SNA, etc.). Gleichzeitig entwickelt sich dadurch nicht nur die Dechiffrierung sozialer Systeme bzw. Morphologien weiter, sondern wird die Netzwerkanalyse zur Codierung des Sozialen selbst benutzt. D. h. die Netzwerkforschung hat spätestens in den 90er Jahren "ihre Unschuld" verloren und ihre Wissenschaft- und Kulturgeschichte wird ohne entsprechende Machtanalyse und historische Analyse der Anwendungsfelder nicht zu verstehen sein. Historische Netzwerkforschung verlangt damit nach einer genauen und detaillierten Diskurs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Damit sind die zwei deutlich unterschiedlichen Zugangsweisen zur Netzwerkforschung umschrieben, die beide aber durchaus als Handreichung für all diejenigen gelten können, die nach Zugängen in das mittlerweile eher unübersichtliche Terrain suchen.

Ein netzwerkanalytisches Beispiel

Abschließend seien deshalb noch drei Netzwerkvisualsierungen präsentiert, mit denen die zunehmende Kapitalverflechtung und -konzentration in Deutschland von 1998 über 2004 bis 2010 vor Augen geführt werden kann. Dabei wird etwa die Auflösung der Deutschland AG nicht nur historisch rekonstruiert, sondern durch Netzwerkkarten als Geschichte visuell erzählt und auf eindrucksvolle Weise nachvollziehbar gemacht. Traditionell zeichnete sich die deutsche Unternehmenslandschaft durch enge Kapital- und Personalverfechtungen aus. Doch diese enge Verbundenheiten der Menschen und der Unternehmen löst sich allmählich auf. Eine am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung entwickelte Methode der Netzwerkvisualisierung (Lothar Krempel) gibt Einblicke in das Wesen des deutschen Unternehmensnetzwerks und die Ursachen seiner Erosion:

1. Netzwerkvisualisierung – Kapitalverflechtungen in Deutschland 1998

2. Netzwerkvisualisierung – Kapitalverflechtungen in Deutschland 2004

3. Netzwerkvisualisierung – Kapitalverflechtungen in Deutschland 2010


© Lothar Krempel, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, www.mpifg.de/people/lk

Während die Kapitalbeteiligungen 1998 ein stark verflochtenes Unternehmensnetzwerk bilden, dessen hoher Grad an Vernetzung die deutsche Unternehmenslandschaft für mehr als 100 Jahre gekennzeichnet hat (vgl. Höpner und Krempel 2004, 2005), zeigt sich in den folgenden Jahren eine fortschreitende Abnahme sowohl der Anzahl wie auch des Volumens der Kapitalverflechtungen. Bereits zwischen den Jahren 1996 und 2000 halbierte sich die Anzahl der Kapitalverflechtungen um etwa 50 Prozent. Ein Prozeß der sich in den Jahren 2002 und 2004 fortsetzte. Den 62 Unternehmen des Netzes von 1996 stehen im Jahr 2004 nur 35 und im Jahr 2010 nur mehr 22 gegenüber. Dabei wurden meistens die Beteiligungen von Finanzdienstleistern an andere Finanzdienstleister sowie an Industrieunternehmen verkauft.

Weiterführende Literatur

Höpner, Martin/Krempel, Lothar (2004): »The Politics of the German Company Network«, Competition & Change, Bd. 8, Nr. 4, 339–356.

Höpner, Martin/Krempel, Lothar (2005), Ein Netzwerk in Auflösung: Wie die Deutschland AG zerfällt. MPIfG Jahrbuch 2003–2004, 9–14.

Monopolkommission (2006): Hauptgutachten 2004/2005. Mehr Wettbewerb auch im Dienstleistungssektor! Baden Baden: Nomos.

Lothar Krempel (2010): Die Transformation der Deutschland AG 1996–2006, in: Gamper, M./Reschke, L. (Hg.): Knoten und Kanten: Soziale Netzwerkanalyse in Wirtschafts- und Migrationsforschung, Bielefeld: transcript 145–158.


Anmerkungen

[1] Zur tribalen Verfassung der akademischen Welt siehe: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, ÖZG 25/2014/3: Die "Stämme" der Akademie/"Tribes" in Academe, herausgegeben von Albert Müller, online unter: http://www.studienverlag.at/page.cfm?vpath=zeitschriften/oezg&genericpageid=29436 (letzter Zugriff: 20.12.2016).

[2] Rezente und umfassende Informationen zum Thema historische Netzwerkforschung bzw. historische Netzwerkanalyse finden sich unter: http://historicalnetworkresearch.org. Entsprechend stellen wissenschaftliche Fachzeitschriften die historische Netzwerkforschung vor: so die spanische Zeitschrift REDES, (Dezember 2011): "Análisis de redes e historia: herramientas, aproxima ciones, problemas" (Analyse von Netzen und Geschichte: Werkzeuge, Zugänge, Probleme) und "Historische Netzwerkanalysen" der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG 23/2012/1). Die Einleitung von Albert Müller und von mir ist online unter http://www.studienverlag.at/page.cfm?vpath=zeitschriften/oezg&genericpageid=27744 abrufbar (letzter Zugriff: 20.12.2016).

[3] Robert Darnton zeichnet zum Beispiel ein Diagramm des Kommunikationsflusses von Schmähgedichten im Paris des 18. Jahrhunderts, indem er erstens Graphen verwendet, zweitens die Richtung der "Übertragung" und auch den Zeitpunkt der polizeilichen Festnahme aufträgt. Jedes Gedicht durchläuft das Netzwerk, wobei mehrere Personen multiple Träger von Schmähdichtungen sein können. Vgl. Darnton, Robert (2002): Poesie und Polizei. Öffentliche Meinung und Kommunikationsnetzwerke im Paris des 18. Jahrhunderts, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 21ff.

[4] Ob die Netzwerkanalyse als innovativste Neuerung der Sozialwissenschaften in den letzten Jahrzehnten wahrzunehmen ist (vgl.: Düring, Marten/Eumann, Ulrich [2013]: Historische Netzwerkforschung: Ein neuer Ansatz in den Geschichtswissenschaften, Geschichte und Gesellschaft, 39. Jg., H. 3 [Juli – September 2013], 369–390, online unter: http://www.jstor.org/stable/23608493), wäre grundlegend, d. h. epistemologisch, zu befragen, da selbst Harrison White einige schwerwiegende philosophische Einsprüche artikuliert. Vgl.: White, Harrison C./Godart, Frédéric C. (2007): Stories from Identity and Control, Sociologica, N. 3/2007 Doi: 10.2383/25960.

[5] "Die Distanz, die zu den Gegenständen eingenommen wird, soll freilich den Zugang zu ihnen nicht erschweren, sondern stattdessen eine spezifische Form von Erkenntnis ermöglichen: Weniger einzelne Elemente bedeuten eine bessere Übersicht über ihre Abhängigkeiten untereinander. Umrisse, Beziehungen und Strukturen werden so deutlich, Formen, letztlich Modelle." Moretti, Franco (2009): Kurven, Karten, Stammbäume. Abstrakte Modelle für die Literaturgeschichte (La letteratura vista da lontano, 2005). Mit einem Nachwort von Alberto Piazza. Aus dem Englischen übersetzt von Florian Kessler, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 7. Der Aufsatz zu "Netzwerktheorie, Handlungsanalyse" findet sich in: Moretti, Franco (2016): "Distant Reading", Konstanz: University Press, 191–218. Vgl. auch die konzise Synthese dieser Forschungen mit zahlreichen nettzwerkanalytischen Abbildungen: Moretti, Franco (2011): Network Theory, Plot Analysis, in: New Left Review 68/Mar/Apr 2011, 80–102, online unter (mit Download der pdf): https://newleftreview.org/II/68/franco-moretti-network-theory-plot-analysis (letzter Zugriff: 03.01.2017)

[6] HistorikerInnen, die für neue Einsichten aufgeschlossen sind, werden sich jedenfalls mit dem Werkzeugkaste der SNA beschäftigen müssen, da die Risken der Methode und der Veränderung durch die Perspektivierung durchaus kontrolliert werden können: "Der Umstand, dass methodologische Raffinesse oder die Bezugnahme auf sehr komplizierte Graphen das Ziel von Forschung werden kann, ist ein Risiko, das aber kontrolliert werden kann, wenn HistorikerInnen genug über die involvierten Techniken wissen, so dass sie nicht zu bloßen Datenlieferanten für Modell-Bauer werden. Solange Formalisierung in ihrer hilfswissenschaftlichen Rolle behalten wird, erlaubt sie uns weiter zu gehen als bis zum lockeren relational turn der letzten Jahrzehnte, und zwar so, dass wir nicht nur unsere Terminologie ändern, sondern tatsächlich neue Ergebnisse produzieren." Lemerciere, Claire (2012): Formale Methoden der Netzwerkanalyse in den Geschichtswissenschaften: Warum und Wie? ÖZG 23/2012/1 , 16–41, hier: 18.

[7] ">Rhizome< is the perfect word for network. Actor-network theory should be called actant/rhizome ontology, as Mike Lynch says, because it is an ontology, it is about actants, and it is about rhizomes. But of course, Actant/Rhizome ontology is even more obscure! Deleuze is the greatest French philosopher (along with Serres). To come back to your original question, I have read Deleuze very carefully and have been more influenced by his work than by Foucault or Lyotard." Crawford, T. Hugh (1993): An Interview with Bruno Latour, Configurations1/2; 1993; 247–268, hier: 262.

[8] Castells, Manuel (2001): Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Das Informationszeitalter I, Leske + Budrich: Opladen.

[9] Gießmann, Sebastian (2014): Die Verbundenheit der Dinge. Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke, Berlin: Kadmos (2. durchgesehene Auflage 2016).

[10] ebenda: 15.

Tags

netzwerke, geschichte, rhizom, ant, sna