Ausgabe 1/2013
21.03.2013

Normen und Normierungen
Auf unterschiedlichsten Ebenen werden die Diskussionen der Medienpädagogik von normativ aufgeladenen Begriffen durchzogen: so, wenn es um Standards in der Medienbildung geht, wenn beispielsweise diskutiert wird, welche Inhalte in welcher Form vermittelt werden sollen; so auch wenn zur Debatte steht, wie Medienpädagogik institutionalisiert werden sollte und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um einen Bildungsprozess anzuleiten.
Ob dieser Debatten zum Problem der Normen hat sich die Redaktion der MEDIENIMPULSE entschlossen, dem Thema Normen und Normierungen ein eigenes Schwerpunktheft zu widmen.
Bild: Ein Kinnband zur Vermeidung eines Fehlbisses, entworfen von Moritz Schreber; Illustration aus: Schreber, D.G.M.: Kallipädie (1858), Leipzig; Quelle: Wikimedia Commons
Editorial
Editorial 01/2013
Schwerpunkt
Anja Klimsa fasst zusammen, weshalb die handlungsorientierte Medienpädagogik im Bereich der Prävention als Empowerment der Beteiligten im Vergleich zur normativen Medienpädagogik das geeignete Mittel ist, um gegenwärtig pädagogisch vorzugehen.
Norm Friesen untersucht in seinem Beitrag die unterschiedlichen Konzeptualisierungen von Sprechen und Schreiben im rationalistischen und romantischen Paradigma der Spracherfassung und zeigt auf, welche Bedeutung diese Normsetzungen angesichts der Generation von Digital Natives haben.
Aufgrund der Mehrdimensionalität des Medienkompetenzbegriffs, kann auf die kritische Dimension im pädagogischen Sinne nicht verzichten werden. Thomas Damberger untersucht deshalb die kritischen Dimensionen der Medienkompetenz.
Durch Social Networks wie Facebook tritt das Privatleben des "gläsernen Menschen" mehr und mehr in die Öffentlichkeit. Von Exhibitionismus und einer Kultur der Freizügigkeit ist dabei die Rede. Sascha Trültzsch und Daniela Pscheida untersuchen (historisch) normative Konzepte der Privatheit.
Thorsten Fuchs berichtet von einer Tagung zum Normativitätsproblem, die Anfang September an der Universität Wien stattgefunden hat. Dabei wird kursorisch die Pluralität der diesbezüglichen Positionen deutlich so wie dem Schwerpunktthema zusätzlich Relevanz verliehen wird.
Forschung
Lernen durch das Spielen von Echzeitstrategiespielen – für viele SpielerInnen ist das Realität … In der vorliegenden Arbeit wird der subjektiv wahrgenommene Wissenstransfer von 444 SpielerInnen und eines Online-Echtzeitstrategiespiels untersucht.
Zu Audioproduktionen gibt es seit den 1990er Jahren vor allem praktische Beiträge. Ein hochkarätiges AutorInnenteam hat deshalb die diesbezüglichen Aktivitäten zusammengefasst und bietet auch eine einschlägige Bibliografie.
Praxis
Das österreichische Urheberrecht muss an EU-Vorgaben angepasst werden. Daraus wurde nun ein veritabler Streit, da sich herausstellte, dass hier mehr als optische Korrekturen erforderlich wären. Ein kleiner Einblick in den aktuellen Diskurs.
Helmut Hostnig erläutert einfache Möglichkeiten auditiver Produktion und präsentiert medienpädagogische Vorschläge zur Realisierung eines Märchens im Radio, wobei er das chinesische Märchen "Sonne und Mond" als Beispiel wählt.
Nun ist er schon zum dritten Mal durchgeführt, der Aktions-Monat zum Safer Internet Day. Barbara Buchegger berichtet, dass die Projekte der Schulen immer besser und nachahmenswerter werden und der Kompetenzzuwachs spürbar ist.
Das "Digitale Tagebuch" der M2 startete im Mai 2000 und war für zwei Monate geplant. Inzwischen sind 13 Jahre daraus geworden. Christian Schreger berichtet von den langjährigen Aktivitäten seiner Klasse zu diesem einzigartigen Projekt.
Mit dem MegaZine3–Tool (dzt. nur für Windows) kann jede PDF–Datei mit einem Doppelklick in eine Onlinepublikation mit Pageflip–Effekt umgewandelt werden. Wie man dies selbst machen kann erläutert Klaudia Materrn in ihrem Beitrag eingehend.
Bildung - Politik
Mit >Zeit des Zorns< hat Jutta Dittfurth ihre Erfahrungen als Politikerin in der BRD zusammengefasst und zu einer umfassenden Kritik gebündelt. Von sozialen, ökonomischen und ökologischen Schäden, die der Kapitalismus hinterlässt, handelt ihre politische Philosophie. Alessandro Barberi hat rezensiert ...
Im ersten Teil seiner dreiteiligen Analyse des Irakkriegs und der >embedded journalists< untersucht Karl H. Stingeder eingehend den Abbau des seriösen Journalismus und verurteilt die Instrumentalisierung der Medien im Dienst politischer Indoktrination.
Kultur - Kunst
Hannah Arendt ist eine der bedeutendsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Margarete von Trotta hat sie mit Barbara Sukowa besetzt und ihr Leben verfilmt. Katharina Luckner war für Sie im Kino und hat die hervorragende Umsetzung rezensiert.
Eva Horvatic berichtet eingehend über das erste Comic Festival des Insitut français de Vienne und zeigt auf, dass Comics in Frankreich als ernst zu nehmende Medien behandelt werden, die auch die französische Kultur in sich aufnehmen und vermitteln. Darüber hinaus zeigt sie die bildungstheoretische Relevanz von Comics.
Neue Medien
Im Sammelband „Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick“ geben AutorInnen wie Knut Hickethier einen kultur-, kunst-, sowie mediengeschichtlichen Abriss des vorherigen Jahrhunderts. Die Rezension hat Raffaela Rogy übernommen.
Jörg Magenaus gelungene Lesebiografie eröffnet einen Zugang zum umstrittenen Schriftsteller-Brüderpaar Ernst und Friedrich Georg Jünger und versucht sich dabei buchstäblich in literarischer Aufarbeitung. Thomas Ballhausen hat für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE rezensiert.
Ob als Film oder Comic: Star Trek ist eine Vision, eine Utopie voller atemberaubender Bilder, mannigfaltiger Charaktere und gegensätzlicher (biologischer) Gruppierungen als Metapher zu den Gegensätzen und Gemeinsamkeiten auf unserem blauen Planeten.
Susanne Krucsay hat sich mit der letzten Publikation von Iwan Pasuchin auseinandergesetzt und unterstützt seine Kritik am neoliberalen >Informationalismus< der die (Medien-)Pädagogik vom emanzipatorischen Weg abgebracht hat.
Karl Stingeder hat als Spieletester die Science Fiction Trilogie Mass Effect (1,2 und 3) rezensiert. Er berichtet von der inneren Vielfalt und dem spannenden Gameplay. Tauchen Sie ein in eine Welt, die ihnen eine lange Spielzeit garantiert und genießen Sie die Pracht dieser Kunstwerke.
Das Wilde im Westen befindet sich bereits in den letzten Atemzügen, am Vorabend zur industriellen Revolution. Red Dead Redemption lässt die Spieler in eine von Gewalt erfüllte Welt des ausklingenden Wilden Westens eintauchen.
Karl H. Stingeder rezensiert die beiden postapokalyptischen Romane Metro 2033 und Metro 2034 von Dmitry Glukhovsky, die auch in einer Spielversion auf den Markt gebracht wurden. Ein typischer Fall für unseren stellaren Spielexperten, der uns in die multimediale Welt der Science Fiction entführt.
Computerspielegemeinschaften prägen den virtuellen Alltag in vielen Online-Spielen. Mehr noch: Online-Spiele werden häufig erst durch Gamefamilies richtig reizvoll und motivieren langfristig. Martin Geisler hat sich diesem medienpädagogischen Themenkomplex eingehend gewidmet.